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Der Israelit · 1887-04-21 · Heft 31 (21.4.1887) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 31 (21.4.1887)
Date
1887-04-21
Page
– (sequence 23)
Language
German
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111 In der am HO. 3Lai 1886 stattgefundenen Brneral Versammlung. welche von unserem Alterspräsidenten Hfcrra W. AVolffsohn um 4*/• Uhr Nachmittags eröffnet wurde, erstattete der lienlaut. Herr G. Köhler, den Rechenschaftsbericht. Die Revisionscommission, bestehend aus den Herren C. F. Crakau-Fürsten wähle und J. Friedeiuann-Storkow. hatten zuvor die Bücher und die fasse, sowie die Effectenbestände geprüft und für richtig befunden. Die Generalversammlung ertheilte darauf dem Rendanten die Decharge. | Der Bericht über die Wirksamkeit des Yerj ♦•ins wurde durch einen längeren Vortrag des . Leitersder Taubstummen-Anstalt, Herrn 3f. j Keich. erledigt. Sodann erfolgte die Berathung j über den von dem Yorstaudsmitgliede Herrn : Koch aus Berlin eingegangeuen Antrag, den J; 10; des Statutes dahin zu andern, dass die General-; Versammlung auch an anderen Orte«, als am! Sitze des Vereins stattfinden soll. Dieser An- | :rag wurde nach längerer Debatte vom Antragi!er zurnckgenummen und statt dessen von der Versammlung beschlossen, zur Anregung iner grösseren Theiluahme für den Verein auch in Berlin eine Versammlung ahzuhalten. ln den Vorstand wurde einstimmig Herr Fritz Xacliod aus Leipzig gewählt und hat 'ich Herr Xacliod schriftlich zur Annahme der Wahl bereit erklärt. Um 7 Uhr waren die Verhandlungen beendigt und wurde die Generalver- .'.uinulung geschlossen. Nach Schluss derselben Ffsichtigten die Gäste die Taubstummen-Anstalt. Xotizen über die jüdische Taubstummen-Anstalt zu Fürstenwalde a. d. Spree. So lange in Deutschland keine besondere Anstalt für jüdische Taubstumme bestand, müssen die Eltern, denen daran gelegen war. ihre Kinder der angestammten Religion erhalten zu M-]«n und sie in den Glaubenssatzungen ihrer * J Dem Taubstummen unsere Sprache zu ge~ | ben, die Gewinnung einer sittlich-religiösen Ge-! sinnung und die Erziehung zur bürgerlichen; Brauchbarkeit ist das Ziel, welches die Anstalt | zu erstreben hat. Um dies erreichen zu können, ist ein Unteniciitskursus von mindestens 8 Jahren erforderlich. (Wenn man für hörende Kinder | eine von ihrem 6. bis 14. Lebensjahre dauernde; Unterrichtszeit zu ihrer gewöhnlichen elementaren Ausbildung fest gestellt hat. darf es nicht befremden, dass man für ein taubstummes Kind mindestens eine gleiche Unterrichtszeit beansprucht.) Die Zöglinge erhalten in 32 Lehrstunden wöchentlich, mit Ausnahme des Gesanges, in denselben Gegenständen Unterricht, wie hörende Kinder in den besseren Volksschulen; als: im Lesen. Schreiben, Rechnen und Zeichnen, in der IMigk.it, Bibi. Geschichte, Geographi. Geschichte, Naturkunde, im Hebräisch-Lesen und Gebetel ebersetzen. Die Freistunden werden durch Spaziergänge, gymnastische Uebungen uud aller-; lei Handarbeiten, als: Holz-und Laubsägearbei-; ten ansgefüllt. Die Mädchen erhalten in allen weiblichen Handarbeiten Unterricht. Die Kinder werden stets angehalten, ihre Anliegen nur münd-! lieh vorzutragen, mündlich gegebene Aufträge ■ auszuführen oder an Andere zu bestellen. . Wir sind auch bestrebt, ihnen, soweit es möglich ist, die Familie zu ersetzen; sie speisen! mit mir und meiner Familie an einem Tische I und cs wird für das ganze Hauswesen nur eine Küche (und zwar streng rituell) geführt. Die! Sabbathe und Festtage werden würdig gefeiert t und die Kinder zum Verständnisse des Wortes; Gottes hingeleitet. . Das Anstaltsgebäude befindet sich inmitten eines 1\. Morgen grossen Gartens; dieser gewährt. abgeschlossen von störenden äusseren Einflüssen, den Zöglingen einen sicheren Aufenthalt in frischer Luft und vielfache nützliche und lehrreiche Beschäftigungen. Dies Grundstück ist vom Referenten für diese Zwecke seit nieli- '•‘t«-r erziehen zn lassen, dieselben in die jiidi- 'die Taubstummen-Anstalt nach Wien schicken, "« im ihre Vermögensverhältnisse es gestatteten. Ok Unbemittelten waren gezwungen, ihre un- -iücklichen Kinder mehr oder weniger geistig UU<1 moralisch verkommen zu lassen. . , Zur Beseitigung dieses Xothstandes habe i< h unter Beihilfe edler Menschenfreunde, hauptsächlich des seligen Herrn Jacob Xacliod in |***ipzig und der Familie Ginsberg in J^-rlin am 15. Juli 1873 die hiesige jüdische ‘««bstummen-Anstalt eröffnet. Dieselbe hat die Bestimmung, jüdischen S-.uibrummen Kindern,-zunächst aus Deutschland, Erziehung und Unterricht nebst vollständiger Y'rpfl'-gung zu gewähren: die Theilnalnne Taub- S’ucnner anderer Konfessionen au dem Unterist nicht ausgeschlossen. reren Jahren gepachtet. Der Gesundheitszustand der Zöglinge war bisher ein recht zufriedenstellender, da kein einziger ernstlicher Krankheitsfall vorgekommen ist. Seit dem Bestehen der Anstalt erfreuen sich 28 Taubstumme der Wuhllhat derselben, wovon 15 dem Gewerbe bereits zugeführt wurden und zwar: 3 Buchbinder, 1 Drechsler. 1 Klempner, 1 Schmied, 1 Lithograph, 3 Schneider, 1 Schuhmacher, 3 Schriftsetzer. 1 Gigarrenarbeiter. - Gegenwärtig sind in der Anstalt 9 Freizöglimre und 2 Peusiouszöglinge. Zum Frühlinge d. J. sollen noch zwei Freistellen besetzt werden und sind zu diesen Freistellen ein Mädchen aus Stettin und ein Knabe aus Se hubin, Pr. Posen, in Aussicht genommen. , Es können nur solche Kinder Aufnahme finden, welche:

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