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Der Israelit · 1886-11-29 · Heft 93 (29.11.1886) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 93 (29.11.1886)
Date
1886-11-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Karawane, die binnen zwei Tagen von Mossnl nach JSpahan in Persien abgchen werde. Zu dieser Karawane gehörte indes; auch ich, da ich vor einigen Tagen mit Ehacham Akiba vereinbart hatte, das; ich ihn ans dieser seiner.Geschäftsreise bis Eharkuk begleiten werde, um dann dort das Grab Daniel's zu besuchen. Das Städtchen liegt ost-südlich von Mossul und führt der Weg dorthin über das Torf Erbil dm (Hosca Cap. X, 14), welches, dank einer blutigen Schlacht, die vor etlichen tausend Jahren in seiner Nähe stattgefnnden, verewigt worden ist. Den Seidenftosf zu diesem Teppich hatte die Gattin des Ehacham gespendet und zwar an dem Tage, an dem ihre genannte Tochter mit ihrem Vetter verlobt tvordcn war, und verwendete dazu ihr Kleid, in dem sie vor circa einundzwanzig Jahren unter die Chuppah (Trauhimmel) gegangen war. Ich versicherte der jungen Braut, das; auch ich zur Karawane ihres Vaters gehöre, da ich ebenfalls das Grab Daniel's und seiner drei Gefährten besuchen wolle. Dann nehmen Sie gefälligst diesen Silbermedschidije (ungefähr drei Mark), sagte sie zu mir, und kaufen Sie dafür sin Charkuk zwei Glaslampen. Füllen Sie dieselben dann mit Ocl und zünden Sic sie auf dem Grabe Daniel« an, damit dieser große Prophet bei Gott seine Fürsprache für mich und meinen Bräutigam einlege, auf das; wir in einer glücklichen^Stunde unter die Chuppah gehen und auch ein glückliches Leben führen mögen. Ich will, fügte sie entschuldigend hinzu, weder meinen Vater noch meinen Bräutigam mit dieser Angelegenheit belästigen, da Beide sich nur wenige Stunden in Charkuk aufhaltei^werden, da sie mit der Karawane sogleich weiter Ziehen müssen. Am zweitsolgcnden Tag, an einem Dienstag, wurde im Hause des Chacham Akiba früh Tag gemacht, denn in seinem Hause versammelten sich alle jüdischen Mitglieder dieser Karawane, und wollten daselbst auch, vor dem Antrittt ihrer Reise, das Morgengebet verrichten. Es mochten sich ungefähr vierzehn Inden zu dem Morgengebete cingefunden haben, von denen die meisten eigentlich nur deshalb die Reife unternahmen, um die schon bezcichnclen Gräber in Charkuk zu besuchen und daselbst ihre Andacht zu verrichten. Trci^von diesen jüdischen Pilgern kamen aus der nord-persischen Sladt llrmiad, zwei aus Diarbukir. einer aus Altin-Köhri-Koi und die übrigen ans Monul und Umgegend. Hhacham Akiba fungirle als Hasan und nach Beendigung des Mrrgcngcbetes lud er alle Anwesenden zum Frühstücke ein. Sowohl der Hausherr, wie auch der Bräutigam seines Tochterchens Sara!», nahmen dann rührenden Abschied von den Ihrigen, da sie mm auch nach- Persien gehen wollten, wo es mit der öffentlichen Sicherheit noch schlimmer bestellt ist als in der Türkei. Ju diesem Reiche befinden sich wenigstens in allen größeren Städten Garnisonen von regulären Truppen und daun auch eine so ziemlich gntorganisirte Gensdarmerie (Zaptiah), vor denen die Straßenräuber doch einen ziemlichen Respekt haben, wogegen in jenem Reiche reguläre, discipliuirte Truppen noch fehlen und von einer Straßengensdarnrerie noch keine Spur vorhanden ist. Biele Gemeindemitglieder von Mossul gaben daher auch Chacham Akiba und seinem zukünftigen Schwiegersöhne das Geleite bis über dir Tigrisdrücke (dieselbe ist eine Schiffbrücke), worauf sie denselben die zranr nr"2 (Priestersegeir) nachriesen. Betrachten wir uns mm ein wenig diese Karawane. An der Spitze derselben stand der greise Kurdcnscheikh Hafiz mit bis zur Brust herabwallendem weißen Barte, der eigentlich ein Kameelhändler ist, aber nebstbei auch Karawanen zusammcnftcüt und sie anführt, da dieses Geschäft im Oriente noch heute, wo es noch immer an Eisenbahnen und Fahrstraßen mangelt, ein schönes Stück Geld abwirst. Zu seiner Linken ritt sein Sohn Jnssuf, der in seiner Rechten eine hoheStange mit einer rothenFahne daran hielt. Mit dieser Fahne gab er dasZeichen zum Aufbruche oder zum Rasten der Karawane und diente ne auch als Wegweiser für alle Mitreisenden, die aus irgend einem Umstande hinterderKarawaneZurückbleiben mußten. In der Karawane befanden sich auch vier Soldaten, die uns der Gouverneur in Mogul gegen eine Entlohnung zur Begleitung bis nach Charrnr mitgegeben hatte, wo dieselbe dann durch andere ersetzt werden sollten. Dann gehörten noch zur Karawane achtundzwanzig arabische und türkische Kaufleute mit ihren Dienern und vier von diesen Kamlcuten sühnen zugleich auch ihre Frauen mit sich. Die Anzahl dieser Frauen belief sich auf zehn oder elf, da ein jeder dieser vier Kamlenle mehrere Frauen mit sich führte. Dieselben saßen nicht wie die Männer auf den Rücken dcr Kamcele, sondern in hohen mit Dächern versehenen Körben, von denen jedes Kamecl zwei, einen auf der rechten und den andern auf der linken Seite trug. Unsere erste Rachlstation war in dem schon genannten Torfe Erbil. wo henke im Ganzen acht jüdische Familien leben, die zumeist Oekonome und Viehzüchter sind. Als sie vernahmen, daß sich Inden in der Karawane befinden, kamen sie herbeigeeilt, begrüßten uns mir einem herzlichen: Salem Aleikuml und luden uns sogleich ein, bei ihnen zu übernachten, was wir auch bereitwilligst znsagren. Tie Inden in Erbil kleiden sich gänzlich wie die Kurden und tragen sie

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