Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1887)
- Date
- 1887-02-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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219 Acrgsre, das ein Mensch zu befürchten hat, droht, tnu Erschlagener liegt ans der Straße, und neben &H ein derber Hnotenstock besudelt mit dem Blute J«? Erschlagenen, und aus dem Stockknops sind die Ä-rfangsbuehstaben teures Namens eingravirt, ferner rin Bündel mit Frouenwäsche, weiches mit den Buchstaben S. B., Lara Brack, gemarkt ist: — und mehr'als Alles das, Herr Lieutenant Baron Lorenz Horneck-Golzinger hat unter Eid erklärt, ras er es von der Ferne mit seinen eigenen Augen gesehen, dag Ihr den Mann getödtet. — Ihr :nüs;r zum Tode, oder was fast noch ärger wäre, v.i lebenslanger Herkerhaft verunheilt werden. — war bei mir ur:d bar mich — ich will's nicht läugnea — durch ein großes Geldgeschenk bestimmt, «'üch zur Flucht zu helfen, noch mehr als das, — da Ihr nach weiter Ferne fliehen müßt, sendet er ls-uch hnndcrtsürrfzig Gulden als Reisegeld .... iner sind sie," und so sprechend legte Mostrich ein r'äckchen Papiergeld vor den Ueberraschten. „Ter edle Mensch!" rief Michael crgrlften, jo bin ich doch nicht so verlanc»,'-.'wie ich vor wenigen Minuten gefürchtet .... aber ich will nicht fliehen! Ich will dem Gerichte Rede stehen. Ter Bürgermeister ist mein Feind, und weis; es ü'«ott. er ist auch kein edler Mensch, aber einen schuldlosen als Mörder verunheilen, das thut selbst ein Dominik Golzinger nicht .... und er ia nicht allein zu Gericht über midi, er ist mir der Präsident desselben. Tie Rätüe sind gerechte •;nb gelehrte Männer. Ich werde dagegen Einst-rache erheben, daß der Bater meines Anklägers i'.uch mein Richter sei. Ich baue ans den allmächtigen, allgerechren Gott und auf mein gnies Recht, ich hone, ich werde erweisen können, daß ich nur racine Braut vertbeidigt, ich hone, aus dem Kläger wird ein Angeklagter werden . . . ." Michael brach ad. er wollte vor dem Herkermeister nicht seine Abuch'en enthüllen: dieser aber schüttelte den Hovt und sprach: „Ihr seid in eigener Lache befangen und alle Eure Voraussetzungen und unrichtig. Es gibt keinen lebenden Menschen, der cs bezeugen kann, Ihr hättet nur Rorhwehr geübt. Rüben Weist ist, wie Ihr ein überlegender, weiser Mann, der selbst bei 'such Juden für Einen der klügsten Menschen gilt. ist von der Ncberzeuguug durchdrungen, das; >'hr fliehen, noch heute Nacht fliehen müstt." ... Michael wurde einen Moment in seinem Entsa-lunschwankend. Was Mostrich sprach, klang;n näherem Bedenken sehr glaublich. Leine Lage gr eine äusterst gefäbrliche, allein der selbstlose - 'dm dachte weniger an sich als an Lara. Ihr zu Liebe, um sie vielleicht erst später, schützen, ihr, wenn vielleicht auch erft später, sein ganzes Leben widmen zu können, mußte er sich den Angriffen seiner Todfeinde, denen er — wie er in Momenten schrverer Entmuthigung glauben mußte — wehrlos gcgenüberstand, zu entziehen suchen. Wenn Sara, wie er hoffte, genas, war sie gewiß viel ruhiger, wenn sie ihn in der Ferne in Sicherheit wußte. Schon war er geneigt, Mostrichs Anerbieten anznnchmcn, als plötzlich von Neuem ein 'Rückschlag in seiner Gedankenströmung eintrat. „Nein, nein!" rief er, „ich muß mit tieffter Dankbarkeit, aber dennoch mit größter Entschiedenheit. die rettende Hand, die mir Rüben 95«» oietet, zurückweisen. — Würde ich fliehe«, so würde ich zugestehen, daß ich ein verbrechen begangen, ich könnte nie mehr zurrtckkehren, ich wäre verurtheilt lange, vielleicht für immer von Sara getrennt zu bleibe«: für immer von Sara getrennt zu bleiben! Das ist ein Gedanke, der mich von Neuem zu Boden schmettert! Ich habe nicht Bater, nicht Mutter, nicht Binder, nicht Schwester, nicht Heimatyland, nicht Vaterstadt, nichts auf dieser irdischen Welt als Sara. Ich liebte sie von dem Momente an, wo sie das Licht der Welt erblickte, ich werde sie Leben mit selbstloser Liebe, so lange mir das Herz im Busen schlägt — nur sie allein verleiht meinem lieben Werth. ... Ich kann W. nicht verlassen! .Herlernieister, ich bleibe, ich will mich meinen Richtern stellen, Gott wird vielleicht diesmal dem Rechte seinen starken Schutz verleihen. Des Bürgermeisters Sohn behauptet, ich hätte einen Menschen erschlagen, das ist ein Zeuge; aber ich habe ja auch einen Zeugen, der zu meinen Gunsten aussagen wird, meine Pflegeschwester, meine Verlobte. Sie wird mit Gottes Hilfe genesen und bei dem Gerichte ihre Aussagen erstatten. Die Räthe, der Beisitzer werden die Wahrheit erkennen, .... Herr Mostrich. ich vertraue auf Gott und bleibe. . . . . Auf meine Bcrschwiegenheit könnt Ihr bauen, ich werde Euer Wohlwollen nicht mit Undank lohnen, und, die hundertfünszig Gulden, die mir Rüben Weiß als Reisegeld gesandt, und die ich ihm, wen» ich durch Gottes Hilfe wieder frei sein, mit großem Danke, zunickerstatten werde, gebe ich Euch, Herkermeister, um den Schaden zu vermindern, den meine Weigerung zu siiehen. Euch verursacht." Mostrich bewunderte die große Klugheit des Bürgermeisters. Dieser hatte es vorausgesehen, Michael Klein würde sich .nicht leicht entschließen zu fliehen. „Herr Michael Klein, ich nehme Euer großmüthiges Geschenk nicht an", sprach er, „und wieder-