Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1887)
- Date
- 1887-02-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVXLL Jahrgang. M LS Der Israelit. Ei» Kentrak - Grgan für das orthodoxe Iudenthum. Heransgcgebcn von Idr. Lehuraun in Mainz. Donnerstag, de« 10. Februar 5647 (1887). Letteudcr Artikel. ZLnsterötichKeit. XI. Mainz, 10. Februar. | Im Talmud Jcruschalmi, im 2. Kapitel deS l Tractars Baba Mczia, erzählen unsre Weisen: Auf \ seinen Erobcrungszügcn kam Alexander von Macei donien in das ferne Indien, jenseits der hohen Ge-! birgc, nach Kassia. Hier fand er ein friedliches $ Volk, das nicht gegen ihn kämpfte und bereitwillig | die Eomribmioncn zahlte, die der Eroberer ihm i auflcgte. Längere Zeit verweilte Alexander bei; dem Könige des Landes. Eines TagcS kamen (zwei Männer zu diesem, daß er ihren Streit schlichte. Ter Eine hatte dem Andern eine Ruine verkauft, in welcher der Käufer einen kostbaren, überaus wcnhvollen Schab fand. „Ich habe nur die Nuiue gekauft", sagte er, „und der Schatz gehört dem früheren Bcsipcr". Aber der Verkäufer sprach: „Tic Ruine mit allcui, was darin war, habe ich verkauft; ich habe kein Anrecht auf den Schatz." — r£at Einer von euch einen Soün und der Andere eine Tochter?" fragte der König. Als sie beruheten, sprach er: „So vcrhcirathct eure Kinder . mit einander und gebt den gefundenen Schatz als Mrtgift." — Staunend hatte Alexander zugcbört, und der König fragte ihn: „Hätte man in deiner Heimath nicht so entschieden?"—„Wahrlich nicht", wrach der Eroberer, „wir hätten das gefundene v)ut für den Fiscus, für die Schatzkammer des Königs, in Beschlag genommen." — „Scheint bei euch die. Sonne", fragte der indische Fürst, „strömt der Regen vom Himaiel hernieder?" — „Gewiß", tprach Alexander. — „So geschieht es nicht euret-;?cgeu", cutgcgnete der Andere, „sondern, weil Gott I üch dorr des Biches crbarvtt, wo die Menschen Seiner Gnade nicht werth sind." — Und der Talmud fügt hinzu: c-i» ,h jrm ncroi bt» dtoi nsm rro*a „das bedeutet der Vers: dem Mensche» und dem Viehe hilfst du, o Ewiger — oftmals dem Menschen nur um des Viehes willen." Alles, was Gott erschaffen, hat seinen Zweck, ist ein nothwendiger Lestandtheil der herrlichen Gottcswclt, auch dann, wenn wir den Zweck deS Geschaffenen nicht zu erkennen vermögen. So erzählen die Weisen im Midrasch, David habe seine Verwunderung darüber ausgesprochen, daß Gott geisteskranke Menschen und lästige Jnsccten wie Spinnen und dergleichen erschaffen habe. Und Gott sprach; „Tu wirst sehen, daß Beide dir zum Helle gereichen werden". Als min David vor Schaul entfliehen mußte, kam er auf seiner Flucht zu Achisch, dem Könige von Gath. Und die Ticner des Königs riethen diesem, den großen Helden von Israel als Gefangenen bei sich zu behalten. Da stellte sich David wahnsinnig Und entkam so der Gefahr. Härte cs keine Geisteskranken gegeben, so hätte David diesen nicht nachahmen können und hätte sein Leben im Kerker von Gath vertrauern müssen. — David begab sich wieder in das Land Juda, und Schaul verfolgte ihn; schon waren die Verfolger dem Flüchtling nahe, als er in eine Felsenhöhle schlüpfte und sich dort verbarg. Und siehe, eine Svlunc zog ihr Gewebe über den Eingang der Höhle. Ta kamen die Verfolger, und einer voa ihnen sprach: „Gewiß ist er in diese Höhle geschlüpft!" — „Thor", sagten die Anderen, „da hätte er ja das Spinncgewebe am Eingänge zerreißen müssen!" — Sie zogen vorüber, und David war gercücr; eine Spinne hatte ihm das Leben gerettet. Auch das Geringste ist wichtig und werthvoll und füllt seinen Play aus iu Gottes herrlicher