Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1887)
- Date
- 1887-03-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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450 Aufklärung und der Glaubensfreiheit schieben möchte. Der ehemalige Rabbiner und nunmehrige Reicksrathsabgcordncte Iir. Bloch in Wien griff tiefe Idee Lapuya's mit Bcgcistcrnug auf und suchte sie seinerseits durch sein publicisusches Organ in Oesterreich, Ungarn, Rußland und Rumänien zu verbreiten und populär zu mache», thcils, weil er wirklich hoffte, unseren in den letztgenannten zwei Ländern noch immer bedrückten und gedrückten Glaubensgenossen ein neues Paradies erschließen ■ zu können, tlKil« wieder, weil er selbst der Romantik huldigt und in seiner Phantasie schon in Toledo, Eordova, Sevilla, Barcrllona, Saragossa ec. große, reiche und blühende jüdische Gemeinden mit Tempeln, Snnagogcu. Lchrhäusern und Akademien, mit ihren hebräischen Dichtern, Philosophen, Astronomen, Acrztcn und Staatsmännern, ans der Erde hervorschicsien sah. Wie indes; noch jede Idee, so fand auch diese nebst ihren begeisterten Anhängern auch ihre scharfen Gegner oder .Kritiker, die Herrn Lopez Lapnna und seine Anhänger überspannte Menschen nannten, die sich in dem Wahne besändcn, das; in Spanien noch immer die aufgeklärten und duldsamen Mauren lebten, die sich beeilen würden, den Juden goldnc Brücken zur Rückkehr in dieses herrliche Land, zu bauen. Es häue sich nun geziemt, daß auch der Korrespondent des „Israelithier in Madrid seine Stimme in dieser wichtigen Angelegenheit vernehmen lasse. Und in der Timt, hätte cs sich hier um eine wichtige, religiöse, sociale oder wittenschastliciic Frage gehandelt, so hätte gewiß auch Ihr Korrespondent tiicht gezögert, seine Ansichten in Ihrcm weitverbreiteten Bläue mit voller Gcwiffcnhtisilgkcil nicdcrzulcgcn. Ganz anders ist cs jedoch, wenn es sich um bas Wohl oder das Wehe Tausender von jüdischen Familien handelt, die man so mit einem Griffe ans ihrer bisherigen Heimarh und Stellung hcrausrcißen und hiehcr nach Svanien, nach einem Lande, dessen Bewohner und Sprache sic gar nicht kennen, verpflanzen will. Hier heißt cs vorsichtig sein und „cm wägen, dann wagen," bevor man sich für oder gegen die Vorschläge des Herrn Lapuya ausspricht. Auch Ihr fiorrespoudent wäre für eine Rückkehr der Inden nach Spanien, doch wüßten diese Juden erst ausgcwählt werden und müßte man sich von ihnen vorher überzeugt haben, daß sie für Spanien und denen Bevölkerung taugen. Italienische oder lcvantinisch - svaniolische Inden könnten unverzüglich nach Spanien zurückkchrcn, da ihre Sprache, Sillen und Lebensweise denen der Spanier ähnlich oder verwandt sind, so daß sie sich baldigst unter den Spaniern heimisch fühlen würden. Schwieriger wäre diese Sache schon bei französischen und noch schwieriger bei deutschen unenglischen Juden, die Soanicn, dessen Bevölkerung und deren Sprache erst studiren müßten und die sich daher erst nach vielen Jahren und erst nach manchen herben und bittcrn Erfahrungen in Spanien mctamorphisircn würden. Am schwierigsten ist aber die Sache bei polnischen, russischen, ungarischen und rumänischen Inden, denn solche nach Spanien zn verpflanzen, hieße soviel, als Araber oder Türken nach Ttttiiuilüttd ober Ehiilrlen und Reger nach Italien zu versetzen. Denn, erstens verstehen diese Juden nicht ein Wort Spanisch und dann kennen sie auch die Lebensweise, Sitten, Gebräuche und das Benehmen der Spanier gar nicht. Während diese nämlich ernste, stolze und gravitätisch cinherschrcilcndc Menschen sind, sind die polnischen, ungarischen und russischen Inden voller Lebhaftigkeit ilild höchst unruhigen Blutes. Will man indcß durchaus polnische, russische, runlänischc oder ungarische Inden nach Spanien verpflanzen, so schicke man sie wenigstens nicht' gleich hiehcr nach Madrid oder nach einer anderen spanischen Binnenstadt, sondern siedle sic zuerst in einer spanischen Hafenstadt au, damit sic dort das Spanische erlernen und sich auch an spanische -Litten, Lebensweise und Gebräuche gewöhnen sollen, und dann erst laffc man sic nach dcni Innern des Landes ziehen. Auch müßten diele Inden sich gewöhnen, wollten sie nickt von den Spaniern verhöhnt und verachtet weiden, ihre religiösen Andachten in Ruhe und Stille zu verrichten. Auch müßten sie sich nach der allgemeinen europäischen Tracht tragen und ihr Kops- und Banhaar sorgfältig pflegen, da die Spanier, besonders aber deren Frauen, auf solche Sachen strenge sehen. Auch mögen die Emigranten sich hüten, sich weder tadelnd noch lobend über die katholische Ztirche, deren Priester und Gebräuche zu äußern, denn nichts ist dem Spanier mehr znlvider als wenn Fremdgläubige feine Religion in den Mund nchlneu und geschähe cs auch nur, um dieselbe zu verhimmeln. Mögen daher meine Glaubcnsbrüder im fernen Osten es sich wohl überlegen, bevor sie ihre Hcimalh und ihren Erwerb anfgcbcn. und mir ihren Familien hiehcr nach Spanien kommen, ob sie hier auch gedeihen und nicht aber einem noch größeren Elende als in Rußland und Rumänien prcisgcgcbcn sein werden. — Ich habe gesprochen und mcinc Seele gerettet. — England. London. Der Schcikh der Samaritaner» Iacob-cs Schollaby, wellt gegenwärtig hier. Die