Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 96 (9.12.1886)
- Date
- 1886-12-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVII, Jahrgang. Beilage zu Nr. 96 des Israelii. Zeitungsnachrichten und Cvrrefpondenzen. Deutschland. Birkenau, 2. Dezember. Heute wurde eiu hiesiger israelitischer Einwohner zu seiner Ici.unt 3luhestatte gebracht, welcher ganz unerwartet ein tragisches Ende nahm. Derselbe hatte sich vorgestern mit seiner einzigen Tochter, welche im Begriffe sicht, sich zu vciheirathe», nach Tarmsiadt begeben, nm dort die uöthigen Vorbereitungen zur Hochzeit zu Irene». Tie Tochter begab sich mit ihrem Bräutigam nach Frankfurt, um das dort gemiethcte Logis einzuschen; der Vater wunderte wieder allein seiner Hcimath zu. Sowohl auf der Eisenbahn von Tarmsiadt nach Weinheim, als auch in dem Omnibus von letzterem Orte bis hierher, zeigte er das ihm cigeNthumliche joviale Wesen. Kaum aber hatte er den Wagen verlassen, um sich nach seiner Wohnung zu begeben, so sank er um. Mehrere Männer eilten herbei und trugen ihn nach Hause. Alle Bemühungen des Arztes, ihn wieder zu sich zu bringen, blieben ohne Erfolg. Ein Schlaganfall hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Tan hier und in der Umgegend die Toleranz zu Hause ist, zeigte sich heute bei seinem Leichenbegängnisse, denn eine große Schaar Leidtragender ans allen Ständen und Eonfcfsioncn erwiesen dem Tahingcschiedencn die letzte Ehre. Bühl (Konferenz-Bericht). Vorigen Sonntag r?cr versammelten sich dahier nach vorhergegangener Einladung durch den Bez.-Rabbiner Herr» Tr. Maier sämmtliche isr. Lehrer des Nabbinatsbezirks Bühl zur Abhaltung der auf diesen Tag anberanmtcn Konferenz. Ter Herr Bez.-Nabbiuer dies; die Versammelte», denen sich auch der derzeitige Bez.-Aeliene, Herr T. M. Wertheimer und Smragogeurarh S. Weil dahier angeschloffe» hatten, herzl. willkommen und -ob den Anwesenden iu wenigen aber geistreichen Worten den Werth solcher Versammlungen für den Unterricht hervor. Hierauf ertheitte derselbe dem Hauptlehrer Jakob das Wort za fernem Referate über den biblisch-geschichtlichen Religionsunterricht. Derselbe empfahl in einenr längeren Vorträge die Bereinigung der bibl. Geschichte mit dem Unterricht iif der Religionslehre aus folgenden Gründen: I) Ter Zcirerfparmß wegen, zumal den an gemischten Volksschulen angcstellten isr. Lehrern für den Religionsunterricht so äußerst wenig Zeit zugemcsscn ist. 2) Ter Zusammengehörigkeit wegen, da ja die Bibel,-insbesondere'die Thora die Haüpterkcnntuißquelle für die isr. Zleligionsgeseye und Religionswahrheiten ist, und 3) der bessern Faßlichkeit wegen für die Schuljugend, was schon daraus hervorgeht, das; dieselbe den religiösen Lehren, die au die bibl. Erzählung anknüpfen, weit mehr Freudigkeit entgegcnbringt, ais den in siistcm. Lehrbüchern "enthaltenen Neligionssätzen. Hierbei sott jedoch die Emprägnng von paffende» Bibel stellen nicht unterlassen, dagegen die biblische Erzählungen niemals auswendig gelernt werden. In der sich anschließenden .Diskussion, an welcher Hauptteürer Lehman» aus Lichrenau, Lehrer Levy aus Rheinlnschofsheiin, Mayersohn aus Rasiatt und andere sich betheiligtcn, wurde dieser Vereinigung der genannten Unterrichlszweige bcigestknnnt, aber auch dargethan, das; iu den "fogenamtte» Neligionsschnlen, denen für den Religionsunterricht mehr Zeit zur Verfügung sieht, diese Unterrichtsgegenftände ausführlicher behandelt werden können. Hierauf sprach Lehrer Pollaschck ans Bodersweier über den Werth des Pentateuch-Unterrichts und hob insbesondere die Schwierigkeit hervor, die dem Lehrer hierbei dadurch bereiter wird, daß so manche Eltern diesem wichtigen Unlcrrichtsgegeuftand so wenig Snmpathie entgegenbringen. Auch von andern Lehrern, die bei der hierauf folgenden Besprechung fick betheiligtcn, wurde dieser Iudmereurismns rief beklagt. Herr Bcz.-Nabb. Tr. Maier legte jedoch-in--seiner Schlußrede den anwesenden Lehrern dringend an's Herz, sich hieran nicht zu nörcn und ihren diesbez. Obliegenheiten um so gewissenhafter nachznkommen. Fm Allgemeinen glaubte der Vorsitzende den Lehrern bezüglich des gcfchichtl. Unterrichts und unter Bezugnahme auf das Referat des Haupttehrrrs Jakob, der: Wink geben zu sollen, daß es nicht sowohl darauf ankomme, sich bei einzelnen unerheblichen geschichtlichen Erzählungen anfzuhalren, als vielmehr durch lichtvolle Rekapirnlatioucu des Gerchichrsftoues solchen dem Gedächwine der Kinder dauernd emzvvrägen, mir anderen Worten, dem Unterrichte