Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1887)
- Date
- 1887-03-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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SXVIIL Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 20 des Israelit. Zcitnugsnachricht-u und Eorrespondenzen. Deutschland. \V. Berlin. (Fürst Bismark und der Prorcnor Tr. Levin Goldschuiidt.s Bekanntlich wurde ror den letzten Wahlen znm Reichstag, der Profcshi Goldschmid t ebenso wie der Professor Latarnsob ihrer Unterschritten unter dem Flugblatt tcr rcichStreuen Parteien, von verschiedenen öffentlichen Lrgancn u. s. w. angegriffen. Tic fort und hn wiederholten Angriffe aber, die seitens der Anli'erniten wider die jüdische Bevölkerung Tculschlands in empörend wahrhcitswidrigerweise vorgebracht rrurden, vcranlasttcn noch vor den Wahlen den Lrsfcnor Goldschmidt sich brieflich an den Fürsten Reichskanzler zu wenden und die Juden gegen Augrrne in Schutz zu nchmcrr, die in Unkenntnis aller Tinge über dieselben verbreitet werden, besonders betonte, der Herr Professor darin die Frage: „Wieso die Juden der FortschrittSpaiici in die Arme getrieben worden u. f. lu.;" — und beantwortet diei.lbc etwa dahin, das; der Antisemitismus unanfbörlich und nngeniri in schroffster Weise gegen die jüdischen Mitbürger und deren Mcdjie seit Jahr und Tag vorgcht, Unfrieden in die Bevölkerung säet, :n:S doch f.ireus der Regierung nichts geschieht, dicstm Unwesen ein Ende zu machen; wogegen die Fortschrittspartei die Juden in Schutz nehme und stÄ verpflichtet ihnen ihre bürgerlichen und staatuchcn 'Rechte nie zu schmälern, während der Antisemitismus an diesen Rechten mit Macht rütteln will, :u.d der Autisemirismus in den Reihen der Eonserl-iifri: Ausnahme gefunden hat. Trotz der Emancwütion der Juden in Teurschland, seien diese aber ü:nner in Wahrheit nicht so cinancipirt, wie dies :brc Glaubensgenoffen in England und Frankreich 'i::d, wo cS Riemandcm einfallcn würde, einen Jüdin seines Klaubens wegen anzugrcifeu oder zurück- Zuiesen. Tiefe Befürchtungen der deutschen Juden, runncr noch in ihren staatsbürgerlichen Rechten gc-!:änkt werden zu können, woraus die Antisemiten ausgcbcn, must dieselben die Fortschrittler als ihre Freunde erscheinen lallen und naturgemäß sic zu Anhängern derselben machen u. s. w. In Folge d>Nts Briefes an den Fürsten Reichskanzler cmr^ug der Fürst in etwa zweistündiger Audienz den > Professor, m:d erkläne ihm, daß er volles Vertrauen j in die jüdischen Mitbürger setze, nicht daran denke deren Rechte zu schmälern, doch falls er jetzt gegen den Antistlnirismus oorgchen würde, würde man behaupten, der Fürst brauche Geld und suche nun die Juden auf u. s. w. „Eine Anregung der Regierung den Antisemitismus zu unterdrücken, Durchlaucht, würde genügen, diesem Unwesen ein Ende zu bereiten" war der Vorschlag des Profcffors, den der Fürst mit Tank cntgegennahm. LSrescherr, 4. März. Am vergangenen Montage beging das hier, sowie in weiteren Kreisen einer grobe» Beliebtheit sich erfreuendeHcimann Mirels'sche Ehepaar das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Ta der Jubilar seit 1835 hiesiger Bürger und im städtischen Verwaltungsdienste beinahe ein halbes Jahrhundert rhätig ist, so nahm an dieser Feier die gcsanrmte Stadt innigen Anthcil. Morgens um 10 Uhr erschienen die Magistratsmitglieder und das Stadtverordneten-Kollegium unter Führung des Stadlobcrhauptcs Herrn Bürgermeistrr Tamkowiez und brachten ihrem Kollegen ihre Glückwünsche dar. Rack, einer scicrlichcn Ansprache des Stadtverordneten Herrn Hugo Ehrcnfricd wurde dem Jubilar in Anerkennung seiner vierjährigen treuen Amtsthätigkcir im Rainen der Stadt Wreschen ein kunstvoll gearbeitetes Tiplom als Ehrenbürger überreicht. Um 11 Uhr stellten sich der Vorstand und die Nepräsentanten-Dersammlung unserer Synagogen-Gemcindc bei ihrem.langjährigen Mitglicde zur Beglückwünschung ein. Ter Gemeinde-Vorsteher hielt nnrer Uederreickrung eines Ehrengeschenkes eine Ansprache. Herr Mircls ist gegenwärtig das älteste Mitglied der Repräscntantcn-Versammlung und mit weniger Unterbrechung seit ca. 50 Jahren Repräsentant, hat sich als solcher vielfach in Gemeindeangelegenheitcn rührnlich bewährt und außerdem als Vorsteher der Beerdigungs-Kommission wie auch als Mohcl, Bal-tfila und Vorstandsmitglied anderer Wohltbärigkeitsvercine hier ausgezeichnet. Die Vorstände des Armen-, Kranken- und Bcerdigungs- Vcrcins. sowie ein kaum zu fallendes zahlreiches Publikum aller Konfessionen hatten sich ebenfalls cingcsundcn, um dem Jubilar ihre Verehrung in würdiger Weise darzubringeu. Um 6 Uhr Abends fand ein Festessen in der Behausung des Jubelpaares statt, woran ca. (JO Personen rheilnahmen. Herr Gemeindcrabbiner Tr. Eohn würzte das Fest durch