Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 91 (22.11.1886)
- Date
- 1886-11-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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lf)St> P c v f l c ir. Teheran. Iviiic ausschließlich uoii ^rciditcii bnvohnte Burg, i» der der Rabbiner das ('oni* tuoiibo fiiljvl, ist flciuiij etwas Le!lenes, dejanders in unseren Tasten, und verdient daher diese Burg mit ihrcnl ehrwürdigen und. frommen Kommandanten, das; wir sie heute zmn Gegenstände einer Korrespondenz machen. Bis zmn Jahre 1H83 herrschte zwischen Persien und dem benachbarten Turkomenenstaate Merw, der nunmehr zum russischen Reiche gehört, eine tödtlkche Feindschaft, die ihren Grund außer in der ganz Verschiedenen Rationalität dieser beiden Staaten, die Bewohner Mcrws sind Türken, während ihre Muttersprache das Osttürkische ist, auch in der Religion dieser beiden Völker hat. Die Turkomenen sind nämlich Sunniten, d. h. nebst dem Koran anerkennen sie auch die vom Propheten Mohamed mündlich überlieferte Lehre, die Sunnah, während die Perser Schiiten sind, welche die mündliche Neberlicferung gänckich venverseil und sich nur an das geschriebene Wort, den Koran, halten. Traf daher früher der Tnrkomcne.anf der Straße einen Perser, so spuckte er ihm in's Gesicht oder wenigstens vor ihm aus und hie und da stürzten auch Beide gegenscitig mit gezückten Mestern aufeinander los und kämpften solange, bis einer von ihnen tobt oder schwervcrwundet ans dem Platze blieb. Tie Tnrkomcncn machten auch sehr oft Ginfälle in die benachbarten persischen Grenzprovinzen, und schleppten dann Männer und Frauen, Greise und Kinder in die Gefangenschaft. aus der nur der Tod oder ein beträchtliches Lösegeld befreite. Die persische Regierung fühlte sich zu schwach, um ihre Untcrlhancn in den Grenzprovinzen vor den turkomcnischen Räubern schützen zu können. Da beschloß vor etwa dreihundert Jahren ein Beherrscher Persiens, die bei den Kindern Israels einst übliche Einrichtung auch in seinem Lande zu verwerthcn und ließ cr daher längs der ganzen persisch-turkomenischen Grenzen „Zufluchtsstätten erbauen und auf Staatskosten in Stand halten. Diese Zufluchtsstätten waren theils viereckige Burgen mir Wassergräben und Zugbrücken, theils nur einfache, starke, hohe Thärme. Sahen daher die ans dein Felde arbeitenden Bcrscr eine turkornenischc Räuberbande hcrannahen, so warfen sic schnell ihre Arbcitswerkzenge beiseite und eilten in die benachbarte Zufluchtsstätte, wo. sie geborgen waren. Mehl, Holz. Salz und Gemüse lagen in diesen . Zufluchtsstätten immer in beträchtlichem Maße anf- Zkspcichert, und so konnten die Flüchtlinge schon ausharren, bis ihnen Hilfe fam oder bis die tnrkomenifchen Räuberschaaren lvieder abgezogen waren. Mit der Einverleibung Merws in das russische Reich hörten die Ranbzüge der Turkomenen von selbst aut, und die erwähnten persischen Zufluchtsstätten verloren daher ihren Werth. Dieselben werden mm jetzt von den persischen Statthaltern an arme Bauern oder Hirten als Wohnstätten unentgeltlich überlassen, und eine dieser Burgen, die südlich von der Stadt Mesched liegt, wurde ausschließlich einer jüdischen Eolonke eingeräumt. In dieser Burg leben jetzt ungefähr fünfzehn jüdische Familien, die sich zumeist vom Hansirhandel, theils aber auch von Handwerken und vom Ackerbau ernähren. Jede Familie erhielt ein Wohnzimmer und eine Borrathskammer angewiesen, wogegen aus je drei oder vier Familien eine Küche kommt. Außerdem exiftirt noch in der Burg. ein Schnlzimmci* und eine kleine Synagoge mit einer alten Thorarotle. Als Hasan in diesem Gotteshause sungirt ein Lehrer ans Mesched, der zugleich auch der Rabbiner und Lehrer dieser kleinen Gemeinde ist. Immer nach Sonnenuntergang schließt der Rabbiner die Thore der Burg und behält dann über Rächt die Schlüssel bei sich. Niemand wird mehr in die Burg herein- oder hinausgelassc». Mit Sonnenaufgang werden die Thoreder-Burg wieder geisslnet. Die männlichen Bewohner derselben begeben sich in die Synagoge, um das Schacharithgcbet zu verrichten, während die Frauen in die benachbarten Dörfer gehen, um dort Lebensmittel einzukanfen oder in ihren Küchen beschäftigt sind.. Am Sabbat und den hohen Feiertagen bleibt das Burgthor auch während des Tages gcfchloneu. Die Bewohner der Burg zahlen jährlich einen Pachtschilling an die Regierung, der aber ganz unbedeutend ist. Am Fuße der Burg liegt ein großer Garten und daneben gleich eine umzäunre Wiese, ans der einmal in der Woche und zwar gewöhnlich am Mittwoch die Juden Markt abhalten, und kommen dann Perser und Turkomenen herbeigeströmt,. um ihre Rohprodukte hierzu verkaufen und dafür - .verschiedene Fabrikwaaren und Kleidungsstoffe einzukanfen. Ein Bombardement aus Krnpv'- fchcn Geschützen könnte indeß die Burg, die ans Ziegeln erbaut wurde, nicht lange anshalten, aber sonst ist der Aufenthalt in derselben nicht mrangenclnn. Besonders in den lauen Sommernächten ist cs eine wahre Freude auf den Terrayen der Burg — dieselbe besitzt kein Dach — zu weilen und bür die frische Abeudlnft zu genießen. Die kleine indische Gemeinde ist dann hier versammelt, plaudert und lacht, scherzt und singt. Hie und da pflegen