Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1887)
- Date
- 1887-03-10
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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«awrrmrrfftftj 368 scre Behauptungen über den Antheil der Juden an der Wahl des Herrn Wolfs in der Frciragsversammlnng der Partei für „lächerliche Unwahrheiten" erklärte, da höchstens 200 Juden für Wolff gestimmt Hünen. Tiefe Herren geben offenbar ihre Abschiedsvorstellung und wollen noch einmal sich in ihren Glanzleistungen, welche sic berühmt gemacht, produciren, denn zufällig leien wir in der gouvernemenralcn „Norddeutschen Allgemeinen Zcitungan hervorragender Stelle die folgenden iritcrciianlcn Sätze, die hier ohne jede Erläuterung eine Stelle finden mögen: Aus Hessen brachte die „Neue Preußische Z c i t u n g" folgende, gerade in diesem Blaue höch st charakteristische Äinheilung: „Tie sogenannte „hessische Antiscmitcnpartci„ empfindet den Sieg des Tr. Böcke! aus Marburg bei der am 21. Februar siaugebablen Rcichstagswahl als eine ihr bc r c i t c l e f ch w e r c N i cd erlag c und iss wie v o r d e n o v f g c s ch l agcn: denn sic kennt Böckcl und seine überall für seine eigene Verherrlichung arbeitende Sinnesart nur zu genau, sic erblickt in ihm einen Pascha, der, blind und rücksichtslos wüthend, die eigene Partei ruin i r c n wird und m n ß. Tbatfächlich haue die Antiseuiitcnpartei den Tr. Böcke! schon vor der Wahl abgcüoßc». Böckcl har diesmal, urn sich durchzubringcn, alle Hebel anscvcnd, mit Hilfe aus Berlin und von Studenten für feine ttcmbibatiir gearbeitet. Nenn Böckeliche Anhänger ferner, welche von den l'ander Antisemiten ausgestoßen worden waren, haben von dem deutschen Anlisemilenbund in Berlin -Hut M. bekommen und dafür dem Böckcl in Dassel zu seinen!»» Stimmen vcrholfcn. Tic s ch mähliche und betrübende T h a t s a ch e zu der dem Wahlkreis Marburg->lirckhain-Frankcnbcrg zur bleibenden Blamage gereichenden Wirklichkeit, wobei der feirbengc uochvcrdientc und ausgezeichnete Vertreter Instizrath Tr. Grimm in Marburg einem j un g cn, cb en s o u n erfah rcn cn, als sich überschätzenden Menschen hat weichen müssen, ist leider nickt anzufcchtcn." Bl. Berlin, <r. März. Auch am lctztvcrgangencn 7. Adar, dem Todestage unseres großen Lehrers Moses, hielt Herr Rabbiner Tr. Hildesheimer in der Snnagoge der israelitischen Gemeinde vor einem zahlreich erschienenen Publikum eine G edächtnißrcoe auf die im verflossenen Jahre dabingesckicdenen edlen Männer, die im Tiensic ihres Glaubens thcils gelchn und gelebt, tdcils thätig gewirkt haben. Nach der geistreichen Tcutung einiger dunkler Bibel- und Midraschslcllcn gedachte der Redner in innigen Worten der Verdienste der Tahingegangenen. Ten „Zug der Todtcn" eröffnete R. Salomon Bodenbeimer in Biblis, ein vortrefflicher Marin, dessen unsterbliches Verdienst cs ist, in verhängnisvoller Zerr in seiner Gegend der Glaubenstreue die Gasse wieder geöffnet zu haben: die jetzt herrlich blühende Erziehungsanstalt in Pfungstadt nennt ihn ihren Begründer. 2hm folgte Herr Marcus Cohn in Aawitsch, der als Vorsteher seiner Gemeinde durch echte Ncligiosität und unbegrenztes Wohlthun einen trefflichen Namen sich erworben. R. Mose Mainz in Frankfurt a. M. verschied kurz darauf, zwar ebenfalls ein Privars mann, aber gleichwohl ein hervorragender Talmudt gelehrter, ein Gaon, der Tag und Nacht dem Thorastndium geweiht und ans diesem Borne ein beispielloses Wissen geschöpft. Nicht viel später verließ uns Herr Rabb. Tr. H. Cohn in Berlin, der. soweit es fein ürankheilsznstand gestattete, noch in den letzten Lebensjahren nicht minder der Lehre sich ergab. In Rabbi Chaim Sofer in Pcstd verloren wir einen namhaften Gelehrten und Verfechter der gcsetzcstreucn Sache: er galt als die Seele des Vereins ..Schomrc Hadaß", und er ist es, der diese Verbindung zu ihrer Llürhe cmporgcführt hat. Nach dem kurz darauf erfolgten Hinscheidcn des Rabbiners Tr. Pick in Tbornik traf uns der unersetzliche Verlust des R. Hirsch Mannheimer in Ungvar, eines der Ersten unter den Ersten: das Lehrhaus der Thora war das Heim des Verblichenen, seine unermüdliche, selbstlose Thärigkeir im Ecurral-Eomitv für die Armenwohnnngen in Palästina wird unvergessen bleiben. Ihm folgte in die Ewigkeit der Tajan R. S al omo Ga nz fri cd, der Verfasser vieler trefflicher Werke. Ein Geistesfürst in Israel sank mit R. Gedalja Tikrin ins Grab, der weitbekannte Sproß berühmter Ahnen! In dem Hofwcchslcr Ignas T rutsch in Wien beklagen wir einen eifrigen Förderer der gcsctzestreuen Sache, der seinen Einfluß in den höheren Gesellschaftskreisen zur Stärkung und Kräftigung unserer Idee verwandt, in R. Elia Raphael Rosen bäum in Zell einen unermüdlichen Vorkämpfer des traditionellen IudenthumS. in A. M o r d c ch a i T r e y f uß in Müllheim (Baden) einen in seiner Heimath als trefflichen Seelsorger allgemein beliebten Mann. Unter den letzthin Verstorbenen wären noch Tr. Sammler, Tr. Bär und andere Gelehrte zu verzeichnen, doch schließen wir die Todtcnschau, zu schmerzlich treffen uns die Verluste der schon genannten Geistesstreiter. Mil der geistvollen Auslegung eines Schrifrwortcs schloß Herr Rabbiner Tr. Hildesheimer feine l'/zstiurdige