Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 33 (28.4.1887)
- Date
- 1887-04-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449730--26333-2516149- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXVIIL Jahrgang. M 38. Sla Zentral - Organ für das orthodoxe Iudenthum. Herausgcgeben von Dr. Lehma«« in Mainz. Donnerstag, de« 28. April 8647 (1887). Leitende Artikel. Die Sprüche der Kater. Drittes Buch. IV. Mainz, 25. April. „üiröm Ehananja ben Thcradion pflegte zu sagen: Zwei, welche beisammen fitzen, und es sind nicht zwischen ihnen Worte der Thora, so ist dieses ein Sitz von Spöttern, wie es heißt (Psalm 1. V. 1.): Und auf dem Sitze der Spötter saß er nicht. Aber zwei, welche beisammen sitzen, und eS sind zwischen ihnen Worte der Thora, da ruht der Abglanz der göttlichen Majestät zwischen ihnen, wie es heißt (Malcachi E. 3. B. 16.): Dann untcrrcden sich die Gottcsfürchtigcn einer mit dem andern; und es vernimmt cs der Ewige und hört es, und cs wird ausgeschrieben im Buche der Erinnerung vor Ihm für die Gottessürchtigen und die, so Seinen Slawen achten. — Hieraus weiß ich nur von Zweien. Woher aber isi bewiesen, daß sogar einem Einzelnen, der da sitzt und sich mit der Thora beschäftigt, der Heilige gelobt sei Er, Lohn bestimmt? Denn so heißt cs (Echah C. 3. V. 28.): Einsam wird er sitzen und ausharrcn; denn Gottes Schutz ist über ihm." Tie Bewahrheitung dieses Ausspruches hat Rabbi Chananja ben Thcradion mit der Hingabe seines Lebens bethätigt. Zur Zeit der Hadrian'schen Bafolguug, nach der Zerstörung von.Bcthar, wurde das Studium iu der Gotteslchrc verboten und die Übertretung mit der Todesstrafe bedroht. Trotzdem ließ der Weise sich nicht zurückhalten, versammelte seine Schüler um sich und belehrte sie in der Mre unsres Gottes. Wohl warnte ihn Rabbi «Wt ben Äisma, er aber achtete diese Warnung mcht, und die Römer verfuhren mit der entsctzlichsieu Grausamkeit gegen ihn. Nicht allein er, sondern auch die Seinen sollten seinen Ungehorsam büßen. Seine jüngere, noch ledige Tochter sollte der Schande preisgcgeben, seine Gemahlin umgebracht und er selbst unter schrecklichen Qualen hingcrichtct werden. In eine Scfer Thora eingewickelt, wurde er auf den Scheiterhaufen geschleppt, damit er zugleich mit der Thora ein Raub der Flamme werde. Um seine Todesqual zu verlängern hatte man naye Wolle auf sein Herz gelegt. Von Mitleid erfaßt, ricth ihm der Henker, die naffe Wolle u entfernen. Rabbi Ehananja aber weigerte sich, einen Tod selbst zu beschleunigen. Da verkürzte ihm der Henker die Todespein, und stürzte sich dann, um der ihm drohenden Strafe zu erttgehcn, selbst in die Flammen. — Der Gemahl der altern Tochter des Märtyrers, der berühmte Rabbi Melr, rettete mit Lebensgefahr seine Schwägerin aus dem Hause der Schande. Als er das junge Mädchen befreit hatte, verfolgten ihn die Römer mit ihren schrecklichen Fanghunden, die ihn auch einholten; aber es geschah ein Wunder, und die Hunde lhaten ihm nichts. Daher betet noch heute der Jude, welcher von Hunden angcfallcn wird: tnsi 27, „Allmächtiger, der Du einst Mett von den Hunden errettet hast, erhöre auch mich! (Vergleiche Abodah sarah 18 a.) Kehren wir nun zu dem Ausspruche des weisen Rabbi Ehananja den Theradion zurück. Die Schwierigkeiten, die sich beim aufmerksamen Turchleseu desselben darbicten, sind zahlreich. Schon im Anfänge erscheint die Ausdruckswcise eine ganz absonderliche. „Zwei, welche sitzen, und es sind nicht zwischen ihnen Worte der Thora." Warum sagt der Weise nicht einfach, und dem Schlußsätze entsprechend: „Zwei, welche sitzen und sich nicht mit der Thora bcschäfttgcn?" — Eine andere Frage ist die: warum sollen zwei Leute, die zusammen sitzen und nicht Thora reden, die also vielleicht schweigen, als ein Sitz der Spötter bezeichnet werden? Zum Dritten ist zu fragen, welchen Beweis