Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1887)
- Date
- 1887-04-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXYlII. Jahrgang. öeUllge zu Nr. 27 -es Israelit. Leitender Artikel. Literarischer HZericht. Ha gada. Vortrag für die beiden Pcßach-Rbcudc nebst Eommentar genannt: Birkhath Abraham, von dl. Abraham Lissa, Obcrrabbincr zu Frankfurt a. M., gestorben iTüf», zum ersten Male herausgcgcbcn von David Sachs, im Selbstverlag des Herausgebers, Frankfurt a. M.. Maiustraßc 4. Cvlncr der berühmtesten. Frankfurter Rabbinen .'rar Rabbi Abrabani Lissa. welcher 3 Jahre nach l:m Tode des weltberühmten Rabbi Jakob Iosna?\ill iBcrfassers des Pue Jchoschua) von Lissa nach Frankfurt berufen wurde m:d daselbst zehn Fahre (1759 bis 1769) als Rabbiner fungirtc. Von den zahlreichen Schriften, die Rabbi Abraham limerlapen. war bis jetzt nur eine Erklärung zu einigen Maßcchwth unter dem Namen Birkhath Abraham (Warschau 1881) durch den Druck verdeutlicht worden. Es ist eine ganz vorzügliche Gabe, welche uns Herr David Sacks, ein Nachkomme des Verfassers, in dem vorliegenden Werke darbictct. Tic Erklärung eröffnet manchmal ganz neue Gesichtspunkte irr Bezug auf fchwcrvcrstäiidlichc Stellen der Hagadah. Wir wollen einiges davon unfern Lesern rorführcn. Tie Hagadah beginnt mit den Worten *3? >cn5 rrn, „das ist das Brod des Elends:" Andere haben die Lesart x"7 sco „wie das ist" re.; eine dritte Lesart ist *rap scr.b sn „das ist wie das Brod des Elends :c." Der Bcrfasscr hat die zulcyt erwähnte Lesart und erklärt sic folgendermaßen: Es gibt zwei Gründe für den Genuß der Mazzoth am Pcßachfcstc. Ter eine Grrrnd in die Erinnerung an die Befreiung, wie in der Kciliacn Schrift erzählt wird, daß die Israeliten w eilig aus Mizrajim zogen, daß sie nicht Zeit bauen, das Brod, welches sie Mitnahmen, in gewöhnlicher Weife zu backen, sondern ungesäuerte suchen aus dem bereiteten Teige Herstellen mußten. Der andere Grund in ein gerade cntgcgcugcsctzer; rr erinnert an die ägyptische Knechtschaft: denn die Aeguprcr licscnen der großen Menge der hcbräi- | röcn Sklaven ungesäuertes Brod, welches sich lange! hält und nicht sobald verdirbt, wie cs ja noch I heute für größere Seereisen bereitet zu werde» pflegt. Dem ersten Grunde entsprechend könnte mau das ungesäuerte Brod durch allerlei Zuthaten z-r einem wohlschmeckenden Kuchen gestalten rara rrvry. Aber nicht damit erfüllen wir unsere Pflicht am Peßackfcstc, denn bei einem solchen Brode wäre der zweite Grund völlig ausgeschlossen. Tcßhalb müssen unsere Mazzoth dem Brode gleichen. welches unsere Voreltern als Sklaven in Mizrajim haben verzehren müssen nj-ko szrzs n jonro wrs z~Z2-,. „Das ist wie das Brod des Elends, welches gegessen haben unsere Väter im Lande Mizrajim." An einer andern Stelle (S. 18) erklärt uns der Versaner den schwierigen Ausspruch der Hagadah: „Hätte uns Gott an den Berg Sinai gebracht und halte uns nicht dieTbora gegeben, so wäre cs genügend gewesen.- — Tie Frage liegt auf der Hand: was hätte cs' uns genützt, wenn wir an den Berg Sinai gekommen wären, ohne die Thora zu empfangen? — Ter Verfasser beantwortet diese Frage durch einen Hinweis aus eine Mischna in Aboth: Gott hat Israel seine Liebe dadurch bewiesen, daß Er ihm die Thora gegeben, ein köstliches Werkzeug, durch das die Welt ist erschaffen worden; eine größere Liebe hat uns Gort dadurch erzeigt, daß Er nns kund gethan, daß Er uns dieses köstliche Kleinod verliehen. Der Sinn ist der, daß wenn Gott uns nur Seine Gebote gegeben, ohne uns in die tiefe und heilige Bedeutung derselben einzuführen» so wären wir dadurch schon über die ganze Menschheil cmporgchoben; viel höher aber sind wir dadurch gestellt, daß Gott uns durch die Belehrung über die Mizworh die Ausübung derselben zur Lust und Freude gestaltet hat. Diese Belehrung heißt Thora. Hätte uns also Gott am Berge Sinai lediglich Seine Gebote ohne die dazu gehörige Belehrung gegeben, so wären wir schon hoch beglückt geworden. Um wie viel mehr uiüssen wir Gott dankbar sein, daß Er durch die Thora, durch die Belehrung, die uns aufgelegten Pflichten zu einer freudigen Aufgabe gestaltet hat! Der Bcrfasscr führt viele schwerverständliche Midraschim und Talmudstellcn dem Leser vor, die er in wundervoller Weise erklärt und erläutert. Wir wollen nur(S. 9) auf die überaus schwervcrständlicke Talmudstcllc Erubin 54 aufmerksam machen: Samuel sprach zu seinem Schüler Raw Je-