Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 92 (25.11.1886)
- Date
- 1886-11-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXVJI.3fl!)Vflnmi. 7»weite Le i i's Israelit. Leitttttgsiiachrichtett und Gorrespottdenzen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 23. November. Leopold Kompert ist heute gestorben. Tie schweren Besorgnisse, welche sich diesmal an die neuerliche Erkrankung des Tichtcrs knüpften, haben sich zur Trauer seiner zahlreichen Freunde rasch erfüllt: heute Morgen ist Kompert aus dem Leben geschieden. Man kann wohl sagen, das; mit ihm einer der vornehmsten Schriflstcller Oesterreichs zu Grabe getragen wird. ES gibt Wenige, welche wie er die literarische Kunst mit solcher Weihe und Begeisterung ansüblen und die, ihres Erfolges, froh, ohne Selbstüberschälzung bescheiden geblieben waren. Still und geräuschlos war sein Schaffen, er überschwemmte nicht mit rasch hingcworfcnen Werken den literarischen Markt; sorgsam und gewipenhaft reiste^er in seinem (leiste den Stoff auS, bevor er an bellen künstlerische Behandlung ging. Jnsoferne war er ein Jünger der alten Schule, auS der er schon mit seinem ersten Werke, mit den Geschichten aus dem „Ghetto," als -Meistt-x-heworgegangen war. Er war aus demselben guten Holze wie der Dichter Morin Hartman» geschnitten, mit dem er von Kindesbeinen an befreundet war. Nennt man einst die besten Namen der deutschen Literatur, so wird auch noch in künftiger Zeit der seine genannt werden. Komperr verband, was gleichfalls viel bedeuten will, mir einem hervorragenden Talente den liebenswürdigsten Charakter, dem die besten Bürgertugenden nachznrühmen sind. Kompert ist am lf>. Mai 1822 in Münchengrätz in Böhmen geboren. Seine Jugend war eine kummervolle; unter empfindlichen Entbehrungen mußte er seine Studien, bei welchen zeitweise Moriv Hanmann sein Genoffe war, wiederholt unterbrechen. ehe er sic vollenden konnte. Eine angenehme und ihn geistig fördernde Stellung gewann er zum erftenmale als Hofmeister im Gömörer Eomirate. Hier schrieb er J>tc ersten seiner Erzählungen aus der Judeugaye, die seinen Namen rasch populär machten und ihm einen ehrenvollen Platz in der Literaturgeschichte verschafften. Durch die liebevolle Behandlung, die er deur engbegrenzien Genre angedeihcn ließ, durch die psychologisch treue Zeichnung, die von tiefem Blicke in die Seele und warmer Autsaffung zeugt, sowie durch die schlichte. poetisch-naive Erzählungsweise hat er manche Aehnlichkeil mit Auerbach, dem Dichter der Dorfgeschichten. Kompert's Werke, die seinen schriftstellerischen Ruf herbeiführten, sind: „Aus dem Ghetto" (1848), „Böhmische Juden" (1851), „Am Pfluge" (1855), „Nene Geschichten au» dem Ghetto" (lsi;o), „Geschichten einer Gasse" (1805). Doch war Kompert noch in anderer Richtung schriftstellerisch sowie auch journalistisch thätig. Er war in den Jahren 184t) bis 1852 anfänglich Nedaeteur des Feuilletons und später Ehef - Nedaeteur des damals bestehenden „Oesicrreichnchen Lloyd" in Wien. Nachdem er später als Erzieher im Hause des Herrn v. Goldschmidt, Proeuraführers des Hauses Rothschild, gewirkt, auch kurze Zeit einen seiner Individualität nicht entsprechenden Beamtenposten in der^Ereditanstalt innegehabt, übernahm er in den Sechziger Jahren die Redaction des Feuilletons der „Eonstitntionellen Oesterreichischen Zeitung," in welche sich inzwischen der „Oesterrcichische Lloyd" verwandelt hatte. Seit etwa 15 Jahren hatte sich Kompert, eine vornehme und liebenswürdige Natur, in das Privatleben zurückgezogen und seine Zeit schriftstellerischen Arbeiten und Studien gewidmet. Durch einige Jahre war Kompert auch Mitglied des GcmeiuderarheS, in welchen! er sich hervorragende Verdienste um das Schulwesen erwarb. Er gehörte auch dem Vorstände der Schiller- Stiftung in Wien an, dessen Präsident er gewesen ist. Zu seinen neueren Arbeiten gehören die Roniane und Novellen: „Zwischen Ruinen," „Am Pfluge," „Franzi und Heini." An seinem 60. Geburtstage war Kompert Gegenstand zahlreicher Ovationen. Ter Bürgermeister beglückwünschte ihn Namens des Gemeinderathcs und überreichte ihm die Urkunde, durch welche Kompert zum Bürger der Stadt Wien ernannt wurde. .Kompert wie» damals darauf hin, daß er sich besonders lebhaft des Tages erinnere, an welchem er im Jahre 1838 als armer Student bei der Taborlinie in die Reichshauptsradt hereingezogen sei, ohne im Entferntesten zu ahnen, daß er dereinst in dieser Stadl solcher Ehren und Auszeichnungen theilhaftig werden solle. Die „Eoncordia" entsendete ihren damaligen Präsidenten Johannes Nordmann, der den Dichter „als lieben alten Kameraden" begrüßte- Aus literarischen Kreisen nicht-blos Oesterreichs, sondern auch Deutschlands kamen Glückwünsche;