Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 32 (25.4.1887)
- Date
- 1887-04-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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567 Feuilleton. . Michael. Erzählung vou S. Lohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Vierunddreißlgstes Kapitel. Tie Deputation der Stadt W.. welche den kin.ziehcvdcn französische» Befehlshaber an der Grenze ihres Weichbildes empfangen und die Stadt seiner Huld und Nachsicht empfehlen sollte, harte sich schon Vormittags im Nathhause versammelt. Tort hatte sich noch eine hitzige (kontroverse zwischen dem Bürgermeister und dem Seifensieder Auerbruck entwickelt. Dieser, ein Mitglied der Deputation, war in der Uniform als Bürgerschützcnbauptmamr erschienen. Golzingcr, der sich jetzt wieder ein wenig gesammelt hatte, war in den lctzrcn Tagen wenn möglich noch erbitterter gegen Ancrbruck geworden, weil dieser seine Flucht verbinden, ihn gewaltsam zurückgchaltcn, ihn förmlich wie einen Gefangenen und auch sonst verächtlich behandelt harte. Gr erklärte cs für unpassend, das; Auerbruck dem siegreichen Feinde in Bürgeruniform die Waffe an der Seite cnrgcgeugche. und daß er als Ghef der Stadl eine solche lächerliche Hanswurstiade nicht gestatte. Ancrbruck war zornig aufgcfahren und behauptete: Golzingcr hätte durch sein feiges, niederträchtiges Benehmen das Recht zu befehlen verwirkt. Gr habe die Stadt zu einer Zeit verlassen wollen, wo sie eines energischen Hauptes am meisten bedurfte, und cs wäre am besten, wenn er sofort von dem Amte, zu dem er keine Gigcmmg besitze und dessen er nicht würdig sei, znrückträte. Ter besonnene Rath Weckelsbach wollte Frieden fristen und machte die Streitenden darauf aufmerksam, daß jetzt Einigkeit Noch thue. Gr riech Ancrbruck sich umzulleidcn, und als erster Bürger feiner Vaterstadt, der er doch sei, zu erscheinen. Gine Schmeichelei verfehlt bei einem rirlcn Mensche« nie ihre Wirkung, Ancrbruck eilte nach Hause um sich umzukleidcn, nicht ohne vorher wir srärksrer Betonung die Grklärung abgegeben zu haben, er sei hierzu nicht durch das sinnlose GcschDätz des Bürgermeisters, sondern durch Rach weckelsbach vernünftige Äotivirung veranlaßtwordcn. Golzingcr wäre am liebsten vor Aucrbrucks Rückkehr aufgebrochcn, was aber Weckelsbach zu Verhindern wußte. Als Auerbruck nun bürgerlich kckleidet zurückgekehrt war, schlug er mit der unberholeneu Absicht den Bürgermeister zu krönten. und der verschwiegenen Hoffnung selbst zum Redner designirt zu werden, vor, nicht Bürgermeister Golzinger, der heute früh schon , vor dem französische» Lieutenant, zitternd, wie ein Armersünder gestanden und vor dem feindlichen General zu Nichts zusammenschrumpfe» würde, sondern ein Anderer möge zum Wortführer gewählt werden, und da er sich denn doch nicht gar so offenkundig vordrängeu mochte, schlug er hierfür Rath Weckelsbach vor, was dieser aber mit großer Entschiedenheit und zu Gunsten des Bürgermeisters ablehnte. — Der französische Lieutenant hatte sich über die Zeit der Ankunft der fremden Truppen nicht ge« nau ausgesprochen, und die Deputation mußte, wollte sie nicht Gefahr laufen, ihren Zweck ganz zu verfehlen, vorsichtshalber sofort aufbrechcn. Eine große Menschenmenge hatte sie am Ningplatze erwartet und war ihr gefolgt, eine noch weit größere aus den umliegenden Dörfern hatte sich an der Ortsgrenze cingcfnndcn. Tie Deputation mußte lange warten, es war sehr kalt und für die SHit» gl jeder derselben eine peinliche Situation. Die undctheiUgten Zuschauer waren zur Anwesenheit nicht gezwungen, und was man freiwillig thut, erscheint leichter, auch konnten sie in dem nahegelegenen Wirtlishause zeitweilig ihre erstarrten Glieder in der Stube wärmen, ihren inneren Menschen durch geistige Getränke auf die erwünschte Temperatur bringen, das Alles aber dursten die Mitglieder der Deputation nicht thun. Der Bürgermeister stand wie ein Storch bald auf dem rechten, bald auf dein linken Fuße. Ter Seifensieder trippelte fortwährend auf den hartgefrorenen Boden, beide in der Absicht ihre Füße vor Anfriercn zu bewahren. Gs herrschte lange ein unangenehmes Schweigen bis dies endlich von dem Seifensieder Auerbruck, welcher ein sehr lebhaftes aufgewecktes Naturell besaß und seine Zunge nickt lange ruhen lassen konnte, unterbrochen wurde. Gr stand links neben dem Bürgermeister, zu dessen Rechten, Nach Wcckelsbach: aber er richtete an diesen, nicht an jenen daS Wort. „Bor ohngrsähr sieben Jahren, da standen wir auch da, und erwarteten gleichfalls die Ankunft eines Reiterregiments. Ich erinnere mich noch genau aller Ginzelheiten, nach der langweiligen, abgeschmackten Rede, die unser würdiges Stadthaupt- — ein kurzes hervorgcstoßcnes Lachen verlieh im Zusammenhänge mit dem ganzen Satze den ironischen Worten den richtigen Sinn, — „an den Oberst gerichtet, der meine höfliche Ginladung zu einem Balle erzgrob zurückgewicsen. Diese adeligen Ofstziere waren in der Thal schon zu aufgeblasen ....*