Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1887)
- Date
- 1887-02-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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293 iiflbl und in den Städten befindet, Franzosen, Deutsche, Serben, Armenier, Bulgaren, Z ö r a e l i t e n :c. bewaffnet Euch.Unser Vaterland ist Euer Vaterland, wenn es Euch gefällt bei uns :n bleiben, und da» Vaterland nimmt Euch au. Das gestürzte sRcgieruugs-) System hat Euch zur gemeinsamen Tafel nicht zugclancn, wir haben von jetzt an denselben Tisch, dieselbe Brüderlichkeit, dieselben Rechte." Im „Poporal Suverau" (das souveräne Volk) Nr. 26 vom 11. September 1848 wird allegorisch die Konstitution in einer Dorfschule erklärt. Bei Artikel 21, der die Israeliten betrifft, augclaugt, erklärt ihn der Geistliche Ltoica, wie folgt: „Bia» für Glauben» immer ein Mensch ici, er glaubt doch an einen Gott. Die Israclitcn, besonder» eine Anzahl ihrer, von Elreru und Urcltcrn hier (Rumänien) geboren,> diese lind Rumänen. Ich habe gesehen Israeliten. die sich zur Rettung des Lande» bewaffneten. und mit Geld beiftanden, während viele Rumänen sich gleichgültig verhielten. Darum „gibt" mau den Israeliten da» Recht, das; auch sic wie rumärüschc Bürger angesehen werden, wie es bei allen erleuchteten Nationen ist." Da» war im Jahre 1848. Das; die Isracli- '^c:i schon dämm Gleichstellung verdienten, weil ein Tbeil von ihnen, wie der Pope Stoica sagt, schon rou Urcltcru im Laude geboren sind, beweist die rnmänischc Laudesgcschichre. In derselben hcistt c» etwa um's Jahr 1*47:« bei dem Fürsten Alexander dem Guten: „In diesem Jahre sind die Inden und die Zigeuner in'» Land gekommen." Es sind also seitdem 40<» Jahre. Tie Zigeuner nun, welche äußerlich christlich, thatsächlich aber nicht einmal an rmeuGott. sondern an einen „großenGeist", wenig ansässig, im steten Umherzichcu heidnisch glauben und al» Hauptbeschäftigung das Stehlen und Zaubcrdcn-ug üben, die Zigeuner sind seit l87»s durch ba» Pariser Nachtragsprotokoll zum russisch-türkischen .mcden von 1856 in der Thal emaucipirt und gcme;;cn alle Rechte, wenn sie sich irgendwo ständig machen. Wie cs mit den Israeliten steht, die, abgocheu von Geburt und anderen Bcrdicusttitelu sich auch tür's Land geopfert haben, habe ich Ihnen?? öfter gemeldet. Meine heutige Minhciluug "l da? Gegenstück dazu. Freilich höben die Ncu- « 'uimäncn" Recht. Tenn ihren edlen Anlauf haben ikJ-1 ^.ß*,rc ls-,x genommen und jetzt zählen wir .. .. wir sind also jetzt mit ueunnnddreistig Iah- ' . w?.>>adrhundcl4 der Umwälzungen, Neuordnungen unoowilisarion zurück, versteht'sich in Rumänien, -paarend man 1848 alle Israeliten emanzipircu wollte, hat mau 4878 nur einige Dutzend durch ' moralische Nothwcudigkeir und sehr materielle Heber» zcugungsgrürde uaturalisin. Seit 1878 find die naturalisirtcn Israeliten jedes Jahr weniger geworden, und seit 3—4 Jahren hat keiner mehr da» Bürgerrecht erhalten. Daran ist offenbar das Jahrhundert schuld, welche» immer mehr zurückgcht, während die christlichen „Rumänen" immer mehr, angeblich vorwärts gehen. E» dürfte Ihnen vielleicht eine Remknisceuz an den großen Menschen und Menschenfreund Moses Montefiore angenehm fein. Wie Sie wissen, hat er unter Anderem auch zu Gnusten der rumänischen Israeliten persönlich intervemrt. E» war dies im Jahre 1867. Bratianu war im Anfänge jenes Jahres zur Regierung gelangt und er brauchte eine Partei in der Mold au, wo nach nnr siebenjähriger Union mit der W a l a ch a i ein starker Widerwille gegen ihn, namentlich aber separatistische Tendenzen schon am 3. April 1866 mit der Revolution in Jassy ansbrachen. Am gceiguetstcu erschien ihm für seine Zwecke die Erregung der Geister und Ablenkung der öncntlichcn Aufmerksamkeit von seinem Thun. Am 24. Aprll 1867 erließ er ein Eircnlar an die Präfekten enthaltend Maßregeln gegen die Israeliten, die auch anderwärts ein bereitlicgendcs Agitationsobjckt abgcbcn, in Rumänien überdies zu keiner Zeit sich wehren konnten. Es folgten darauf die Terrorisiruug der Israeliten durch Private, das Kesseltreiben derselben als angebliche Vagabunden feiten» der Regicrungsorgane, da» Ertränken von ein paar in der Donau mittelst eine» durchlöcherten Kahnes u. s. w. Ganz Europa war entrüstet und gab durch ihre Konsuln dieser Gesinnung Ausdruck. Unser Er^mieur verlangte noch nm 1 Uhr Nachts eine Audienz beim .Kaiser Napoleon III., der, wie cs heißt, schon eine halbe Stunde später an den (damals) Füllten Earol ein Telegramm absendcn ließ, um den Gräuclthatcn Einhalt zu thun. Die» waren die Umstände, welche den großen Philautropcu und Israeliten Montefiore bewogen im Atter von 83 Jahren sich nach Rumänien zn begeben. Am 24. August 1867 überreizte er dem Fürsten, einem Prinz dcsHauscs Hohcnzollern-Sigmaringcu, der ihm zu Ehren auf der Treppe des Palais ihm entaegeuaina, folgende Eingabe: „Geruhe Eure Hoheit, mich anzuhörcn: ES hat in England der Lärm cirkulirt, daß meine rumäuifcheu Glaubensgenossen sich der Ruhe und Sicherheit, die sic feit mehreren Generationen, Gott und dem Gerechtigkeit»-, sowie dem Ehrgefühle der Nation zum Dank, gewohnt waren, sich nicht mehr erfreuen. Ich habe daher, weil es mir gelungen