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Der Israelit · 1887-01-03 · Heft 1 (3.1.1887) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 1 (3.1.1887)
Date
1887-01-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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13 „Ich verstehe Deine Befürchtungen vollkommen," erwiderte Michael, während sich seine männlichen Auge purpurn färbten, „aber ich glaube doch, es ist am Besten, wenn wir rasch vorwärtsschreitcn, wir sind schon in der Nähe von Neutzof; wenn wir dieses erreichen, sind wir vollkommen sicher. Loren; ist ein bodenlos frecher Mensch, der nicht leicht von einem Unterfangen ablüßr; aber jedes Ding auf dieser Welt hat seine Grenzen; — auch seine Frcch- . heit. In ein verschlossenes Haus ein;,»dringen, um ein Mädchen zu rauben, wird selbst der tolle Schurke, der in seinem beispiellosen Leichtsinne, einen Trunkenen zum Mitwisser seines gefährlichen Vorhabens macht, nicht wagen. Schon der Versuch — gelingen würde er nicht — würde ihn gefährden, und müßte ihm eine furchtbare Strafe zuzichcn. Don jener Wegcsbicgnng aus sicht man in einiger Entfernung Ncuhos, und das Branntwcinhaüs, das unser Freund Rüben Weiß bewohnt; haben wir dieses glücklich erreicht, so haben wir dann nichts zu befürchten." So sprechend waren Michael und Sara zu der Straßenbiegung geschritten. Schon auf diesem kurzen Wege hörten sic das Aufschlagen eines Roffcshnfes und das Rollen eines Wagens. Sara zuckte an dem Arme ihres Vtrlvoien zusammen. „Habe keine Furcht, thcures Herz" sprach er, „wir stehen unter des allmächtigen Gottes Schutz und Er hat mir gnadenreich die Kraft verliehen, mein Höchstes auf dieser Welt zu schützen!" Jetzt standen sic an der Biegung der Straße, welche sich da nach Rcnhof und Posewitz abzweigie, Sara's Herz schlug zum Zerspringen .... der Straße entlang zog ein Reiter, in einen weißen Dragonermantcl gehüllt, aber er ließ ihn jetzt zurückfallcn und erschien in der Försterklcidnng, in welcher erste vor Kurzem inW. angcsprochcn hatte. Zur Seite des Pferdes schritten zwei vermummte, kräftige, vierschrötige Gestalten, wie sie Rilolauer als Begleiter des Barons geschildert, eine dritte ähnliche Gestalt, lenkte einen Wagen, der Himer dem Reiter fuhr und welchen sie sofort als das von seinem Besitzer verlassenen Gefährte Rikolauers erkannten. „Tie Würfel sind gefallen," sprach Michael leise zu Sara, sich unwillkührlich eines ihm aus seiner Studienzeit geläufigen Ausdruckes bedienend. „Jetzt müssen wir vorwärts, wir dürfen nicht ahnen lattcn, daß wir feine bösen Absichten errathcn haben, noch weniger Furcht zeigen. Wenn wir uns feige zur Flucht wenden würden, hätten wir nichts erreicht und hätten nur zwecklos unsere Position vcrschlimuicrt. Zittere nicht, liebes Herz, ich schwöre es Dir, Dir soll im jirze haschem kein Haar gekrümmt werden." „Aber Du, mein Einziger, mein Vielgeliebter!" lispelte Sara, die in ihrer Verwirrung und Seelenangst nicht Herrin ihres Ausdruckes, Worte sprach, die sie in jungfräulicher Schamhaftigkeit bisher noch nie über ihre Lippen gebracht. Michael hatte nicht mehr Zeit zu antworten. Lorenz Horneck-Golzingcr hatte feinen Operatiousplan schlau ersonnen. An dieser Stelle verengte sich der Weg; er ritt rasch heran und gab seinem Pferde eine Schwenkung, fo* daß cs die ganze Breite des Weges versperrte. „Darf ich bitten, den Weg frcizugeben?" sprach Michael, aber der Ton seiner donnernden Sttmme ließ diese Bitte als einen Befehl erscheinen, und dabei ergriff er mit der linken den Zügel des Pferdes, während seine Rechte den wuchtigen Stock fester faßte." „Wohin des Weges," gegcnredete der Lieutenant in höflichem Tone. „DaS hat Sie gar nicht zu interrcssiren, Herr Baron .... ich bitte nochmals den Weg frei zu geben, sonst . . . ." Michael brach ab, er wollte, obwohl von dessen Fruchtlosigkeit überzeugt, doch cs versuchen, sich mit Lorenz auf friedlichem Wege auseinanderzusctzen. „Mich intcressirt das sehr lebhaft," enigegnete Lorenz, „ich sehe da ein schönes Mädchen zu Fuß gehen und bin in der angenehmen Lage ihr eine Fahrgelegenheit anznbietcn, die sie rascher und angenehmer au ihr Reiseziel bringen kann. Ist eS gefällig, dieses einfache Gefährte zu benützen, in den Wagen cinzustcigen?" wandte er sich an Sara. „Ich verbiete Ihnen jeden unzeitigcn Scherz, zu dem Ort und Zeit möglichst schlecht gewählt sind .... und jetzt sage ich cs zum dritten und letzten Male, geben Sic Raum, sonst nimmt die Sache, für Sic, kein gutes Ende;" und mit einem gewaltigen Rucke seiner krästtgcn Hand hatte er das Pferd gewendet, so daß der Weg frei war. Loren; knirschte mit den Zähnen, als sollten sie zerbrechen und rief seinen Begleitern erbittert, .höhnisch zu: „Ihr seid aber höchst ungalante, hölzerne 5tumpane, warum seid Ihr denn nicht der Dame beim Einsteigcn in den Wagen behilflich?" Auf diese Aufforderung näherten sich die beiden Männer Sara, und einer machte Miene ihren Arm zu ergreifen: Michael ließ den Zügel des Pferdes los, schwang feinen Stock und rief mit einer Sttmme, daß die Sttolche vor Schreck zurückwicheu:

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