Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 94 (2.12.1886)
- Date
- 1886-12-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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ni.i.i Hierauf traten je vier Pilger zu den vier Särgen hin und sagten Kadisch mit Einschaltung der Worte: imre np1"! rp;pT,0 nsr*. (Er möge die Erlösung sprießen lassen und die Ankunft des Messias beschleunigen.) Dies wiederholte sich dann so oft, bis an alle Pilger die Reihe gekommen war, arabisch zu sagen. Hierauf traten die Pilger zu einer Gruppe vereint vor das Grab Daniel« hin und sprachen hier in der Stille ein D'cm sOa Pn für Heimgegangene Anverwandte und Bekannte. Zum Schlüge wurde dann eine Eollcctc für die Grabcskapelle und die in demselben angestellten Ehachamim veranstaltet, worauf einer der Letzteren zum Grabe Daniel'« hintrat und einen Mi-Schcbcrach (Scgensspruch) für die Anwesenden und deren Familien sprach. Nachmittags darauf reisten schon Ehacham Akiba und sein Schwiegersohn mit ihrer Karawane nach Persien weiter, während ich erst am andern Tag Eharkuk verließ, um über Nahar-Ahwan und Bagdad nach Hillch (Babel) zu gehen und dann von dort aus die noch vorhandenen Ueberreste von Sura (ntc) Nahar-Deah (Njmrw), Anbar (~z:j?) n. f. w. zu besichtigen. A u st r a I i c n. Sidncy. Eine Rcutcr'sche Depesche meldet, daß der neu ernannte Jnstizrath Julian Salomon in Folge anhaltender gegen ihn gezeigte Gehässigkeiten seitens seiner Eollegcn sich gezwungen sah, sein Autt uiederzulegen. F c u i 1 1 c t o n. Aas Audenöad in Kötn. (Aus dem II. Jahrhundert.) Gegen Ende des.Sommers kam uiir die Nachricht, daß man auf dem historischen Grund und Boden des ehemaligen Judcnvierrels ein Bauwerk aufgcdcckr habe. Zwischen dem „Jcrusalcmsgäßchen" und „unter Goldschmied" waren mehrere alten Häuser medergerigen und bereits Fundamente zu Neubanten gelegt. An der Westseite der Rathckapelle, der ehemaligen Synagoge, fand ich gleich unter der Erdoberfläche ein wohlerhattenes Gewölbe aus Tuffstein, welches auf mächtigen Säulen von unverkennbar romanischem Eüarakter rühre. Das Gewölbe maß 12 Fuß im Geviert und sollen nach Westen hm mehrere solche vorhanden gewesen sein. die aber früher weggcränmt worden. Diese Angabe bestätigte sich auch, denn unmittelbar daneben zeigte .sich ein gewölbter Gang und von demselben führte eine gewaltige Treppen-Anlage von Hausteinen in die Tiefe — in das ehemalige Judenbad. Leider versperrte bereits neues Mauerwerk das weitere Lordringen. Zurückkehrend in das obenerwähnte Gewölbe, welches vermuthlich als Aus- und Ankleideraum gedient hat, wofür zwei zum Aushängen der Lampen 2c. eingelassene eiserne Haken sprechen, zeigte sich in der an die ehemalige Synagoge stoßenden Wand ein vermauerter Eingang, durch welchen man in den westlichen Thcil (mr:n nc:rn rvz) gelangen konnte. Da man bei den Wiederherstellungsarbciten der Rathskapclle ähnliche Pfcilerstöcke wie au diesem unterirdischen Gewölbe fand, so steht fest, daß beide Baulichkeiten zu ein und derselben Zeit entstanden sind und zwar im 11. Jahrhundert. An diesem unterirdischen Bauwerk ließ sich erkennen, daß die jüdische Gemeinde Kölns damals eine reiche gewesen ist. Waren doch sogar die Synagogenfcnster mit Glasmalereien versehen, welche der Rabbiner Eliakim b. Jchuda, der Schwiegervater des zu Anfang des 12. Jahrhunderts beseitigen ließ. Daß sich das Bad bis heute erhalten hat, ist nicht zu verwundern, da auch die Synagoge allen Stürmen des Mittelalters getrotzt hat. Im Jahre 1096 wurde sie ausgeplündert, 1349 in Brand gesteckt, aber nicht ganz zerstört, und als 1434 die Juden aus Köln vertrieben wurden, machte man daraus eine Rathskapelle. Um ihr einen kirchlichen Anstrich zu geben, wurde ein Dachreiter aufgesetzt und 1474 eine Sakristei angcbaut. Am 28. Mai 1618 begann man den, wie alle alten Synagogen tiefliegenden, Bau etwas zu „erhöhen" und setzte neue Fenster ein. In neuester Zeit wurde die Ost- und Westmaner durch neue ersetzt, die Süd- und Nordmauer gehören noch der ehemaligen Snnagoge an. Als ich jüngst den Zugang zum alten Jndenbade wieder aussuchte, fand ich, daß man das alte Gewölbe zusammcngeschlagen und mit Schutt ausgefüllt hatte. Nichts verrieth mehr von der Stätte, wo die edlen Frauen Israels die Reinheitsvorschristen ihrer Religion erfüllten. Schließlich sei noch berichtigend bemerkt, daß man früher einen alten Brunnen an der südöstlichen Ecke der Synagoge für das Jndcnbad gehalten hat. Mühlheim am Rhein. Earl Brisch.