Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1887)
- Date
- 1887-03-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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398 mir und machte Miene mich nicderzureiten. Ich war glücklich, daß ich unbehelligt meine Flucht hierher fortseyen konnte." Ter Puntowiycr Schullehrer und Sara hatten in ihrem Gespräche verliest cs nicht bemerkt, daß sich mittlerweile doch der Marktplap ein wenig belebt halte. Ter von der Ferne her rönendc.Kanonendonner halle die Leute aus ihren Wohnungen hcrvorgckockl, einige von ihnen hatten ebenfalls den vergeblichen Versuch gemacht, beim Bäcker Brod zu konsen, waren vornbergegangen und waren zuerst von der IfbhQTic» Redeweise des Schullehrers, dann von dem Inhalte seiner Mitlhcilungcn gefesselt, stehen geblieben und batten einen kleinen Kreis um die Beiden gebildet. Darunter befand sich auch der alte Schammcs der Iudengemcindc, Rcb Llcher, und er sprach jcpt zu Sara gewendet seufzend: „Wenn nur Gort schon bald eine Icschuo') schicken möcht', kein Stückerl Brod, kein Stäuber! Mehl im ganzen Mokom-) zu bekommen; — wie's mit dem Mofdicrflciid)3) anösehen wird, weiß ich auch nit; der ötazow 4) hat gestern in alle Dorier herunrgeschickt, damit man nur etwas Fleisch für die kranken verschaffen kann, aber ein Paar Meilen im Umkreise ist keine Parßo-) zu sehen, da haben die Franzosen, dort die Russen altes Bich wcggciriebcn, cs ist ein Rachmonis'st: — Zum grasten Glück Hab' ich noch zwei Tchscusüßc im Hanse, bei der großen ft alte haben sic sich gut erhalten, auch bab' ich noch ein Paar Erdäpfel im .Keller. Ich Hab' die kleinen Icssomim -) nach meiner verstorbenen Tochter bei mir. Frühstück kann ich meinen armen Enkeln nir geben, aber Ochsenfnst mit Erdäpfel wcrd' ich als Mittagmah! lochen .... Haben Sie Mamsell noch etwas zu essen im Hansel" „Rein," erwiderte Sara nach kurzem Bedenken stockend, während eine dunkle Purpnrröthe in ihren bleichen Wangen aussticg. „Mamsell Lara, geben Sie mir dieKowed, Mittag bei mir zu essen. <7chsenfuß iS kein ganz seines Essen, aber ich mein', cs is doch noch immer viel besser als gar nir," und als der gute, alle Bleu sch in Sara's Zügen blickend, deren Bcrwirrung bcmcrklc, fuhr er mir dem Instinkte eines guten Herzens fort, „jcpt sind die größten Aschirim') anijim Icfi schoo") cs gehr uns bcawonosscn» holt Hilft. 2) Crt. •*() sileisch von rituell geschlachteten Tbieten. 4) 7>lri'Lrr, Merger. *5) .«Haue. K) Zum Erbarmen. 7) ZLaisen. S) Reichsten Vcutc. •4t Zur Stunde cmi d. b. man kann sich auch mit vielem Oelde nicht da» Notlüge verjchasien. rabim i°) fast wie beim Ehorbon Ieruscholajim'y. — Aber Mamsell Sara, verzeihen Sie mir die große Ehuzpe,s), wie kann es mir einfallen, daß Sie die Tochter des Roschhakohol Red Aron Brack — im Gan Eden H) ruht er — bei mir an meinem Tische essen sollen?! — und dann es is wirklich kein Tam") dabei, die kleinen Kinder sind ungezogen und machen einen großen Lärm, und stecken manchmal die Hand in die Schüssel .... aber erlauben Sic mir, daß ich Ihnen Mittag ein Stück Fuß nnd ein Paar Erdäpfel durch mein ältestes Enkel schicke . . . .* * Einen Moment wollte Sara mit bestem Tanke ablebncn, aber schon beim raschesten Bedenken, sah sie ein, daß sie gezwungen war, die Gutthat anzunchmcn. Sie hatte nichts Genießbares im Haufe, und für längere Zeit keine Aussicht ihren Hunger zu stillen, und sic sprach von Neuem erröthend: „Ich nehme mit herzlichem Tanke Ihre Gefälligkeit an." (Fortseenng folgt.) 10t Um un'erer großen Lünden willen, wird gewöhnlich bei einer allgemeinen Kalamität gesagt. 11) Ter Zerstörung Jerusalem», wo die Lebensmittel immer rbcuer wurden und schließlich euch;u dem höchsten Preise nicht;u bekommen waren, ö'itin fol. 56 a. 12) Kühnheit. 13) Paradies. 14) Keine Annehmlichkeit. ^cbcnoucrudKruuü^ - WcfcUfdjaft zu Leipzig (alte reipsiger). 3ir tmtubnitn den .Monarsblättern, Minbrilungen der redensoenicherungS Oesrllschaft;u Leipzig-, daß sich das eVe'Län bei dieser OesrlliLaft. welche durch die von ihr bewirkte Eimübruttg der Nnanscchlbarkcit ihrer sünsjährigra Policen jo viclsachcn Angritien von Leiten ihrer Lchwesteranstaltcn atiögesert gewesen ist. im vergangenen Zahre austcrordcntlicki günstig entwickelt hat. '.'len beantragt wurden Persrcherungcn über 35 Millionen Mark, Der Bersicherungsbrnand ielbn in ans 262 Millionen Mark gestiegen. Intrrcjsant ist besonders die Äittbrilung über die vorgekommenea Lclbstmotdsälle. Man hat der Gesellschaft den Porwurf gemacht. daß ne durch idre neue Bestimmung, wonach bei allen nach länger als tünt'ähriger 2'erstchentngsdauer vorkommenden Lelbstmold'ällrn die volle Perückierungssumme;u zahlen ist. den Selbstmord fördere. Dreier Porwurs wird dadurch widerlegt. da« vom 1. Januar bis 1. Juli IhSG, mir welchem Tage die neue Prstimmnng in Kran trat. 17 Srldstmordtälle. vom 1. Juli bis 31. Terrmbrr 1S$G nur 13 derartige .rälle vorgrkommcn nnd. Man kan» der Lripüger Oesell'chaft zu idren Reformen nur Olück wünschen und dir Honnung austvncden. da« die anderen t^cielljchaftcn ihr auf dem betretenen Liege bald nachiolgen werden, chon einige» Orsellschaften ist dies rextere bereits geschehen. Berichtigung.?!r. 21. Leite 374. Spalte I, Zeile I. st. begründete L begründende.