Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 32 (25.4.1887)
- Date
- 1887-04-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449729--26326-2516141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
571 Ursache nur eine, in ihrer Loslösung von den anderen. Und angethan mit solchem logischen Feywerk, aber auch mir dem Größenwahne eines Ealigula, der von feiner Umgebung fordert, daß sie ihn kniefällig anbete, stellen sich die Helden der antisemilischcn Eohorte auf die Podeste öffentlicher Bersammlungslocale, auf Lehrstühle, Kirchenkanzcln und parlamentarische Rednerbühncn, predigen die Verbesserung der Welt durch daS große Princip, daS sic vertreten, weinen Krokodilsthränen über die guten (Christen und die bösen Juden und entrollen aus eitel heiliger Liebe die unhcilige Fahne des Hasses, der Verachtung und Verfolgung gegen das jüdische Volk. GS wäre eine Illusion zu glauben, dem Antisemitismus, der sich selbst nicht zu morivircn vernrag, mit vernünftigen Gründen beikommcn zu können. Aber der gesunde Sinn der Bevölkerung wird der weiteren Ausbreitung desselben einen kräftigen Tamm entgegensetzen. Noch ist es den Antisemiten in keinem Parlament der Welt gelungen, mehr zu wirken, als von sich reden zu machen. Tic deutsche Bürgerschaft will von Bestrebungen nichts willen, welche ihr zumuthen, die staatsgrundgcfctzlich verbriefte Rechte ihrer jüdischen Mitbürger zu erschüttern und auf diese Art bei der Bestattung der eigenen Rechte und Freiheiten Todtcngräbcrdicnstc zu leisten. Und die Elite unserer wackeren Landbevölkerung schließt sich der Bürgerschaft an. .iwar gibt es im nordwestlichen Schlesien und in Steiermark, charakteristischcrweise namentlich in solchen Gegenden, in welchen seit Menscher,gedenken me ein Jude gewohnt hat, eine Reitze von Ortschaften, in welchen der wüthendste Antisemitismus graisirt. Aber auf deni im vorigen Jahre in Wien abgchaltencu deutsch - österreichischen Bancrnparteirage konnte ein Mitglied (Kirchmayr) das Treiben der antisemitischen Partei, welche die Bauern zu fremden Zwecken mißbrauchen wolle und auf einem Lngcusystcme aufgebaut sei, unter stürmischem Bciiallc der Bcrsammlung verurrheilcn. Es wäre auch unbegreiflich, wenn es anders wäre. Muß doch von allen klar Denkenden bei jeder antisemitischen -Kundgebung, ganz abgesehen von der Frage nach der logischen Berechtigung des antisemitischen Srandvuuftcs aufgeworfen werden: ttcnn mau denn, so wird und muß der gesunde Bolkssinn fragen» von der auf den Ruinen mittelalterlichen BölkcrdruckeS crbautcn parlamentarischen Rcdnerbühnc, kann man au» dem Boden der politischen und consessionellcn »treiben, kann man als Eonscquen; deS PrincipS *cr Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetze die Forderung erheben, es müsse jener Druck bezüglich eines einzelnen Volksstammes, nämlich der Juden, wiederhergcstellt und es müsse diese Freiheit und Gleichberechtigung für eine besondere Kategorie von Staatsbürgern, nämlich für die Juden, außer Wirksamkeit gesetzt werdend Kann man das, ohne sich selbst des Widerspruches inne zu werden, in welchem man sich befindet, und ohne zu begreifen, daß man dann dem Manne gleicht, der den Ast absägt, auf dem er sitzt? tan 'inan mit dem linken Mundwinkel seine humanitäre Entrüstung, zum Beispiel für diejenigen zum Ausdruck bringen, welche als Erziehungsmittel für trotzige und ungcberdigc Schuljungen die Ruthe wieder in die Schulstubc einführcn möchten, und mit dem rechten Mundwinkel die mittelalterliche Iudcnhctze zum Postulat der Gegenwart machen? Kann man am Sonntag in den Fluchen der allgemeinen Menschenliebe behaglich plätschern und am Wochentage Drachenzähne säen? Ter Antisemitismus steht mit einem Fuße in der Vergangenheit, mit dem andern in der Gegenwart. Wenn derselbe in seinem Wesen und Eharaktcr nicht gar so niedrig wäre, so könnte man au den alten Cöloß von RhoduS denken, von welchem die Fabel erzählt, daß er mit auSgesprciztcn Beinen über der Einfahrt in den Hafen stand. Aber zwischendurch fnhrcu die griechischen und phönizischcn Schiffe, ging der Handelsverkehr der alten Welt, nahm die Eultnr ihren Weg. Wer übrigens nur mit Einem Fuße auf dem lebendigen Boden der Gegcnrvart steht, der steht mit dem andern — im Grabe und bald wohl mit beiden. Zeitungsuachrichteu und Correspondeuzei». Oesterr.-Ungar. Monarchie. Tcltsch, l:r. April. Bor Kurzem verschied hier die Gattin des im vorigen Jahre verstorbenen durch jüdisches und profanes Wissen ausgezeichneten Herrn irn z-7Vk ms, der der hiesigen Eultusgcmeindc 5<)0 fl. legirr hat. — Tic Kinder desselben spendeten aus Anlaß des Ablcbeirs ihrer Mutter der Gemeinde 1200 fl. Italien. Rom. h. April. Noch vor Beginn deS heiligen Festes beeile ich.mich. Ihnen eine interessante Mttyeilung zu mache». Wie bekannt, ist es schon seit