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Der Israelit · 1887-03-03 · Heft 18 (3.3.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 18 (3.3.1887)
Date
1887-03-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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315 fühl endlos großer Erbitterung gegen den Menschen, der all das Unglück über sic gebracht, Erbitterung gegen Lorenz Horncck-Golzingcr getreten, auch darüber. daß cs Niemanden auf der Welt gab, der ibit für seine Lchandthatcn zur Rechenschaft zog. Es üisrsnA ein Glück für Lara, daß Lorenz Horncck- Golnngcr seine Vaterstadt verließ. Ter -krieg mit Frankreich hatte begonnen und das Regiment, in wUchcm er diente, war nach Deutschland marschirt. Lara hätte sciucu Anblick nicht zu ertragen vermocht, das energische Mädchen haue sich vielleicht zu einem Akte der Vergeltung hinrcißcn lassen. Bürgermeister Göttinger batte unter dem Drucke einesschwer bclasretcn Gewissens, Lara einen Beweis besonderer Achtung gegeben, der in den Annalen der W.cr Zudcnschaft ohne Beispiel war. war ihr, als sie nach ihrer Genesung, das Erstcniül von dem Friedhöfe, von dem Grabe ihres Vaters heinikchrte, ans dem Ringplane begegnet, baue sic angcsprochcn und sie über den plötzlichen Tod ihres Vaters, der „ein wackerer Mann gewesen und den er als tüchtigen Indenvorstchcr gekannt," zu trösten versucht. Das noch nicht sicbcnzchnjäbrige Mädchen hatte mir königlicher Hoheit seine Worte angchört, und hatte sich, ohne ihn einer Antwort '!> würdigen, von ihm entfernt. Lara's Lcdcnsvc'.hättni;;e ballen sich nach jeder Richtung hin, ungünstig verändert. Ihr Vater war kein reicher, aber ein bemittelter Mann gewesen, der von seinem Pflcgesohnc unterstützt, in seinem Geschäfte so viel erwerben konnte, als die. kleine Familie zu ihrem bescheidenen Lebensunterhalte bedurfte. Lara aber war verarmt. Ihre ttrankhcit hatte einen erhöhten Aufwand erfordert, das kleine Vermögen war plötzlich zerschmolzen. Tara konnte als Mädchen das Geschäft ihres Vaters nicht forlführcn, auch wenn sich die .stunden rächt während der Zeit ihrer Krankheit und Rcconralcsccnz verlausen hätten. — Die dcssortirten Waareilvorrälhc, deren Lücken nicht ersetzt tvurden, cntwcrtheten, die Aussrändc wurden bei der Auflosi'.ng des Geschäftes uneinbringlich, dagegen war Alles, waS Aron Brack seinen Geschäftsfreunden schuldete, vollständig und pünktlich bezahlt worden, wld Lara bcttachtcre cs noch als ein Glück, das; das kleine Häuschen ihr schuldenfrei geblieben war, W daß sic wenigstens nicht gezwungen war, die Gapfreundschaft Fremder in Anspruch zu nehmen. 2ara's trauriges Leben blieb auch von Aufregungen schmerzlichster Art nicht verschon:. Die?‘lc ^hanne starb. Ein wundes Gemüth Whlt jeden neuen Schmerz schärfer. Ehanne hatte «ara s Mutter aufgezogen, und war stets als cm Familicnglicd behandelt und bcttachtet worden. Lic haue Lara stets ans ihrer Mutter Jugendzeit, davon erzählt, wie ihre Eltern einander geliebt, welche Hindernisse, die sich ihrer Verbindung cntgegcnstclltcn, sie zu bekämpfen hatten; sie wußte ihr von ihrem verstorbenen leiblichen Brüderchen, mußte ihr von Michaels Ankunft in 23., von seiner Aufnahme in ihres Vaters Hans zu erzählen, sie war ihre einzige Gefährtin und wäre ihre unter Vielen die liebste gewesen. Ehanne war für Lara ein Band, das sie unsichtbar mit ihren lieben Tobten verknüpfte, und ihr dadurch auch das Leben erträglich machte. Tie siebzehnjährige Lara war dcS Lebens, das nicht den geringsten Werth, nicht den geringsten Anreiz für sie besaß, müde; allein ihrer ticfinnigcn Frömmigkeit lag der Gedanke eines Lclbstmordes so ferne, daß er gar nicht in ihr aufzutanchcn vermochte. Lara lebte nun ganz allein in dem Daterhausc, das ihr einziges Bcsitzchnm bildere. Pfarrer Willibald hatte sein Michael Klein gegebenes Versprechen, sich Lara's anzunchmcn, redlich gehalten. Er hatte ihr nach EHannes Tode eindringlich vorgcstellt, ihren Blick nicht immer in die Vergangenheit zu versenken: sondern muthig in die Zukunft zu blicken. Er hatte ihr mit bestem Wollen vorgestellr, daß jeder Mensch auch Pflichten gegen sich selbst habe, daß sie einen braven Manu als Gatten gewinnen und irr dem Bestreben ihn zu beglücken, ihr eigenes Glück finden könnte. Lara hatte den Gedanken an eine solche Möglichkeit mit Entsetzen zurückgewiesen, sie wollte Michael ihre Treue übcr's Grab bewahren. Allein auch dieser würdige Freund und Gönner wurde Lara durch den Tod entrissen. Pater Willibald starb plötzlich ohne vorhergehende Krankheit sanft wie er gelebt, ohne jeden Todcskamps. — Ter weise und wcltklngc Pfarrer harre jedenfalls in einer Beziehung vollkommen recht gehabt. Lara's ungewöhnliche Lchönhcit, ihr trauriges Schicksal, die rührende Würde, mit der sic es cttrug. ihre .Klugheit hatten ihren Ruf in ganz Mähre» verbreitet. ES hatten sich ans allen Theilen des Landes Freier cingcfnnden, darunter auch solche, auf welche das vornehmste, reiche Zudcumädchen stolz hätte sein können, aber Sara wies alle unerschütterlich ab. Ter Ansturm der Bewerber währte drei, vier Jahre, endlich war man zn der Ucbcrzcugung gelangt, daß Sara nie einen Mann durch ihre Hand beglücken, daß sie unvcruiählt sterben würde. (Fortsetzung folgt.)

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