Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1887)
- Date
- 1887-02-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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8 « msm 207 muß ich sofort bemerken, es könnte diesmal nur eine große Summe Geldes sein, die mich bestimmen könnte ein zwcitcsmal Euer Gestrengen zu lieb meine Pflicht in gröblicher Weise ru verletzen, mich ein zwcitcsmal der Gefahr auszusctz'en mit Schimpf und Schande von meinem Amte gejagt, streng bestraft zu werden. Wovon sollte ich in meinem Alter leben?" „Er ist ein sehr bedachtsamer, praktischer Mensch," erwiderte der Bürgermeister, „und ich will mich nicht knickerig zeigen, ich wcrd' Ihm eine Summe bieten, daß Er vor Freude deckenhoch springen wird. Er soll bei dem guten Werke wieder zweihundert Gulden verdienen." Mostrich machte nicht im Entferntesten Miene deckenhoch zu springen und sprach: „Zweihundert Gulden ist viel zu wenig .... Ta müssen Euer Gestrengen Ihr lumpiges Anbot sehr stark erhöhen, wenn unser Geschäft zu Stande kommen soll." „Was in zehntausend Teufels Namen verlangt Er denn?" schrie der Bürgermeister. „Ich muß so viel bekommen, daß wenn ich meine Stelle verliere, ich bis an mein Lebensende ruhig leben kann." „Sagen wir also drcihnuden Gulden!" rief der Bürgermeister eifrig. „Noch zu wenig?" schrie er, als Mostrich schweigend den Kopf schüttelte, „also vier.... fünf.... sechs .... Sakkermcnt hinein. Er läßt ja mit sich schachern, als wenn Er der ärgste Jude wäre! Wie viel verlangt Er denn eigentlich, red' Er deutlich, red Er deutsch!" „Die Hälfte der Snmnic, welche Euer Gestrengen von den Juden dafür bckonimcn." Ter Bürgermeister lachte. „Auf diese Bedingung kann ich ganz ruhig cingchcn. Tie Iudcu haben mir nicht einen rothcn Heller angebotcn. Ich habe seit der Verhaftung des Klein gar keinen Juden zu Gesicht bekommen. Er weiß cs ja selbst; ich kam heule noch vor Tagesanbruch ins Amt, uud habe die Verhaftung augcordnrt. Im Amte har sich heute, wie Er weiß, kein Iud' blicken lassen und ich bin erst seit andenba-b Stunden zu Hause. Er ist ein sehr schlauer Ltcrl, Mostrich, aber übcrschlau sein wolle» macht dumm! — Wenn Er nur ein klein wenig darüber nachdenkr, muß Er cinschcn, daß in dieser kurzen Zeit die Juden noch gar keinen Beschluß gefaßt baden und nicht bei mir gewesen sein können; — denn hier iu W. gibt es ja keinen so reichen Iubcrr, der einen großen Betrag aus seinem Eigenen geben könnte; der müßte ja vielleicht im ganzen Kreise unter seinen Glaubensgenossen gesammelt v haben; — endlich wenn die Juden eine so große Summe, wie Er sich vorstcllt, hätten aufwenden wollen, um ihren bedrohten Glaubensdrudcr zur Flucht zu verhelfe», so wäre» sie ja lieber gleich zu Ihm gekommen .... He schlauer Fuchs! Er ist diesmal doch ein rechter Esel!" Das, was der Bürgcrnieister sprach. mnßte Mostrich einleuchtcn, seine Gedanken verwirrten sich. Als Golzingcr cs vor siebzehn Jahren verhindern wollte, daß die des gemeinen Mordes an ihrem Kinde Angeklagte verhörte wurde, lagen seine Beweggründe klar am Tage; aber weshalb der Bürgermeister Michael Klein zur Flucht verhelfen wollte, war dem Kerkcrmeisteri» dem Momente, so sehr er auch seinen Verstand anstrengte, unerfindlich. Nur Eines sah er ein, daß dem Bürgermeister sehr viel daran lag, seine Absichten durchzuscycn. Er hielt eS dafür für das Beste zu schweigen. „Also so red' Er doch! was verlangt Er dafür, daß Er Michael Klein aus dein Kerker entstiehen läßt. Wenn Er keine lächerlich hohen-Forderungen erhebt, und wir uns über diese Angelegenheit vereinbaren, werde ich Ihm dann genau angcbcn, wie hierbei vorgegangcn werden muß. Also, was soll mich der Spaß kosten?" „Zweitausend Gulden!" platzte Mostrich nach kurzem Bedenken heraus. Ter Bürgermeister prallte vor Schrecken einen Schritt zurück, als Härte er vo» der Faust des kräftigsten Boxers einen Kcrustoß in die Magcngcgcnd erhalten. „Hölle und Teufel!" stöhnte er, „bevor ich mich's zweitausend Gulden kosten lasse, lasse ich die ganze wohllöblichc Indcnschaft in W. an den Galgen führen." „Ganz nach Hochdcro Belieben," erwiderte der Kerkermeister .... „Haben Eure Gestrengen mir sonst noch welche Befehle zu ertheilcn? Wenn nicht, werde ich gchorsamst Dirtcir, mich gnädigst entlassen zu wollen. ES hat längst die Effcnsstliiidc der Gefangenen geschlagen, und cs wäre mrchristlich, die armen Unglücklichen noch länger auf ihr kärgliches Mahl warten zu lassen." Mostrich verbeugte sich bei diesen Worten uud vrachre Miene der Thüre zuzuschreiten. „Ist Er vom Teufel besessen!" schrie der Bürgermeister kirschbraun vor Wulh. „Laß Er die Hallunke» meinetwegen vor Hunger crcpircn l Eil'Er nicht so als wenn Ihm das Feuer auf den Nägeln brennte .... Wenn Er unchristlich auf seiner horrenden Forderung besteht, will ich auch diese erfüllen," und als sich bei diesen Worten MoftrichS