Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 98 (16.12.1886)
- Date
- 1886-12-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXVII. Jahrgang. Zmeite i'cUnge ju Ur. 98 des Ssrnclit. ZeitmrgsuachrLchten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, U. Dezember. Das „Mainzer Tageblatt" berichtet: „Ein Israelit, Lesiber einer hiesigen Luchdrnckerci, hat an Sonntagen arbeiten, dagegen an Samstagen feiern lassen. Ä ns di escm Grunde hat ihm auch die Bürgermeisterei die Crlaubniß zur Sonntagsarbeit versagt. Im Wege des Strafbefehls ist ihm eine Geldbuße von 10 M. dictirt worden, wogegen er Widerspruch erhoben hat! In Rücksicht auf die docnmentirte Renitenz beantragt die Staatsbehörde 50 M. Geldbuße, das Gericht ließ es jedoch bei der ersten Strafe bewenden." Mau beachte die Worte: „Aus diesem Grunde." Herrn Oscar Lehmann, denn das ist der betreffende Buchdruckereibesitzer, wurde demnach die in dringenden Fällen nothwendige Arbeit am Sonntag nicht gestattet, weil seine Osficin am Sabbat geschlossen ist! — Der zu der Gerichtsverhandlung als Sachverständiger zugczoqene Herr Buchdruckereibesiuer Wall au von hier bekundete, daß das durch die arbeitende Maschine verursachte Geräusch ein so unbedeutendes fei, das; Niemand dadurch gestört werden tonne. In Preußen finden in der That die strengen Vorschriften in Bezug auf die Sonutagsfeier auf die Druckereien keine Anwendung. Auch hier wurde, der obenangeführten Meinung des „Mainzer Tageblattes" gemäß, der Dispens von der Bürgermeisterei deshalb verweigert, weil Herr L. den Sabbat hält! .■,cr rx '»mp* crrra: Hm Frankfurt a. M , 9. Dezember. Die Vorlesungen in dem Vereine für jüdische Geschichte und Literatur wurden diesmal durch einen Eyklus von Vorträgen des Herrn Dr. Heinemann über „Die Juden in Svanien" eröffnet. Der erste, diesen Mittwoch im Saale des kaufmännischen Vereins gehaltene Vorttag behandelt hauptsächlich den Beginn der Blüthezeit des spanischjüdischen Geisteslebens in der Zeit des Ehisdai I b n- S ch a p r u t. Zuerst entwickelte der Redner in kurzen Zügen die Geschichte der Inden in Spanien dis zum Eindringen der Araber. — Seit uralten Zeiten in Svanien ansässig, genopen die Juden unter der Herrschaft des heidnischen Ronls das volle Bürgerrecht, denn die Römer verfolgten das Indenthum nur in seinem Heimathlande, wo sie befürchten mußten, daß die jüdische Religion auch die jüdische Rationaliät in ihrem Widerstande gegen das Römerthum bestärken könnte; wo aber, wie' in den Provinzen, diese Befürchtung wegsiel, gewährten sie den Juden alle bürgerlichen nnd wirthschafllichcn Freiheiten. Als mit der Herrschaft des Ehristeuthums den Juden im römischen Reiche die staatsbürgerlichen Rechte verkümmert wurden, geriet!) Spanien in die Gewalt der arianischen Westgothcn, und so erfreuten sich die Juden noch lange Zeit des günstigen Geschickes. Dieses änderte sich, als die Westgothen den katholischen Glauben anuahmen und eine Reihe gehässiger Bestknunungen gegen sie erlassen wurde, bis zuletzt ihnen nur die Wahl zwischen Auswanderung und Verlassen des väterlichen Glaubens gestellt wurde. Viele wählten das Erstere; viele aber auch nahmen zum Schein den christlichen Glauben an, dem ihr Herz fremd blieb, und wurden nun von der Kirche mit Argnsaugen bclvacht und bei jeder Hinneigung zum Indenthum als rückfällige. Steuer bestraft. „Schon damals entflammte der Fanatismus jene Scheiterhaufen, welche auch noch später ihren grausigen Schimmer aus die Geschichte der Juden in Spanien warfen." Die Befreiung brachte den spanischen Juden der Einfall der Mauren, der deßhalb von ihnen init Jubel begrüßt wurde. Obgleich ebenfalls, namentlich im Anfang, nicht ohne Gehässigkeit gegen die Juden, räumten die Mauren ihnen wenigstens das Recht zu leben ein, und so bescheiden war Israel schon im Laufe seiner Leidensgeschichte geworden, daß cs selbst dieses Recht als ein Gnadengeschenk «mah. Als nun auch unter den Arabern die griechische Bildung mehr und mehr Boden fand, schloffen sich auch die Inden den allgemeinen wineuschaftlichen Bestrebungen aufs Regste und Innigste an, nnd die Vornrtheile gegen sie begannen allmählich zu erbleichen. Der Mann, der seinen Glaubensgenossen zuerst die Anerkennung der Gleichberechtignng verschafft hat, ist Ehisdai Ibn Schaprut. Heber seine Iugendgeschichte ist uns wenig bekannt. Wir begegnen ihm als Arzt am Hofe Abderrahman's III.. an welchem er auch eine wichtige politische Stellung ausfüüre. Im Kampfe mir den allmählich zu größerer Macht angewachscnen christlichen Staaten Rordspaniens mußte Abderrahman III. neben dem