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Der Israelit · 1886-12-09 · Heft 96 (9.12.1886) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 96 (9.12.1886)
Date
1886-12-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1665 Rabbiner Dr. Bloch in Wien haben bereits ihre ' Mitgliedschaft angezeigt. C e n t r a l - A s i e ». Zrhiwa. Unsere Postverbindung mitdemAbcndlandc, mit Europa, ist noch heute ganz dieselbe, wie sic es vor fünfzig oder vor hundert.'Jahren war, und ist dies auch die Ursache, daß so selten Nachrichten über die Juden nuscrer Stadt und unseres Khanats au jüdische Zeitungen gelangen. Vor Allem muß hier gleich eingcstanden werden. Laß von einem geregelten Poftdicnftc in unserem Khanate gar keine Rede ist und wird hier die Brief- und Pakctbeförderung noch immer durch die Karawanen besorgt. Nur für einfache Briefe, die über Orcnburg nach Eurova gehen, gibt cs eine Art geregelten Postdienst, der aber von der russischen Regierung eingerichtet wurde und von ihr auch aufrecht erhalten wird. Diese Briefe werden dann von hier durch einen. Eourrier nach unserer Hafenstadt am Amu-Darja, Jcni-Urgendsch, gebracht und dort einem russischen Kricgsdampfcr übergeben, der sie nach dem jenseits des Aralsees gelegenen Fort Alexandrowsk bringt, von wo sie dann mittelst der russischen Wüstcupoft nach Orenhurg befördert werden. Briefe hingegen, die von bier über das Schwarze Meer nach Europa befördert werden, werden inlmer einer Karawane übergeben, die sie durch die Wüste noch Krasnowodsk am «aspksee bringt, wo sie ein russischer Privatdampfcr in Empfang uinnnt und sie nach Baku befördert, von wo sie daun per Bahn über Tiflis nach Poli am Schwarzen Meere gelangen. Hier werden sic abermals von einem russischen Dampfer iu Empfang genommen, der sie nun nach Odeya schayt. Da nun übermorgen, den 26. Scloder ("srn u"z), eben eine solche Karawane von hier nach dem Äaspisee abgeht, so haben wir heute und morgen ein allgemeines Bricsschrcibeu hier, denn die nächste Karawanenpost nach Europa geht erst m drei Wochen von hier ab. Die z'zr~'> cir (hohen Feiernnd Festtage) sind hier mit Ausnahme einiger kleiner Unfälle und Störungen sehr ruhig verlausen, was nrrter den wilden Horden Mittelasiens wirklich ein seltenes Ercigniß ist. Rach ciucur allen hier herrschenden Brauche wurden auch heuer am erste Lelrchochrage die Vorsteher mrserer Gemeinde nengewählt und haben dann die Neugcwählreu am rem rtn tRüstragc zum Zleujahrcsfcste) ihr Amt angcrrcren. Am ersten Selichordrage treten hier auch umcr dem Vorsitze unseres Mulcy (Greßräbbiners oder wie wir ihn hier murren „Kadi Kebir" uufere Ehachaminl und die Borstehcr der Bothe-Midraschim (Lehrhäuser) zusammen, um zu untersuchen, ob die religiösen Eiiirichtnugen in unserer Gemeinde gehörig fungircn und daun auch ob der Lebenswandel unserer. Hasanim, Schächter nnd Dschczzars (Fleischhauer) ein echt jüdischer sei und ob dieselben ihre Pflichten auch mit großer Gewissenhaftigkeit erfüllen. Auf Vorschlag des Rosch-Jeschibah (obersten Talmndtehrers) werden dann jene Bachnrim gewählt, die sich über die hohen Feiertage nach den verschiedenen kleinen Gemeinden in der Umgcacni» unserer Stadt, so nach Ieni-Urgengsch, Schah-Äbad, Kösch- Köpir, Amber n. s/w. begeben, um dort als Hasanim, Schofarbläser oder ]'nmo (so werden hier die von unseren Bcth- Tiu zur Prüfung und Beoufsichtiguug der Schächter und Fleischhauer auf dem flachen Lande ansgeschickten Sachverständigen genannt) zu fnngiren. Am Abend dieses Tages startet auch unser Rinlcy in Begleitung seines Beth- Dins dem neugewählten Rosch-Hakahal, auch Scheikh El-Jchnd (Jllden Aeltcster) genannt, eisen Besuch ab, um ihm zu seiner neuen Würde zu gratnlircn. Am zweiten Selichothtag, also am Mouteg, der hier nebst dem Donnerstag allgcmeinerGcrichtstag ist, wird dann in allen Synagogen nach dem Vorleseu ans der Thora vom Almemor herab verkündet, daß von heute an bis nach dem Suckothfeste keine Gerichtsverhandlung stattsinden wird. Die Gemekndemitglieder mögen daher in Anbetracht der herannaheudeu heiligen Tage friedlich nnd brüderlich miteinander verkehren, sich keinen Schaden und keine Beleidigung gegenseitig zufngen, damit wir alle am bevorstehenden;nn üv versöhnt mit einander vor dem Richterstuhlc Gottes erscheinen sollen, auf daß er unsere Gebete nur Wohlwollen entgegennchme. So ungefähr lauter stets die Ermahnung an die Gemeinde, die mm verlesen wird. Am Tage vor dem Rüstrage zum 'Reujahresfeste erscheinen dann alle Boibeter und Schofarbläser unserer Synagogen vor dem Oberradbiner, um sich ihm vorznftelleu. Derselbe richtet dann einige mzr S'-c- (Moralworte) an die Erschienenen nnd ermahnt sie zugleich, die Gebete mit voller Andacht vorzutragen, damit der Allmächtige bald die Erlösung schicke nnd wir schon den nächsten Versöhnungsrag im heiligen Tcmvel zu dermalem feiern sollen. Ta eS jedoch nicht meine Absicht ist, , heute eine Schilderung unserer verschiedenen Gebräuche während der hohen Feiertage zu liefern — ich behalte diese Arbeit für den kommenden Monat E!ul vor — so werde ich Ihnen nur in Kürze die wichtigsten Begebenheiten, die sich hier am Neujahres-, Versöhnungs- und Laubhüttenseste creigner, mmheilen.

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