Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 30 (18.4.1887)
- Date
- 1887-04-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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53$ hervorgeruscn. hat sich gelegt. Die Regierung hat in Einverständnis mit der jüdischen Gemeinde in den Anordnungen gewisse Modificationen eintreten lassen, wonach tue Armen keine Begräbnißlare, die Reichen aber eine solche von 50—100 Piaster zu zahlen haben. S - u m t t o n. Michael. Erzählung von C. Loh«. L?enaffer von «Gabriel. (Fortsetzung.) „Daß Lorenz Golzinger lebt," sprach Michael, „habe ich vor einigen Tagen erfahren, ich bekam die Liste jener österreichischen Lsnzicre zur Hand, die mit General Mack in Ulm vor' meinem Kaiser kapitulirtcn und ihr Ehrenwort gaben, ein Jahr lang nicht gegen uns zu kämpfen. Unter diesen fand ich auch den Namen des Verhaßten." Lara zuckte heftig zusammen, eine jähe Rothe stieg in ihnn Wangen auf. Der beseligende Gedanke: sie habe Michael wieder gefunden, dieser sei ihr treu geblieben, hatte ihre Seele so vollständig erfüllt, daß ihr alles Andere nebensächlich erschien .... jetzt als sie sich zu sammeln begann, siel ihr auch Michaels Uniform ins Auge, sie kannte diese, sie halte ja ähnliche oft gesehen; erschreckt trat sic unwillkührlich zurück und sprach: „Du dienst ini Heere unserer Feinde, kämpfst gegen unfern Kaiser, Dein Vaterland, ziehst als Feind in Deine Heimath . . . .* „Mein Vaterland, meine Heimath;?" rief Michael erregt, „Du irrst, ich bin in Frankreich geboren: — aber ich betrachtete cs erst daun als Vaterland, nachdem es mich als seinen Lohn anerkannt .W. meine Heimath?! Mähren nrein Vaterland?! Was sprichst Dn da? Als meine Mutter hier starb und ich, das verlassenste, hilfloseste Wesen auf Gottes weiter Welt, allein da stand, wollte mich Bürgermeister Golzinger, weil ich ein Jude war, vertreiben, obwohl er wußte, ich müßte verhungern, erfrieren, im Elende verkommen! W. meine Heimath!! Es gab kein Gesetz, das mich vor der tollen Laune des ersten besten Schurken schützte! Als Dich ein nichtswürdigcr Wüstling rauben wollte, ärger als ein Negerfürst schwarze Sklaven, lind ich Dich verthcidigte, ward ich auf Leben und Tod angcklagt. und der treffliche Archonte dieser Stadt, wollte mich ertränken lassen, um seinen Sohn, der auch Deines Vaters Tod verbrochen, vor jeder Verantwortung zu schützen .... Ich habe nicht gegen mein Vaterland gekämpft. bei dem lebendigen Gotte! bevor ich dies lhärr. ließ ich mir lieber beide Arme vom Rumpfe schlage«. Ich bin in Frankreich geboren: aber als ich irr Elsaß daS Licht der Welt erblickte, befaß ich auch don kein Vaterland, — aber es haben sich dorr die Verhältnisse in wunderbar schöner Weise geändert. Mein Vaterland nahm mich als seine« Sohn auf, cs machte mir meinen Glauben an dnr einigeinzigen Gotte nicht zum Verbrechen, ich ward ihm ein treuer Sohn, und will's ihm' bleiben! L: Ter Jude liebt sein Vaterland, — oft auch wenn cS ihn nicht als Sohn anerkannt .... Ich hebe mich gestern erst von Neuem davon überzeugt. ich fand einen blutjrmgen österreichischen Soldaten auf dem Schlachtfcldc. den, beide Füße wcggc schossen waren. Ich wollte ihm helfen, sprach ihni Trost und Muth zu. Sein Blick war nicht mcdr klar, er sah mich nicht mehr recht, und kämvne schon den letzten, den Todcskampf. Er mochte mich, da ich ihn deutsch und freundlich ansprach, für einen österreichischen Offizier halten, denn er sprach mit ersterbender Stimme: „Herr! sagen Sic cs Allen, auch der Jude, den Ihr nicht zum Ofnzicr machen wollt, stirbt trotzdem fteudkg für Vaterland und Kaiser, möge auch mein vergossenes Am dazu beitragen, daß" — er hatte abgebrochen. Schm'a Iisrocl gclispelt, und seine Seele ausgchauckt. Ich befand mich auf dem Schlachtfeldc inmitten von Tobten, Sterbenden, Verwundeten, und doch hatte mich der unvollendete «ae des jungen, tobten Juden tief erschüttert! . . - .* Michael versank in Sinnen, plötzlich zuckte er aus diesem empor und rief: „Sara, Du bist mir angclobt von Deiner sterbende« Mutter, von Deinem Vater, cs war der heißeste Wunsch Deiner Eltern, daß wir Gatten würde«, und Lara — ich sage Dir's jetzt hier zum Erstcnmale — ich habe Dich geliebt von dem Momente an. wo Tu das Licht der Welt erblicktest. bis.immer, ewig! Ich hatte Dich für toM beweint, und war Dir treu geblieben: — als tu) Dich jetzt hier an heiliger Stätte an den Gräbern unserer Liebsten auf der Welt, erblickte und erfuhr, auch Du wärst mir treu geblieben: war ich so c«d los glücklich, daß cs Mcnschcnwort nicht ausmsprcchen vermag, daß diese eine Sekunde, all das nnschildcrbarc Leid meines vergangenen Lebens reichlich ausroc-g. daß ich Gott für diese endlos grorrc Hnld aus voller Seele dankte. Sara, hier^ an Deiner Ettern Grabe, werb' ich neuerlich um Tis. und frage Dich, willst Du mein Weib werden, aber ich bin Franzose und habe nrcincm Kaiser de« Eid der Treue geschworen, ich liebe mein Bare:-