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Der Israelit · 1887-04-07 · Heft 28-29 (7.4.1887) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 28-29 (7.4.1887)
Date
1887-04-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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> tranken, war der Anblick ein grauenhafter; — aber es war dies im blutigen Kampfesgewühle; aber vor sieben Jahren in jener furchtbaren Nacht; erschien mir Alles noch weit entsetzlicher .... Als ich schweißübcrströmt von der schweren Arbeit das Eiscngirtcr durchzufeilen, mich mit Lebensgefahr an einem Stricke herabgclaffen hatte, und mich an dem schmalen llserrande befand, stand ich allein, verlassen. Alle meine Lieben waren todt, oder glaubte ich todt, ich war ausgestoße:: aus den Reihen der Menschen, vogelfrci, glaubte mich als Mörder gedrandniarkt, ein Flüchtiger ohne einen einzigen Freund auf der ganzen Welt, und was ich in dieser Stunde erlebt, steht noch heute unvergessen, lebhaft vor meinem geistigen Auge . . . ." Michael starrte einen Moment vor sich hin, dann fuhr er fort: „($•* war eine dunkle Nacht, ich war lebensmüde und nngcfucht drängte sich mir nochmals die Frage auf, die mich schon oben in meiner Kcrkcrzclle veranlasst hatte, der Flucht zu entsagen: Weshalb sollte ich es versuchen , ein Leben zu retten, dessen Ankunft in schreckliches Dunkel gehüllt vor mir lag. ein Leben, das nicht den geringsten Anreiz für mich hatte? .... Schon bedachte ich cs, ob ich nicht freiwillig in meinen Kerker znrückkchrcn. und Alles, was auch da kommen konnte, über mich ergehen lassen sollte; — oder, ob cs nicht vor dem allschancnden, aber auch allmildcn Richter über dem Sternenhimmel droben, entschuldbar wäre, wenn ich eine offene Stelle der Eisfläche suchte, mich in die kalten Fluthen stürzte und meinem Ricsenclcnde mit einem Male ein rasches Ende machte, da . . . ." Michael machte eine Pause, und Sara, die seiner Erzählung in höchster Spannung gefolgt war, wiederholte und unwillkürlich, „da . . . ." „Ta bot sich mir plötzlich ein eigenthümlich schreckliches Schauspiel dar, und, der Schluß der gestern geschlagenen Schlacht har mich in entsetzlichster Weise an dasselbe erinnert .... Es war tief dunkel gewesen, und ein Mensch, der in einer verfallenen Fischerhütte versteckt gewesen, mochte durch das Geräusch, das ich verursachte, zu der ungegründeten Befürchtung veranlaßt worden sein, er werde verfolgt. Ich sah eine Gestalt wie einen dunkeln Schatten über die Eisfläche hinichwcben; dann rissen, wie dies zuweilen zu geschehen pflegt, plötzlich die Wolken, die den Mond verhüllten, und bei dessen fahlem Lichte konnte ich nun die Gestalt des Fliehenden, ein solcher war es, etwas deutlicher erkennen. Es war offenbar ein Deserteur, ein Dragoner, ein hochgcwachfcncr Mann, vielleicht 508 nicht kleiner als ich ... . es schmerzte mich, daß ich ihn, ohne cs zu wollen, geaugstigt. ich wollte ihm beruhigend Zurufen; aber in dem Momente bemerkte ich, am jenseitigen Ufer einige Menschen, ich fürchtete, ihn durch einen lauten Zuruf zu vcrrathcn und schwieg.... Plötzlich hörte ich ein Geräusch, einen lauten Aufschrei und sah die Gestalt einsinken. Das Ei» unter ihm war cingebrachen. Ich wollte dem Untersinkende» zu Hilfe eilen, alle::: in dem Momente knisterte und knarrte es auf der gau.zeu Spiegelfläche des Stromes, der glatte Plan zerbarst in zahllose Dhcile, der Fluß hatte sich von seinem Eisjoche befreit, und die Schollen setzten sich stromabwärts in Bewegung; — ein jeder Versuch, den Unglücklichen zu retten, war jetzt nur vergeblich, er war unmöglich .... Auch niir blieb keine Wahl, ich mußte nun den Weg auf dcrn schmalen Userrande fortsctzcn .... Jetzt erst nach sieben Jahren erkenne ich, daß Mostrich, — bestimmt auf Golziugers Befehl — mir gerathcn, den Weg über den Fluß zu nehmen, um mich ans dem Wege zu räumen. . . ." „Ja!" rief Sara. „Soldaten, die spät ans dem Wirthshausc hcimkckrtcn und der Kabronimschammes \ der von einem Sterbenden in dem nächsten Orte hcimkam, hatten in der Nacht einen ungewöhnlich großen Menschen in dem brechenden Eise cinsinkcn sehen. Ta Tn, wie man annchmcn mußte, um diese Zeit aus dem Kerker entflohen sein mußtest, herrschte lein Zweifel darüber, daß Tu... . rhcurer Freund, der Verunglückte gewesen!" „Ist nicht gleichzeitig ein Soldat der Garnison entsprungen, welcher der Verunglückte sein konnte? Hat man denn die Leiche nicht agnoscirt?" frug Michael verwundert. „Ich erfuhr, allerdings erst später, daß ein i Dragoner, ein ehemaliger Student dcscrtirt fei; — allein dieser war vicrundzwanzig Stunden früher entsprungen und cs war nicht anznnehmeu, daß er sich so lange hier in der Nähe anshalten würde, auch hatten ihn die ausgcsandten Patrouillen nicht ausgesunden." . . . „Und doch war er's gewesen, der arme Mensch mußte vicrundzwanzig Stunden in einem Verstecke gelegen haben," warf Michael dazwischen. „Und," fuhr Sara fort, „das Wetter batte damals rasch gewechselt, dem Thauwcttcr war! plötzlich wieder ein starker Frost gefolgt, welcher die Hanna von Neuem mit einer starken Eisdecke überzog, die erst einige Monate später, im Mär; I)?ienrr btt Bcerdigungsbrüderschast.

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