Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 32 (25.4.1887)
- Date
- 1887-04-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVm. Jahrgang. M SS Li» Zentral - Organ für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegeben von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, de« SS. April 2647 (1887). Leitende Artikel. Iie Sprüche der Fäter. Drittes Buch. in. Mainz, 2l. April. »Rabbi Ehanina, der Borsicher der Priester, pstcgte zu sagen: Bete beständig für das Wohl der Regierung, denn, wenn die Furcht vor ihr nicht wäre, würde Einer den Andern lebendig verschlingend Auch der hier genannte Weise lebte zu der Zeit, als der heilige Tempel noch stand. Er hatte eine hohe Stelle inne und kam gleich nach dem Hohenpriester. Für den Fall, daß dem Hohenpriester am Versöhnungstage ein Unfall zustieß, war der ~:~n ps, der Vorsteher der Priester, bestimmt, ibn zu ersetzen. (Joma 39 a.). Er war ein Gesöffe des Rabbon Jochanan bcn Sackai und überlebte, wie dieser, die Zerstörung des heiligen Tempels. Er starb den Märlyrertod am 23. Tage des Monats Siwan, an demselben Tage, an welchem Rabbon Schimeon bcn Gamliel, der Aeltere, und Rabbi Jischmakl, der Hohepriester, zum Tode geehrt wurden (Lrach Ehajim E. 580, § 2.). Doch scheint die Hinrichtung Rabbi Ehanina's wohl an demselben Datum, doch nicht in demselben Jahre wie die der beiden andern Weisen ftattgefundcn;u haben, da sich aus mehreren Talmudstellen ergibt, daß wie bereits erwähnt, Rabbi Ehanina die Zerstörung des helligen Tempels überlebt hat. (Verwiche Joma 21 d., wo er bezeugt: Ich habe die -ramme auf dem Altäre im heiligen Tempel gelben. Mit Recht folgert man daraus, daß damals der heilige Tempel schon zerstört war. Vergleiche auch Peßachim 14 a., Jdioth E. 2, Joma 8 a.) . Es ist eine große Lehre, welche Rabbi Eharrma uns hier gibt. Sic belehrt uns nicht allein in Bezug auf unser Verhalten dem Staate gegenüber, in depen Mitte wir leben; der Ausspruch des Weisen wirft auch ein Helles Licht auf den Begriff des Staates überhaupt. . Einer der größten Denker der neuern Zeit, der berühmte Philosoph Hegel, hat die Frage aufgeworfen, was wohl früher sei, das einzelne Individuum, das gemeinsam mit Millionen anderer den Staat bildet, oder der Staat selbst. So paradox diese Frage erscheint, so hat sie doch ihre vollkommene Berechtigung und von ihrer Beantwortung hängt der Begriff und die Bestimmung des Wesens des Staates ab. Wenn die einzelnen Individuen das Ursprüngliche sind, so besteht der Staat nur in der Bereinigung vieler Individuen zu einem nur lose zusammenhängenden Ganzen. Dem ist jedoch nicht so. Der Staat muß als ein organisches Wesen betrachtet werden, und in jedem Organisms ist nicht der Theil früher da, sondern das Ganze, wenn auch nicht thatsächlich, so doch jedenfalls der Idee nach. Wir wollen das an einem Beispiele deutlich machen. Beim Menschen z. B. ist nicht der kleine Finger früher da als der Mensch: wohl aber ist der Begriff des Menschen früher da als die einzelnen Theilc des ins Dasein tretenden Menschen. — Aus dieser Auseinandersetzung ergibt sich, daß der Staat eine göttliche Einrichtung ist. daß das Wesen des Staates von Gott eingesetzt, daß es von Gott in die menschliche Natur gelegt ist, daß sie in geordneten Staaten zusammen leben und die staatlichen Lrgane bestimmen, welche die gesellschaftliche Lrdnung handhaben. Als der jüdische Staat zerstört und die Juden in die babylonische Gefangenschaft geführt wurden, da richtete der in Jerusalem zurückgebliebene Prophet Jirmiah ein Sendschreiben an die Verbannten, also lautend: »So bat gesprochen der Ewige Zebaoth, der Gott Israels, zu all den Verbannten, die Ich von Jenisalcm nach Babel habe