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Der Israelit · 1886-11-22 · Heft 91 (22.11.1886) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 91 (22.11.1886)
Date
1886-11-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVIl. Iahra-I„a. M 01. Q Ein AenLrat - Hrgan für das orthodoxe ZudenLhmn. ' Heransgegebeu von Nr. Lehmann in Mainz. Montag, den 22. Novo mb e t 5647 (1886). Leitende Artikel. Zizchak. Mainz, 18. November. Ganz anders als das Leben Abrahams gestaltete sich dasjenige seines Sohnes und Erben Jizchak. Keine große gewaltige Kämpfe, keine neue, die weliumgestaltenden Ereignisse, und dennoch war für die Entwickelung der Weltgeschichte Jizchak -ebenso bedeutend wie Abraham. Von Vater und Mutter auf das Sorgfältigste in Tugend und Gottesfurcht erzogen, erreicht Jizchak einen Grad von Heiligkeit, der sein Leben und Wirken auf eine hohe Stufe der Vollendung erhob. Schon in seiner Jugend fand er Gelegenheit, seine unbegrenzte Hingebung für Gott auf das Glänzendste zu bewähren. Nichts ist ergreifender als die Erzählung, wie der junge Jizchak die Nachricht aufnimmt, daß ihn Gott als Lamm zum Ganzopfer bestimmt habe, rnrr d,t:^ ch.' „Und sie gehen Beide ihres Weges weiter. Beide eines Sinnes, der Vater, das schwere Opfer zu bringen, der Sohn sich als solches bereitwillig hingebend. Da nun die Zeit gekommen, daß Jizchak herangcwachsen und ein Weib sich nehmen sollte, da nenne cs sich nicht für diesen schon früh zu einem Heiligen gewordenen Jüngling, daß er Umschau hatte und selbst die Genossin wähle: für ihn ziemr nur ein solches Weib, das Gott ihm in wnnderbarer Weise bestimme. „Der Ewige," so spricht Abraham zum Verwalter seines Hauses, „der mich genommen hat aus meines Vaters Haus und aus dem Lande meiner Geburt, und der mir verbeißen bar und der mir geschworen hat, sprechend: Deinen Nachkommen werde ich geben dieses Land, Er wird senden seiucu Engel vor dir her, auf daß du holest die Frau, die meines Sohnes würdig ist." — Gott erfüllt auch in wunderbarer Weise die Hoffnung Abrahams, und nachdem der Knecht Elieser die Riwkah gefunden, da spricht er: Gepriesen sei der Ewige, der Gott meines Herrn Abraham, der nicht entzogen hat seine Liebe und seine Treue meinem Herrn und mich geführt hat auf den rechten Weg." — Während nun Abraham und Elieser für ihn thätig sind, thut Jizchak nichts Anderes, als daß er sich an jenen heiligen Ort begibt, an welchem sich einst der wichtigste Moment seines Lebens vollzogen hatte, um dort zu Gott zu beten, daß die für ihn erkorene Gattin seiner Mutter Sarah gleichen möge. Und Gott erhörte sein Gebet, und er brachte sie mN)as Zelt seitter Mutrer und sic ward ihm zum Weibe, und er liebte sie. Jahrtausende lang ist die Eheschließung bei den Nachkommen Jizchaks eine ähnliche geblieben, und wahrlich, nicht zum Nachtbcile derselben. Oft wird es uns Juden von Nichtjuden zum Borwurfe gemacht, daß bei den Eheschließungen nicht die Neigung, die Leidenschaft das Erste und Bestimmende ist, sondern daß meistens die Eltern für den Sohn die Gattin und für die Tochter den Gatten wählen. Freilich entspricht diese Art der Eheschließung den romantischen Erzählungen nicht, deren Ennvickelungspunkt fast immer die geschlechtliche Leidenschaft bildet. Aber das Leben gestaltet sich in der Wirklichkeit anders als in den Nomanen, die der Phantasie des Dichters entspringen. Tie Ehen, welche durch die Leidenschaft hervorgerufen werden, sind nicht immer die glücklichsten. „Tie Leidenschaft sticht" und nur zu häufig die Liebe mit ihr. Der flüchtige Reiz des Augenblickes verschwindet bald, die Gatten entfremden sich einander, da nur ein zu bald Verschwindendes sie zusammengeführt har. Dagegen gestalten sich in der Regel die Ehen besonders glücklich, welche nach ruhiger und vernünftiger Erwägung der gegenseitigen Verhältnisse ge-

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