Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 16 (24.2.1887)
- Date
- 1887-02-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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279 Midraschstcllcn reich gewürzten Rede richtete der fl ebner einen warmen Appell an die Gemeindcmitglicdcr, die beim Bane maßgebend gewesenen ('JciinnnnflCH und leitenden Grundsätze auch im Leben zu verwirklichen, den »Berg des (rmigcn nicht bloß zu besteigen" sondern auch — inp 2~-2 c'.p' - auf bent gewonnenen Srandpuncte fest und gesiimnngstrcn zu verharren. Möge sich dieser Wunsch erfüllen und unsere junge Gemeinde aus dem Boden des gcsctzcslrcuen Iudemhums wachsen, blühen und gedeihen! H. G. England. o« Brighton starb am 1-1. Januar die Wirrwc des berühmten Philanrropcn David Saffoon in Bombay im Alter von 77» Jahren. Zic hatte wie ihr verstorbener Gemahl Wohlthäligkeir im großartigen Style geübt. Feuilleton. N i 6) a e s. Erzählung von L. Hohn, T-rnassn von e^ablirl. (Fortsetzung.) Dreißigstes Kapitel. Die größte Schwierigkeit. welche sich dem Erzähler darbietct, ist die absolute Unmöglichkeit die Dhalsachcn siiuchronislisch, daher mit voller Wirksamkeit darzustelleu. Auch wir sind gezwungen in unserer Erzählung um nahezu vicrundzwanzig Stunden zurückziigehen. Als Michael Klein von dem Gcrichlsdieuer unter Escone der Dragoner sortgcsührt worden war. hatte sich in dem engen Raume des Brack'schen Wohnzimmers eine Manc des verschiedensten menschliche» Elends znsammengrhäuft. — Aron Brack war eine Leiche, Lara, welche sich bisher in wortloser Betäubung befunden, begann nun in wilden Ficdcrvhamasicn zu rasen; Michael Klein ging einer ungewillen, soweit menschliche Voraussicht reichte, unglücklichen Zukunft entgegen. Tic alte treue Magd Ehanne hielt beide Hände an die Stirne gepreßt. Ne fürchtete wahnsinnig zu werden oder schon wahnurmig geworden zu sein. Wenn bei cinem so entwtzlichcn Unglücke noch von Glück gesprochen werden Wrs, konnte die Anwesenheit des würdigen gcistlichcn Herrn als solches bezeichnet werden. Auch dreier war im ersten Momente fassungslos, aber d»e reiche E-rfahrung eines langen, wohl benützten -lenschcnlcbcns, stand seiner großen Klugheit unrcrnutzcnd zur Leite, und er vermochte es die alte treue, verzagende Magd zu trösten. - „flur Ruhe und Besinnung", sprach er, »ich werde den ersten Euerer Glaubensgenossen, dem ich begegne, bitten, dafür zu sorgen, daß die entseelte Hülle Eures braven Herrn in das LeichenhauS auf Euren Friedhof gebracht werde. — Sara ist, wie Ihr seht, krank, ich glaube, daß sie ein Nervcnficbcr durchzuinachen haben wird. Sie wird großer Pstege bedürfen, und cS wird uothweudig sein, daß Ihr zu Euerer Unterstützung ein junges kräftiges Mädchen au der Seite hättet. Ich werde mich dieser wegen an einen Eurer Nachbarn wenden. Die Bekenner des jüdischen Glaubens sind, wenn sic den Geboten ihrer Religion nachlcben, menschenfreundlich und unterstützen einander brüderlich und schwesterlich. Ich gehe, um so weit eS nur möglich ist, Hilfe zu senden. Mittlerweile dürfte auch der Arzt, den Ihr nicht zu Hause getroffen, hcimgckehrt sein. Ich werde selbst zu ihm gehen und ihn hei schicken. Lara'S Krankheit ist aus einer begreiflichen, Rcrven anfreizenden Aufregung entstanden. Ihre Jugend, ihre Kraft, ihre Gesundheit, könnte wohl mit Gottes Hilfe den Angriffen der heftigen Krankheit Widerstand leisten; allein ich fürchte den Moineiir, wo sic zum Bewußtsein gelangt, nach ihrem Barer und nach ihrem Verlobten fragen, und daS Härteste, das sic auf Erden treffen konnte, zur Antwort erhalten wird." * * * Sara Brack war nicht, wie Kerkermeister Mostrich fehlem Gefangenen Michael Klein vorgelogen, immittclbar, nachdem er von ihr geschieden, gestorben. Sie war schwer erkrankt und schwebte wochenlang zwischen Tod und Leben. Die arme treue E Hanna wachte mit unermüdlicher Hingebung an ihrem Bette. Es war unbegreiflich, wie die alte gebrechliche Magd die riesigen Strapazen anszuhakten vermochte. — Endlich war das heftige Fieder bekämpft und Sara erwachte nach langer Zeit zum Bewußtsein. Ihr erster Blick fiel auf Ehamia's gulmüthiges runzeliges Gesicht, die in dem Momente eine Beute der heftigsten einander widersprechenden Gefühle war. Höchstes Glück und höchste Angst rangen in ihr. Das Gefühl des höchsten Glückes, daß sich Gott des jungen Mädchens nnd ihrer erbarmt, jene am Leben erhalten hatte; — und die entsetzliche furchtbare Angst, Sara'» Fragen um ihren Vater und Verlobten beantworten zu müssen. — Ehanne hatte sich immer gewünscht, daß in dem Momente, wo Lara zum Bewußtsein erwachte, jemand, am liebsten der hochwürdige «Herr Pfarrer, anwesend sein sollte; aber in dem freudenlosen Leben der armen, alten Magd waren auch die bescheiden-