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Der Israelit · 1887-04-04 · Heft 27 (4.4.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 27 (4.4.1887)
Date
1887-04-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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487 fvrab der llebcrraschung. zu Theil geworden. Als ii-n eine wunderbare Fügung Gottes in jene Stadt zurucksührte, die er einst, vor einem Vierteljahr-- huridcrr als kleiner Knabe in entsetzlichster Vcrzwcifclung betreten, die er vor sieben Jahren verzweifelnd mit gebrochenem Herzen verlassen, da ritz es ihn mit unbezwingbarer Macht zu dem Friedhöfe bin. auf dem die irdischen Zieste jener Menschen rühren, die ihm endlos theuer waren, zum Grabe seiner Mutter, feines Pflegevaters, feiner Pflegemutter, feiner todtgeglaudren, unvergeßlichen Pflcgcschrvestcr, seiner Verlobten: — und er fand diese lebend, in voller Herrlichkeit, feiner in treuer Liebe gedenkend! Ei» solches Wiedersehen mochte cs wohl noch nie gegeben haben, von dem Momente an, wo cs Menschen gegeben bis heute! — Auch seine ganze Lcclcnchätiglcit conccntrirlc sich darauf, sich in den mit wunderbarer Plötzlichkeit cingetretenen Wechsel seiner Verhältnisse einzulcbcn. Sara fand doch früher das Wort zu einer Frage. „Sag' mir nur das Eine Michael, warum schriebst Du nicht? Warum ließest Tu mich, wie alle Andere glauben. Tu wärst bei Deinem Fluchtversuche im brechenden Eise versunken? . . . . und, war ich Dir denn plötzlich so fremd, warst Tu gegen mich so kalt, so theilnahmslos geworden, daß Dich mein Schicksal nicht gekümmert? Nein, das ist völlig undenkbar! Auch wenn Tu mich nicht geliebt hättest, hättest Tu Dich des armen ganz verlassenen Mädchens erbarmt. O, Eharine hat mir'« erzählt, wie Tu in der schwersten Stunde Deines Lebens, als man Dich, den auf den Tod Angeklagten, in den iierfer schleppte, nur meiner gedachtest und Pfarrer Willibald auffordcrtcst mich zu schützen .... mein vergessen, das ist unmöglich undenkbar! .... Erkläre mir daö Unbegreifliche, wenn ich nicht glauben soll, noch immer die Beute einer Täuschung zu fein." „Ich hielt Dich ja für tobt, mein sützes Herz!" ries Klein und Thräncn entstürzten seinen Augen. „Weshalb? Warum?" frug Sara mit fiebernder Ungeduld. „Kerkermeister Mostrich, der von dem edlen Rüben Weist durch eine große Summe bestochen, mir zur Flucht vcrhalf, versicherte mir. Tu seiest kurz nachdem ich Dich verließ, der Krankheit, die Tich plötzlich erfaßte, erlegen; — o! glaubbar war's, — jiad) all dem Furchtbaren, da? ich erlebt hatte, mußte ich auch das als wahr aunchmcn!" Sara sammelte ihre Erinncnmgen, nicht leicht ein zweites Weib hätte dies in einem Momente solcher Aufregung vermocht. „Wie sagtest T»? — Mostrich theilte Dir mit, Rüben Weiß hätte ihn bestochen. Dich zu befreien? — Das koume nicht wahr sein! Rüben Weiß war an dem Morgen jenes Tages mit seiner Tochter nach Boskowiy gereist, er erfuhr Dtiueu Fluchtversuch, Teincn vermeintlichen Tod, erst mehrere Tage später .... Mostrich hatte Dich „Sonderbar! Welchen Zweck konnte Mostrich haben, mich in so furchtbarer Weise zu belügen?" „Das weiß ich nicht, — aber lassen wir die finstere Vergangenheit und freuen uns der Gegenwart, der Zukunft . . . .* Sara unterbrach sich: plötzlich überkam sie eine Empfindung, die sie früher nie gekannt hatte. Michael Hane sic für todt beweint; sie kannte seine jetzige Stellung nicht, wußte nicht, wo und wie er die sieben Jahre ihrer Trennung verlebt .... Ein Manu wie Michael mußte jedem Weibe gefallen; — wenn er sich gebunden, wenn er der Gatte einer Andern wäre! — Sie war einen Moment todtcnbleich geworden, der Gedanke schnürte ihr das Herz zusammen, daß sie nur schwer zu athincn vermochte: aber schon im nächsten Momente siegle ihre reine selbstlose Liebe über ihre Leidenschüft — was lag ihr an ihr selbst? an allem Andern? Wenn nur Michael am Leben und glücklich war! „Warum brichst Tu plötzlich ab, Sara?" frug Michael. Sara blickte schüchtern zu dem hochgewachscneu Manne empor. „Ich habe Tich sieben Jahre nicht gesehen, nichts von Tir gehört, nichts über Dich erfahren . . . . bist Tu ... . hast Tu nicht .... vielleicht . . . ." Sara mußte sich abwcnden, um die Röthe holder Schau», die in ihren Wangen, die Thränc, die in ihrem Auge aufstieg, zu verbergen. Ter Ton ihrer Stimme, ihre anmuthsvolle Verlegenheit verriet!) die Frage, die sie nicht in Worte zu kleiden, die ihre zitternden Lippen nicht auszusvrechen vermochten, und Michael ries, während Rührung mit einem Lächeln auf seinen Lippen kämpfte: „Ich habe stets, von Deiner frühesten Kindheit an. «i Deiner Seele, wie in einem offenen Buche zu lesen vermocht — ich habe es während unserer Trennung nicht verlernt .... Du w'lllst wissen, ob sich zwischen mir und der Erinnerung an Tich nicht ein zweites Weib gestellt? H

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