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Der Israelit · 1887-03-10 · Heft 20 (10.3.1887) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 20 (10.3.1887)
Date
1887-03-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXVIII. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 20 öes Israelit. ZcitungSAachrichteu und Correfpondeuze». Deutschland. Marktdreit, I. März. Heute haben wir inner der allgemeinen Thcilnahmc sowohl der isrüciirifdjcii o!5 nichtisraclinschen Bevölkerung unserer Stadt eine Frau zu (treibe gelcircr, die es um so wehr vcrdicur. Las; ihrem Andenken einige Worte gewidmet werden, je seltener jene Frauen aus srüheren Zeiten noch zu uns herüber ragen, die wie die Entschlafenemit einer tiefen Liebe zu ihrem Schöpfer und seinen hl. Geboren die grünte Tcmuth und Anspruchslosigkeit verbinden. Eine solche, schon während ihres langen, an Freuden und beiden reichen Lebens, mir der Mrone -2 zt geschmückte Greisin war Frau En c r Eisenwann, die ra* , gerade an ihrem *2. Geburtslage dahier verschied und ihrem schon 2» Jahre ihr rorhcrgcgangenen, braven und religiösen Ehcuranne -n? folgte. Bor: Fugend ans fromm und goncssürchlig, erzog sic ihre minder und Enkel wahren und golresfürchtigcn Fchudim und wie sie rrur für die ihrigen lebte und sorgte und keine andere Freude kannte, als die. welche ihr in ihrem olücklichcn Familienleben erblühten und die an rsa rrs c*sts% ebenso hingen ihre r>iindcr nndMindcs-!:r:dcr m rührcuder Liebe an ihr, denn sic war in der Thal nwss* r::2 rrszr' fezr, rr,Nsn. Nicht geringer als ihre Liebe zu ihrer Familie war ihre unermüdliche Hingabe in der Ausübung ron -~r, rrs;. Mein Armer ging ungesättigt ans irrem Hause, keine Thräne konnte sic scheu, die sie nicht zu trocknen suchte, kein Leid vernehmen, ohne Äre Theilnahme auszudrücken und wo eine Mrankhci:. irgend eine herrschte, da war sie Tag und Nacht besorgt und bemüht zu helfen, zu trösten, zu wache:: und rr: rxv zu warten und so durfte sic :ni: vollem 51 echte kurz vor ihrem Hinscheiden sagen: .ich kann ruhig frcrbcn, denn ich habe keinen Feind". Nein. Feinde lies; sic nicht zurück, sondern nur gute Freunde und dankbare Herzen, und die überaus -ahlrciche Begleitung hier und ans den Friedhof in Aodclice bezeugte die ihr nachfolgende Ehre, Liebe und Anerkennung. An ihrem Grabe sprach ihr Enke! Herr Salom. Eise n m a n n, Lehrer an km Fsel'schcu Zuüirute in Pfungstadt, ebenso von -Verzerr kommende als zu Herzen gehende, erhebende und rröftcnde Worte, anknüpfcnd au die Lchrrslsicllc: *tzh 7sv -iedc rs. Ihre Minder und Enkel, die würdig in den Wegen ihrer Eltern wandeln, finden gewiß in dem re: ihrer frommen Mütter Trost und Beruhigung, ihr Andenken aber bleibt zum Segen. —r. Berlin. 6. März. Unsere Ausführungen über die Belbeiliguttg unserer Glaubensgenossen an der letzten llieickitagswahl haben eine unerwartete bcdcntsamc Beachtung in der gesammrcn Presse aller Parteien gesunden. Während die regiernngsfreundlichen Blätter den Artikel thcilwcise ohne Eommemar abdruckien und alles, was ihnen nicht in ihren Mram paßte, einfach ignorirtcn, nahulcu die freisinnigen Zeitungen wiederum nur von den in der Eorrcipondenz zusamruengenellren regierungsfreundlichen Mnndgcbungen jüdischer Mreise Benncrk, was zu bedauerlichen Mißverständnissen Anlaß gab. So citirtc die „Freisinnige Zrg." und nach ihr andere Blätter zwar den Satz, daß die für Herrn Wolf mehr als für den beseitigten Herrn Stöcker abgegebenen Stimmen von Juden hcrrührcn, vergaß aber die Schlußworte hinznzusügcn „nachdem Herr Wolf erklärt hatte, keine „Scmitenhese" treiben zu wollen und mir Stöcker in vielen Punkten nicht übcrcinzusrimmcn." Tic jüdischen Wähler stimmten also nicht für den Antisemiten Wolfs, was allerdings eine verwerfliche Eharaktcrlosigkcit gewesen wäre, sondern für den Eonservativcn Wolfs, und dies durfte ihnen durchaus gestattet sein, da die Fuden in keiner Weise an ein bestimmtes politisches Glanbcnsbckcuntniß gebunden sind. Tie Schamlosigkeit der „Mrenzzemmg", daß man „von einem Juden kein deutsches Nalionalgcfühl verlangen könne" vcranlaßte uns, das Fnnkcrblatt selbst nach seiner Ansicht, die den Freisinn als Opposition erkennt, der Lüge zu überführen, indem wir an einer Neiße mm Beispielen nachwiesen, daß unsere Glanbensgenoiierl thcilwcise auch den waschechten Patriotismus der „Mrcnzzcitnng" vertraten. Wie sehr ügrigcns unsere Ausführungen durchschlugen, zeigt die ohnmächtige Wuth der eigentlichen Basscnhcycr, denen wir ihre vo.rrrcnlichfte MampfeSrvasse aus den Händen gewunden und die nun plötzlich allein den „jüdischen Wucher" als TcutschlandS Unglück bekämpfen zu müfien glauben und in Böcke! ihren lllcttcr erblicken. So nur lauen sich die plötzlichen Wmhausbrnchc des Herrn Stöcker und des Herrn Prof. Wagner begreifen, welch letzterer un-

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