Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 28-29 (7.4.1887)
- Date
- 1887-04-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXV1IL Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 28 & 29 -es Israelit. Leitender Artikel. Die Ine-WritK und das orthodoxe Zudenthurn. IL Berlin, 3. April. Geehrter Herr Redakteur! In 3!r. 14 des „Israelit" vorigen Jahrgangs ist ein Artikel enthalten, in welchem die Gründe entwickelt wurden, die den gesctzeStrcuen Ichudi ab- Laltcn müßten, den von Amerika her iinportirten L'ue-Brith-Logeu bcizu treten. Ter Schluß jenes Artikels lautet: „Ihnen, geehrter Herr Redakteur, ist mein Zlame nicht unbckamit; wenn ich ihn ein ft id ei I c n hier nicht zeichne, so beruht dies auf Gründen, die mit der Sache selbst Nichts zu rhun haben. Die Gchcimnkßthuerci, welche den Logen einen besonderen Reiz oder eine cigcmhümliche Anziehungskraft verleihen soll, liebe ich am allerwenigsten. Ich habe mich immer daran gewöhnt, der Wahrheit ohne Scheu und ohne Rücksicht überall und zu jeder Zeit die Ehre zu geben. Äc hat mich auch hier geleitet." Ich habe Veranlassung, mich jetzt auch den Lesern dieser Blätter als den Verfasser jenes Artikels zu bezeichnen und zugleich hinzuznsügen, daß idi seither Beobachtungen anzuslcllcn und E rfahrungen zu sammeln Gelegenheit hatte, welche mich in den angeführten Gründen noch mehr bestärken. Es gestatteten aber weder mein Beruf, noch meine Zeit, in eine weitere Erörterung dieser Angelegenheit rinzuirctcn. Ich kann um so mehr darauf verzichten, da, wie ich nach einer mchrwöchcntlick.cn Abwesenheit vom Hause erst jetzt lese, dies bereits (in Nr. 23) von cincul Andern i» gründlichster Weise geschehen ist. Ich bescheide mich, die erste Anregung dazu Lsgebcu zu haben und habe nur noch die Absicht, hier in Kürze die Eonscqncnzen zu ziehen, welche Nch mir aus dem gesammelten Material ergeben. Das Kartell-Bündniß nach der in der Gcgcnfcclie&icii Mode und Methode auch auf u::scr religiöses Gebiet hinübcrtragcn — bedeutet so viel als die Wahrheit untergraben und unsere Zukunft SNährdm. v . Es soll der gesttzestreue Iebudi dazu niirhelscn.! "üh das sogenannte innere Juden 1Hum aus! den Thron gesetzt werde und die Phrase fortan zur Herrschaft gelange.'! Er soll mit dazu beitragen, daß Derjenige, der sich einmal vom jüdischen Leben mehr oder minder losgesagt hat, sich den Weg zur Rückkehr abschneide, indem mau ihn in dem Wahn bestärkt, daß durch Hebung von Gcmilluß-Ehcsed allein Alles, ja Alles gut gemacht wird oder wenigstens ersetzt werde» kann!! Er soll Mitwirken, daß dieses Gemiluß-Ehesed in sehr vielen Fällen da geübt werde, wo cs längst ausgehört hat, den Begriff einer jüdischen npTS reso noch ciuzuschließen!! Er soll mithclfen, daß die Begeisterung für die praktische Bethätigung von rrro und nno immer schwächer werde, bis sie endlich ganz erlöschen muß. Tenn wer sie noch besitzt, wird durch die geforderte unablässige Hebung, die innersten Gefühle der Freundschaft und Brüderlichkeit auch aufSolche zu übertragen, welche in Lehre und Leben dem frommen Ichudi offenes Aergcrniß bereiten, schließlich immer kälter werden gegen den beseligenden Vorzug und inneren Werth, den das praktische Iudenthnm seinen Verehrern und Pflegern gewährt. Mindestens aber wird er immer mehr daran sich gewöhnen, den Abfall mit Gleichgiltigkeit zu betrachten und sich nicht adhaltcn, selbst mit dem Abgesallcnen, sobald er nur dem Iudcnthum der Phrase noch angehört, offen Arm in Arui vor Aller Welt zu erscheinen. Er soll mithclfen, daß in geselliger und gesellschaftlicher Stellung Schranken fallen, welche bisher streng gewahrt wurden, schon um der Jugend willen, die sorgsam vom Verkehr mit denen, die vom praktischreligiösen Leben sich abgewandt, fcrngchalten wurde. Er soll endlich in das Lob des Bundes einstimmen, daß es den Mitgliedern zur Pflicht gemacht sei, nirgends und bei keiner Gelegenheit ein Wort religiöser Belehrung oder Zurechtweisung fallen zu kaffen, da jede Eontrovcrse über das Iudcnthum und seine Ilebungcn ausgeschlossen bleiben soll. Dagegen wird dem gesetzcstreucn Jehud! zugleich als Bundesgenoffen gestattet, zu Hause und in der Synagoge für sein angestamnrtes Zudenthnm sich weiter zu begeistern. — Wo aber erst die Scheu vor dem Abfall vom religiösen Leben > gleichgiltiger oder geringer geworden ist, und der > fromme Ichudi darin sich übt,' auch Ten, der sich