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Der Israelit · 1887-02-03 · Heft 10 (3.2.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 10 (3.2.1887)
Date
1887-02-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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167 gezwungen, noch einen Gehilfen zu nehmen, sie allein vermochte es nicht mehr zu bestreiten. „Wenn nur die Rosi daheim wäre," klagte der schwache, gelähmte Mann, „wie wollte ich da so freudig dem Feste entgegensetzen und mir nichts daraus machen, daß ich leider ein Krüppel bin." „Tu bist ein guter, närrischer Mann," cntgcgncte Frau Perl oft lachend, „grauncst da in einem fort nach dem Kind, und ich habe Dir doch schon gesagt, gleich nach den Feiertagen fahre ich hinaus zum Vcner und bringe sic Dir. Aber wenn Du nur um ein Haar geschcidter wärest als Tu leider bist, möchtest Du selber einschcn, daß cs viel geschcidter wäre, das Kind bliebe noch draußen in der guten Luft und zwischen all' den Kindern vom Vetter. Tenn warum? — schauest Tu'S nicht, wie's hier zugcht? Von früh bis in die Nacht renn' ich herein und hinaus. Dich bedienen und die Kunden bedienen und überall nach dem Rechten schaue». Ta ist einem so'n Kind leicht im Weg, und so gut ich's auch mit ihr meine, hinterher lhnt mir'« ja selber oft leid: aber Du weißt, ich habe mich nicht immer in meiner Gewalt, uno wer ulir in die Quere kommt, einmal kriegt er einen Stoß, das andere Rial einen Klaps. Dem Kind schadet das nichts, aber Dir — o weh! meinst Tu, ich hätte cs nicht gesehen, wie Dir die Lippen gleich zittern, wenn sic sich muckst, weil ich sic nur anrührc. Darum, wie gesagt, wenn Tu nur ein Bistel gescheidter wärest, ließest Tu sie noch ein Weilchen draußen, bis Tn wieder ganz gesund bist." Müde ließ er den Kopf auf die Brust sinken. „Möglich, daß Tu recht hast — aber ich kann mir nicht helfen, — mir ist so bange nach dem Kind." „Alsdann gut, bis nach den Feiertagen. — Tu weißt, was ich verspreche, das halte ich." 5. Kapitel. Tas Fest hatte begonnen; die beiden ersten Tage waren vorüber und auch der dritte, der erste der Halbfticrragc war bereits vorgeschritten. In Tcnelbaum's Stübchen sah cS recht behaglich aus: man merkte, daß der Wohlstand im Wachsen. Matt lcbnte der noch immer Kränkelnde! 1 m dm Sessel, während seine wackere Ehehälfte in | Nroxender Gesundheit ihm gegenüber am Tische f >QB und munter daraus los plauderte. Ta ward | uiü einem Mal die Tböre ausgerisscn und laut | lubelnd stürzte eia Verwandter Teneldaum'S in das ^ruumer. „Lob! Bruderherz! Beßuroh tauwoh bring ich Dir." Der Gelähmte fuhr zusammen. „Der Detter Gcrschom ist gekommen," rief er, „mit meiner Rosi —" „Geh' mir weg mit dem Gerschom, dem Dalsen! — Lass' Dir erzählen, Bruderherz, meine Beßuroh — die wird Dich gesund machen — und wenn nicht, arbeiten brauchst Du Dein Lebenlang nicht mehr. Und Sie, Perl, mögen auch das Gewölbe sperren." „Aber was ist denn vorgcgangen?" fragte Frau Teitelbaum erstaunt über die Erregung dcS sonst so ruhigen Mannes. „So reden Sie doch, Vetter, lasten Sie uns nicht gar so lang' zappeln." „Alsdann hören Sie zu. Perl, gibt Acht Lob!" „Aber so nehmen Sie doch Platz, Vetter, im Sitzen rcdet's sich besser." „Nein, nein, nein!" rief der unablässig im Zimmer auf und nieder Rennende, „sitzen kann ich nicht, das läßt mir keine Ruh! Aber so aebt's schon 'mal Acht. — Euch denkt doch den Feisch Teitelbaum, Tandler ist er gewesen, gegenüber von dem Röhrkasten hat er sein Gewölbe gehabt." „Wie sollt' ich mich nicht an den erinnern,"' entgegncte Lob, „war er doch der Bruder von meinem gottseligen Vater." „Ewaddc," fuhr der Andere fort „und meine gottselige Mutter ist seine Schwester gewesen. Vierundzwanzig Jahr' mag's sein, da ist er über's Jam nach Amerika gegangen und ein Auscher ist er geworden, ein großmächliger, sag' ich Dir. Und setzt, heißt das im vorigen Monat, ist er gestorben, und 250,000 Dollar hat er hiuterlassen. Bruderherz, 250,000 Tollar und ein Dollar ist, mir scheint, zwei Gulden, und nicht Weib und nicht Kind und gar keinen Menschen hat er gehabt und all' sein Aschirus kriegen wir. Heißt das, ich und Du und mein Bruder und der Ealme Teitelbaum und der Rüben Meier." Frau Perl jauchzte laut auf uud machte einen Sprung, der die Anwesenden zu einer andern Zeit sicher zur Heiterkeit gereizt hätte. Dann schlang sie beide Arme um den Hals ihres Mannes und küßte rhu vor Freude, bald Icdjcna, bald weinend und auch der Vetter konme sich der Umarmung nur schwer entziehen. „Gebt's Ruh'," rief er lachend, „was möchte mein Weib dazu sagen." In Löb Teirclbaums Augen glänzten Thronen. „Gott sei Tank!" sprach er innig, „Gott sei Dank!

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