Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 34 (2.5.1887)
- Date
- 1887-05-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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wurde, haben Sie — ich erfuhr dies erst jetzt, erst vor kurzer Zeit — mich meuchlerisch ums Leben dringen wollen. Sie boten mir durch Ihren Spießgesellen, den Kerkermeister Mostrich, scheinbar die Freiheit, um mich in den Wellen der Hanna den Tod finden zu kaffen. Sie haben reichlich um mich und die Meinen den Tod verdient. Ich hätte das Recht und habe die Macht. Sie erschießen. Sie an dem nächsten Kaum ausknüpfen zu lallen. Kein Mensch würde Ihr Blut aus meinen Händen sordenr uud vor Gort föimte ich es mit ruhigem Genügen vcrantworrcn; — aber der Jude, den Sic von seiner Kindheit an, bis sie ihn lobt am Flusses Grunde geglaubt, mit giftigem Haffe verfolgt, ist zu edel sich zu rächen. Ich will Sie nicht richten .... Gott richte zwischen mir und Ihnen .... Herr Nach Wcckclsbachcr und Herr Äucrbruck," fuhr der Genera! zu diesen gewendet unvermittelt fort: „Ich kann den Zweck Ihrer Anwesenheit unschwer errathen. Seien Sie vollkommen unbesorgt. Wir Franzosen sind eine civiliürre Nation, es wird hier in W., wie überall, wo unsere Truppen einzichen, die strengste Mannszucht gehalten, das Eigcmhum friedlicher Bürger unangetastet bleiben, geschürzt werden. Uebrigens hat Ihnen Lieutenant Hcimdrod, der als geborener Elfäger des Teutschcn vollkommen mächtig ist, schon in meinem Auftrag milgerhcilt, daß unsere bcidciiciligen Monarchen Zusammenkommen, daß ein Waffenstillstand geschloffen, dieser voraussichtlich zu einem dauernden Frieden führen wird. Ich wiederhole, was ich schon heute Morgen durch Herrn Lieutenant Hcimdrod mittheilcn ließ, wir rücken nicht als Feinde ein * Tie Worre dcS Generals und die dadurch erlangte Erkenntniß, der französische Neitcr-General wäre einst der arme, verwaiste, clsässil'che Iudcnknabe, der Pflcgckohn deS verstorbenen Iudcnvorltchers Aron Brack gewesen, brachte ein völlig unbeschreibliche Wirkung, — unbeschreiblich in des WoncS eigenster Bedeutung — hervor. Das schien das Unglaublichste, das Undenkbarste. «Herr General!" rief Wcckclsbachcr nach einer 4>aufe wortloser Erstarrung. „Sie sind .... Sic ^arcn .... Michael Klein, der als Knabe der Schüler und Liebling unseres seligen Parrcr Willibalds gewesen? .... Ich habe in den letzten -r.agen viel von dem kühnen Reiter-General Klein erzählen hören, der eine Brigade de» unter dem r-berbefehle des General Nanfouty stehenden fforpS rommandirt, aber daß Sie dieser General wären, war Niemandem eingefallen. Sie ein In." der Nach hielt erschrocken inne. „Sie staunen wohl darüber, daß eia Jude General wird? Ter Kaiser kennt keine Borurtheile, in unserer Armee herrschen keine StandeS- und RcligionS-Unterschiede, hier entscheidet nur Talent und guter Wille. Jeder Soldat der französischen Armee trögt den Marschallstab in seinem Tornister; das erweckt den Eifer, den Ehrgeiz, die Liebe zu unserem obersten Kriegsherrn, dem Kaiser. Tcr französische Soldat, der in den Kampf geht, setzt Alles daran, das Höchste zu erringen, und unser Kaiser, dessen scharfer Adlcrbick rasch militärisches Genie entdeckt, kann seine Feldherren aus einem weit größeren Kreise wählen als die andern Mächte, welche die hohen Ofsiziersstellen nur Hochadekigen anvcrtraucn wollen. Es fällt mir nicht ein, das Genie meines Kaisers, das ich bewundere, zu verkleinern, auch ist das nicht der geringste Beweis seiner Gcuialstät; — allein auch dieser Umstand hat wesentlich. zu seinen großen Erfolgen beigetragen." In AuerbruckS Brust wogte ein harter Kampf, er war ein guter österreichischer Patriot und daher ein Fcmd Napoleons und Frankreichs, aber die Gleichheit der Rechte gefiel ihm, schon aus dem Grunde, weil die Ungleichheit der Stände für ihn oft eine Quelle der .Kränkung und Herabsetzung geworden war. Er konnte den französischen General Michael Klein nicht lieben, aber dieser war von Golzinger gchaß: worden, und hatte ihn nun moralisch vernichtet; — und überdies hatte er sich nicht rächen wollen, das war eine edle That, deren er — Aucrbruck — sich selbst nicht für fähig hielt; er sympathisierte mit ihm und mußte ihn achten. „Herr General," sprach er. „Ich bin kein solcher elender Heuchler wie Bürgermeister Golzinger, ich bin ein offener, ehrlicher Mann, ich kann nicht sagen, daß ich mich freue, Ihre tapfere Brigade bei unS einzichen zu sehen, ich kann es nicht alS eine freudige Hoffnung aussprechen, daß Sie lange in unserer Mitte bleiben werden, — aber das darf ich Ihnen sagen: Sie sind ein Ehrenmann, der meine Bewunderung erregt; — uud auch da» will ich Ihnen sagen, es schmerzt mich tief, daß eS bei uns in Oesterreich nicht so wie bei Ihnen in Frankreich ist, daß sich bei uns nicht alle Kräfte gleichmäßig entwickeln können; aber vielleicht wird dieser unglückliche Krieg, für Oesterreich und die andern Staaten wenigstens das Gute im Gefolge führen, daß man erkennen wird, daß ein Staat nur dann mächtig und sieghaft fein könne, wenn allen feinen Angehörigen mit gleichen Pflichten auch gleiche Rechte zu Thcil werden, daß gleiche Rechte, gleiche