Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 98 (16.12.1886)
- Date
- 1886-12-16
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1711 -Schwert auch die Waffen der Diplomatie benutzen, und als Vermittler hiezu diente ihnl der sowohl der laleiuischeu, als auch der arabischen Sprache im liöchslcn i^vabc mächtige Ehisdai, der aitch bei verschiedtucn Verwickelungen mit auswärtigen Höfen als ein vorzüglicher Diplomat sich erwies. Alles das aber würde nicht hinreichcn, um Ehisdai einen Plab in der jüdischen Geschichte zu sichern. Unsere Zeit hat Beispiele genug, das; Israeliten durch die Gunst der Fürsten oder des Volkes zu hohen Stellungen km Staatsleben erhoben sind. Aber wie selten gleichen sie jenem Mordechak, der als Minister des Königs treu dem Interesse seines Herrn und seines Vaterlandes diente, aber auch das Wohl seiner Stammesgenossen nicht vergaß! Wie dünn sind diejenigen unter den hervorragenden Männern unserer Zeit gesäet, deren Herz warm schlägt und die mulhig und energisch eintreten für das Heil ihrer Glaubensbrüder, und wie klein ist gar die Zahl derer, die auch für die Lehre, für die Aufgabe des Judenthums sich Sinn und Geist zu bewahren verstanden haben! Wie oft hat Israel büßen müssen für die Fehler seiner zu äußeren Ehren emporgehobenen Söhne, und wie gering ist der Vortbeil, der dem jüdischen Stamme durch sie erwachsen ist! Ehisdai aber eröffnet den Neigen jener hervorragenden jüdischen Staatsmänner in Spanien, welche neben der treuen Hingabe an die Interessen ihrer Fürsten auch dem jüdischen Leben und der jüdischen Wissenschaft die wärmste Begeisterung eutgegenbrachten. Selbst nicht ohne wissenschaftliche Bildung und gediegene Kenntnisse auf jüdischem Gebiete, unterstützte er die Gelehrten mit freigebiger Hand. Die berühmtesten Grammatiker der Zeit, Menächem und Dunasch, erfreuten sich beide feines Schutzes, und die Fragen, mit denen sie sich beschäftigten und m denen ihre Richtung divergirte, sind bis auf den heutigen Tag noch die Probleme, deren Lösung die geistige Thätigkeit der hebräischen Sprachforscher ausfüllt. Auch jüdische Dichtkunst begann unter seinem Schutze in Spanien sich freier zu regen. — Aber diesem jüdischen Geistesleben drohte eine Gefahr. Wenn den spanischen Inden auch die heilige Schrift bekannt war, und sie mit voller, warmer Begeisterung sich kn sie vertieften, so ist doch die schriftliche Lehre eben nur ein Theil des Gesetzes, und das Beispiel der alerandrinischen Juden hatte ja in nur zu verhängnkßvoücr Weise gezeigt, wie selbst die wärmste Begeisterung für das Judcnthum nicht vor gefährlichen Abwegen schützen kann, falls nichr auch die Kcnutniß der mündlichen Lehre hinzurritt. Ter Talmud aber war den spanischen Juden bis dahin ziemlich fremd geblieben: in allen religiösen Angelegenheiten waren sie auf Babulon angewiesen. War aber der in so weiter Ferne sprudelnde Quell auch im Stande, das Geistesleben der spanischen Juden in vollem Maße zu cifvifcljcuV Du fügte es sich, daß vier Gelehrte aus Babylon von einem KaperschiffeAbderrahmans III. gefangen genommen und nach verschiedenen Ländern in die Sklaverei verkauft wurden. Der eine von ihnen, Rabbi Moses, wurde nach Eordova gebracht und hier von der jüdischen Gemeinde losgckauft, ohne daß diese von seiner wissenschaftlichen Bedeutung eine Ahnung hatte. Er begab sich alsdann in die Synagoge, wo nach dem Gottesdienste der Rabbiner, Rabbi Nathan, eine ialmudische Stelle zu erklären suchte, ohne dieselbe richtig zu verstehen. Der Mann in der Sklaventracht murmelte leise einige berichtigende Worte vor sich hin, die aber dem Qhre Rabbi Nathan "s nicht entgingen. Er rief ihn vor und forderte ihn auf, die Stelle zu erklären. Nachdem er dies zur allgemeinen Zufriedenheit gethan und auch sonst seine hervorragenden talmudischen Kenntniye bewährt hatte, erschienen Parteien, welche ihre Rechtsstreitkgkeitcn dem Rabbi 'Nathan zur Entscheidung unterbreiten wollten; aber dieser erwiederte: „Nicht ich bin euer Rabbiner mehr, sondern jener Mann im Sklavengewande ist euer Rabbiner und ich sein Schüler", und so wurde Rabbi Nathan das Haupt einer Talmudhochschule in Eordova, zu welcher ans allen Theilen des Landes begeisterte Jünger herbeiströmten und die die Kenntukß des Gesetzes in Spanien sehr verbreiteten. Und so war denn der Grund gelegt für die allseitkge, freudige Entwickelung des jüdischen Geisteslebens, welches gerade m Spanien durch die Verbindung der schriftlichen und der mündlichen Lehre und die innige Durchdringung derselben mir der allgemeinen Enltur ihre höchste Vollendung erreichte. — Dem inhattretchen, namentlich 2bcr durch die formvollendete Sprache vom Anfang bis zum Ende fesselnden Bortrag wurde der lebhafteste, allgemeine Beifall gezollt. S p a n i e n. Madrid. An der Spitze des errichteten Eomite's zur Förderung der Einwanderung von Israeliten in Spanien stehen drei hervorragende christliche Persönlichkeiten. Es sind dies die Herren Jules Trpuilland (Franzose), Prosefwr in Madrid, Bentfeld (Deutscher), Jsid. Lopez Lapuya, Senator (Spanier).