Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 97 (13.12.1886)
- Date
- 1886-12-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVll. Jahrgaiia. J\'J SP7, - (Sin KenLrak - Hrgan für bas orfßobose Zubenthum. Heransgcgcbcn von Rr. l'djiuanu in Mainz. W! onta g, den 13. Dezember 5647 (1SSG). Leitender Artikel. Iakoö. V. Mainz, 9. Dezember. Unsre Weisen (im Sohar) knüpfen an die Bitte des Engels -inrn rby »2 wer „entlasse mich, denn der Morgen ist hcranfgezogen," eine tiefsinnige Bcmerknng. Es heißt im hohen Liede (E. 6. V. 10): rro nzbj ns» pnr 122 nspjwn rw »o ntejs nom ,ncns „Wer ist sie, die hervorblickt wie der anbrechende Morgen, schön wie der Mond, hell wie die Sonne, furchtbar wie Kriegerschaaren?" — Wir find bei der Ucbersetznng des vierten Theilcs dieses wunderbaren Berses der Erklärung der meisten Interpreten gefolgt, jedoch wird Jeder leicht erkennen, daß, während die drei ersten Thcile des Verses eine Steigerung des Lichteffectes schildern, der vierte Theil, nach der gegebenen llcberseynng, etwas ganz Anders hinzusügt. Heller als der anbrechende Morgen ist das Licht des Monde«, weit heller noch der Sonne leuchtender Strahl, und für die gewöhnliche menschliche Anschauung gibt cs kein helleres Licht als V»e am Himmel leuchtende, von Wolken nicht verdunkelte. Sonne. Nach unsrer Tradition jedoch gibt cs ein Licht, welches das Sonnenlicht bei weitem überstrahlt, von welchem die Sonne nur der Träger eines Theiles ist, das ist das Licht, welches Gott im Anfänge der Welreuschöpfung schuf, von welchem es heißt: „Und es sprach Gott: cs werde Licht, und es ward Licht." Das ist das Licht der Schöpfungstage, welches das Sonnenlicht um vieles überstrahlt. Beim Leuchten dieses Lichtes sonderte, theilte ein und ordnete der Schöpfer die von ihm erschanene Welt. Damals wurden alle Wesen, die Himmel, die Erde, die Meere, die Wanzen, die großen Himmelskörper: Sonne, Mond und Sterne, die Thiere, die im Wasser leben, die geftügeltcu Geschöpfe, welche die Luft durchfliegen, die Thiere, die auf dem Trockenen leben, und der Mensch vom allmächtigen Gotte geschaffen, gebildet, gemacht, in Gattungen eingethcilt und gleichsam ihren Fahnen zngewiesen r&i: (tj L".>» p-^2 £:-s). Dementsprechend müssen wir das Wort nsr** von cv Tag herleiteu; wir können demnach novx .-.'ö:i:2 übersetzen:- „Taghell *), wie das Licht zur Schöpfungszeil." — „Wer ist sie, die da hcrvorschaut, wie der anbrechende Morgen, schön wie der Mond, lauter wie die Sonne, taghell wie das Licht zur Zeit der Schöpfung?" Es sind vier Phasen der israelitischen Geschichte, welche in diesem wnnderherrlichcn Berse des hohen Liedes uns angcdentet werden. Der anvrcchende Morgen, das ist die Zeit, da unser Later Jakob mit dem Enge! gerungen und obsiegt hatte, wie wir cs im vorigen Kapitel ausführlich dargelegt haben. Als Jakob den feindlichen Engel in der eigenen Brust überwunden und sich zur Erkenntnis; des einzigen Gottes, soweit dies menschenmöglich ist, emporgernngcn hatte, da war der Morgen angebrochen für ihn und seine Nachkommen, da war ans Jakob dem Ferfenfaffer, ein Jisrael, ein Gottcsftrcitcr, geworden. Tie Zeit, da sich die Familie Jakobs entwickelte, da ans dieser Familie im Aegypterlande ein Volk heranwnchs, glich der Hellen Mondnacht. Die Mondnacht, mit all ihrem Zander und all ihr Schönheit, ist gleichsam ein Bild der Entwickelung der israelitischen Nation. Wie die schöne Jungfrau in der zanbcrvollen.Mondnacht nmhcrwaudelt, das Her; von unbefriedigter Sehnsucht erfüllt, so wird Israel von den Propheten geschildert in der Zeit, da Gott Sein Volk Sich erkor, wie cs heißt: