Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1887)
- Date
- 1887-01-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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US Tunis. Vi erte. In unserer Stadt lebt ein Kapuziner, Namens Alcrander da Varazzo, der durch seine Woblthaien, die er seit einer Reihe von Jahren den Bedürftigen aller Confessionen zu Theil werden läßt, sich die allgemeine Liebe und Hochachtung der ganzen Bevölkerung erworben hat. Am l*. Dezember ließ die i»r. Gemeinde durch ihren Präsidenten demselben unter großer Feierlichkeit als Zeichen ihrer Anerkennung und ihres Tankes eine goldene Medaille überreichen. Pater Alcrander bemerkte bei dieser Gelegenheit, daß Wohlthärigkcit keinen Unterschied der Konfession, des Lande» und der Farbe kenne, alle Menschen seien die Kinder desselben Gottes. China. Hongkong, Mitte November issc. Es ist durchaus nicht meine Absicht. Ihnen in diesem Schreiben Mitthcilnngcn über die Juden, die schon seit Jahrhunderten im Innern de» chinesischen Reiche» leben, zu machen, denn dazu bin ich zu wenig Kenncr der chinesischen Sprache und Geschichte. Ich überlasse daher willig eine solche Arbeit einem europäischen Simologcn. Ich will Ihnen hier blos von den in den verschiedenen Hafenstädten China» und hier aus Lee Insel Hongkong lebenden europäischen und amerikanischen Juden, englischer, französischer, italienischer und holländischer Zunge, erzählen und deren religiöses und soziale»Leben schildern. (Erwarten Sic jedoch keineswegs von nur eine von Gelehrsamkeit triefende Corrcspendein, sondern nur einen einfachen Brief, sowie ihn Ihnen, jede andere Persönlichkeit liier, die Sic zur Mitarbeiterschaft an Ihrem geehrten Blatte cingcladcn hätten, geschrieben hätte. Tic jüdische Gemeinde von Hongkong — Hongkong in eigentlich der Name nuferer kleinen Insel, deren Hanpton Bictoria heißt: in Europa spricht man jedoch immer nur von Hongkong, ohne gar den Namen Victoria zu erwähnen — in eine noch sehr junge, denn sie wurde erst l>-rn. also erst vor ungefähr vierzig Jahren gegründet. Ta» chinesische Reich war bekanntlich bi» zum Jahre IE für die Europäer gänzlich verschlossen und durften dieselben blos die einzige Hafcnsiadt Canton besuchen und daselbst nntcr für sie Iwdv: entehrenden und schimpflichen Bedingungen Handel treiben. In dem genannten Jahre entbrannte wegen eine» Angriffes' der Chinesen auf ein. englische» Handelsschiff ein Krieg zwischen England und China. Crftcrc» schiffte eine Armee von 4000, sage: ■ viertausend Mann, an der chinesischen Küste ans, wo zwei große chinesische Armee» sie erwarLeren. Tic chinesischen Krieger waren blos mit Bogen und Schild oder höchsten» mit verrosteten Steinflinrcn bewaffnet und konnten daher den Kanonen der Engländer nicht lange Stand halten. Als nun die englischen Kriegsschiffe sogar in den berühmten Kaficrkanal, welcher da» chinesische Reich seiner ganzen Länge nach, von Süd nach Nord, durchschncidct, cindrangcn und so dir Zufuhr von Lebensmitteln nach Peking verhinderten, da ließ sich der stolze, chinesische Kaiserhof endlich herbei, bei den Engländern um Frieden anzusuchcn. Eigentlich wollten die Chinesen auch jcpt nichts von dein für sie höchst demmhigen Worte »Friede" wissen: sie ließen daher in der amtlichen »Pekinger Zeitung" ankülldigen, daß ihr guter Kaiser den ttnienhancn der Königin Victoria, die notorische Hungerleider sind, da ihre Hcimath, England, ein öde» und unfruchtbares Land fit, au» purem Erbarmen, die kleine Insel Hongkong geschenkt habe, damit sic auf derselben etwa» bauen und so etwa» zum Epen haben sollen. Schließlich habe der gute Kaiser diesen armen Engländern noch extra fünf Millionen Thalcr geschenkt. Damals hatte sich die chinesische Regierung auch verpflichten müssen, fünf ihrer festländischen Häfen dem Handel mir den Engländern zu öffnen. Diese Häfen wurden »Verlragshäfcu" genannt. Die Engländer nahmen nun von der Insel Hongkong Besitz und legten ans derselbe» sogleich eine Sradt an, die sie zur Ehre ihrer jungen .Königin Victoria nannten. Zwei Jahre nachher kamen die ersten englischen Juden au» London, Calcutta und Bombay hierher und gründeten hier GcschäsrsrauHT. Auch in den dem Verkehre geöffneten fünf festländischen chinesischen Häsen siedelten sich bald englische, holländische rc. Juden an. In den unglücklichen Kriegen, die China isöS und 1S60 mit den Franzosen und Engländern sühne, mußte es noch einige andere seiner Häfen dem Verkehre mir den Europäern öffnen und in allen diesen Häsen entstanden bald jüdische Ansiedluugcn. In den meisten dieser Hasen legren die Europäer eigene Stadtviertel (Concessiuns) an, um nicht mit den Chinesen beisammen wohnen zu müssen, zu welchem Zwecke sic von der chinesische» Regierung Grund und Boden ankauftcn. In der großen Hafenstadt Shanghai entstanden sogar drei solche europäische Stadtviertel. ein englische», ein französisches und ein amerikanisches. ein jede» mir seiner eigenen Stadlbcbörde und seinem, eigenen Gerichtshöfe. Die Juden, die nach diesen Hascnstädtcu kamen.