Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 16 (24.2.1887)
- Date
- 1887-02-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVfll Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 16 des Israelit. Zcitungsuachrichtcu uud Hsorrcspoudcnzeu. Deutschland. Mainz, 16. Febr. In neuerer Zeit wirb bei Aagcn- und Verdaunngskrankheitcn sehr häufig Pepsin-Wein von den rUcrv.r» verordnet. Tcrüli-e enthält als Hauptbcsiandtheil den LeroauungssLleim des Schweine- oder Rindermagcns. Es ist daher Ulit Freude zu begrüßen, das; Herr A. G o l dßein, Besitzer der Ktönigl. privil. Apotheke in Lnrowo, Provinz Posen, Pepsin-Wein aus Aindermägen herstellt, die, ebenso wie die andern Bestandtheile des erwähnten Weines, den Vorschriften unserer heiligen Religion vollkommen ent- 'o^chen. Tie Aufsicht über die rituelle Herstellung desselben hat Herr Rabbiner Tr. Pleßncr über» . cunuen. (8ic!je das beir. Inserat.) Cr&. Als Kandidat der Antisemiten war in "im Wahlkreise Hanau-Gelnhansen-Orb auch der bekennte Antisemitenhäuptling Tr. Lockel-Marburg ausgestellt. Ter Wahlaufruf desselben, welker voll böswilliger Lerläumdungen gegen die Juden war und zur Entziehung der ben Juden gewöhnen Gleichberechtigung auffordene, wurde t'dtt Haus zu Hans getragen. Trov dieser eifrigen Agitation gelang es demselben nicht, hier, in Crb, wh r»25 abgegebenen Lummen auch nur eine kinzige für sich zu gewinnen. Ein beredtes Zcngttiv dafür, in welcher Eintracht die hiesigen Juden niit ihren christl. Mitbürgern leben. Breslau, 20. Februar. Tie in Nummer l-t Ihrer geschätzte» Zeitschrift enhaltene Eorrespondenz von hier har mit ihren Lemerkungen über die bevorstehende Wahl eines Nachfolgers für den verewigten Landrabbiuer Tiktin den Nagel auf den >re-ps getroffen, und das dortfelbst Ausgesprochene war gewiß nicht allein allen ftrengläubigeu Anhänunserer Gemeinde, sondern auch allen wahrhaft unparteiisch deukendeu Glaubensgenossen, gleichviel, welcher Richtung sie auch angehören, aus der Lcele -Zcredcl. In Anbetracht der hohen Wichtigkeit der «rache gestalten Lie mir wohl, auch meinerseits uo^mals darauf zurückznkommen. Darf ich doch' ohne Hebcrtreibuug behaupten, daß schon lange .en:e RabbinatSwahl von solch ungeheurer Beoeu- -unz vollzogen wurde. Ich kann und will daruni auch nicht glauben, daß die Wahleommission Mut: dem von ihr gefaßten Beschluß, nur Schüler ^des hiesigen Seminars vorläufig zu berufen, (und wenn auch nur vorläufig) ihr letztes Wort gesprochen hat. Tie Zeit, in der in den jüdischen Gemeinden die Parteien sich schroff und rücksichtslos einander gcgcuüberstandcn und unnachsichtlich sich bekämpften, wo die Majoritäten die einer anderen Richtung huldigenden Minoritäten vergewaltigten und unterdrückten. ist ja glücklich hinter uns. Man hat heutzutage im Allgemeinen mehr Achtung vor der, wenn auch von der eigenen abweichenden, fremden religiösen lleberzengung, man hat bei uns im Iudeuthum in den letzten Jahren, das dürfen wir wohl sagen, eher gelernt. Jeden nach seiner Fa«.on selig werden zu lassen; Toleranz ist heute das mit Recht vielgepriesene, immer mehr zur Geltung kommende Losungswort im Iudenlhnm. Tiefe wohlthueude, sich allgemeine documentnende Friedensliebe der dominirenden Parteien in den jüdischen Geneiudeu hat aber allerdings auch einen sehr realen Hmtergrund. Tie Waffe, welche durch das Austrittsgesey den Minoritäten in die Hand gegeben ist, hat an vielen Orten, wo man früher deren Wünschen keine Rechnung tragen zu müssen glaubte, denselben zu ihrem Rechte verholten. Allgemein hat in den Gemeinden seit Erlas; dieses Gesetzes ein vernünftigeres und gerechteres Lersahrcrl Raum gewonnen, und in zahlreichen Synagogengemeittden sind rrompromisse zwischen de» verschiedenen Parteien geschloffen worden, die sich als heilbringend für die ganze Gcsamnnhcit erwiesen. Sollte aber Angesichts dieser allgemeinen Ströinnug nach Lersöhnung im Iudenthum uud der durch das Austrittsgefetz gegebenen besondere!» Lage, die mit zwingender Rothwendigkeit eine friedliche Einigung der Parteien vorschreibt, es unsere Gemeindeverwaltung für geboten erachten, sich in solch direkten Gegensatz zu den auf traditionellem Boden stehenden Geuleiudemitgliederu zu setzen. wie dies durch den von der Wahlcouunission gefaßten Beschluß tharsächlich bereits geschehen ist? Oder ist es vielleicht nicht eine gänzliche Mißachtung der Wünsche der strenggläubige»' Gemeindemilglieder, wenn in erster Linie nur Schüler des hiesigen Rabdiuersemiuärs zu Probepredigten zugelassen werden? Es liegt uns fern, hier ein Wort für oder gegen das hiesige Seminar und denen Schüler sprechen zu wollen: zur Wahrung unserer religiösen Intereffea