Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-11-04 · Heft 86 (4.11.1886) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 86 (4.11.1886)
Date
1886-11-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449680--25264-2515091
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MSI) wollte der dummstolze Mensch nicht lUTfelivcii. lange Hornel noch rüstiger gewesen, das Eaft, die Paraden, mit seiner ,yran Theater, >t,msireitergescllschasten, Schaubuden u. drgl. besuchen tonnte, war ihre Existenz trotz alledem eine erträgliche, aber seit einiger Zeit lvar der Major dnrch das Podagra an seinen Lehnstuhl gefesselt, und somit von aller Gesellschaft abgeschlossen. Das machte ihn und seine Frau mürrisch und Zänkisch, und die Beiden, die sich ja nie geliebt hatten, suchten sich nun so gut sie es eben vermochten, gegenseitg das Leben zu verbittern, sich namentlich mit Börwürfen zu überhäufen. Der Baron behauptete, das ganze Elend seines Lebens rühre nur davon her, das; er sich für schnöden Mammon an eine Krämerstochter verschachert habe; die Frau Baronin sang dasselbe Lied, aber sie rransportirte cs in eine andere Donart. Sic warf ihrem Vater im Grabe vor, die große Thorheit seines Lebens begangen zu haben, ne an einen ungeliebten, gichtbrnchigen Lüdrkan von Mann gekettet zn haben, der sie nur nur ihres Geldes willen gehcirathct, und ihr außer seinem „kahlen Baronritel" nicht das Geringste zn bieten vermöge. Sie bcdaure es lebhaft, daß sie nicht, dem Zuge ihres Herzens folgend, dem Willen ihres Vaters kräftigen Widerstand geleistet, und dessen Eomnlis Franz Lamcsch, der ein bildschöner Mann gewesen und sie anbetete, gehciralhct hatte. Dieser sei jetzt ein reicher, allgemein geachteter Kaufmann, und sie wäre eine glückliche Frau, wohl auch Mutter einer prächtigen Kiuderschaar, während sic jetzt trotz ihres ReichthnmS, wie eine Einsiedlerin lebe und die Kraukenwärterkn eines alten, kranken, brummigen, undankbaren Mannes sei. Tie Spannung zwischen den beiden Ehegatten hatte schon einen so hohen Grad erreicht, daß sie unfehlbar zu einem unheilbaren Bruche geführt hätte , wenn sie nicht Plötzlich in einer dritten Person einen Ableiier für ihren Zorn gefunden, und hierdurch eine Annäherung zwischen ihnen angebahnr und eine Versöhnung erzielt worden wäre. Diese von beiden Ehegatten gleichgchaßre Perunilidjfeit war Gras Zeno Klenkow, ein Schwester- 'ohn des Barons. Ter junge Mensch war als Kader eines Ehcvanrlegers-Regimcnrcnach Wien gekommen und war dorr zum Lieutenant avancirt. .icno Mlenfmo, ein nichtsnutziger, -übermütbiger Bursche haue in seinem Elrernhanse, seinen Cnfd, »ansgeanercn Zweig eines alten, edlen Sram- :ucs." wie ihn die andern FamiUcngliedcr dezcichucren^ gründlichst verachten gelernt. Er haue öis- ^‘r Cnfcl und Dame vollkommen ignorirt, dieselben l:ic besucht, er war dem Oheim, wenn er ilnn begegnete, aiisgemicheik, ja er halte seine Ilngezogen- Ijett und Dreistigkeit so weit getrieben, daß er einmal, als er dem Baron nicht ansziuveichen vermochte, diesen trovdem beide die Uniform trugen, nicht salnlirte, so daß der Major einen Moment beabsichtigt hatte, ihn wegen subordinalionSwidrigen Benehmens anzuhalten, und dies nur aus dem Grunde unterließ, um den Skandal hierdurch nicht noch zu vergrößern. — Nun hatte Graf Zeno, als er sich einmal in einer — mit schöner Regelmäßigkeit wiederkehrcndcn — großen Geldverlegenheit befand, die, wie er später selbst gestand, „grandiose Unverschämtheit," plötzlich, als wenn er stets in den intimsten Beziehungen zu seinem „lieben Onkel" und seiner „ehern taute“ gestanden, ein parfüWirtes Billetchcn, an jenen zu schreiben, und ohne jede überflüssige Einleitung und Redeornamentik, schlankweg um ein Darlehen von dreihundert Dukaten zu ersuchen. Hornek und seine Frau spieen Gift und Galle, die Baronin zerriß den Brief in höchster Wuth in hundert Stücke, der Major vermaß sich hoch und theucr dem „Lumpenkcrl," wie er seinen Schwestersohn liebevoll titulirte, wenn dieser es etwa wagen sollte, seine Litte auch persönlich vorzmragen, den „Kragen zu brechen, daß cs nur eine Passion sein sollte;" und die Majorin that etwas, was sic schon seit langen Jahren nicht gethan, nämlich: sie gab ihrem Gatten vollkommen Recht und munterte ihn aus, im gegebenen Falle bei seinem löblichen Borhaben zu beharren. Der Baron und seine Frau hatten aber nicht erwartet, das; Graf Zeno seine Unverschämtheit so weit treiben und persönlich zu erscheinen wagen würde, und als eines Tages der jinkge Klinkow ein süßliches Lächeln in seinem abgelebten Gesichte bei Hornek und Frau erschien, war diese so überrascht, daß sie es widerstandslos geschehen ließ, daß er seinen gewichsten Schnurrbart ans ihre Hand drückte, und jener, seine Bersichernng er fühle sich gedrängt, einmal nachzusehen, wie sich der ..eher <>nele“ und die „hochverehrte gnädige Frau Dame" befinden, nur mir einem nnartrknlirlen Knurren beantwortete. . Als aber Zeno nach einer, kurzen Panse die wahre Abückl seines Besuches dcmaskirend mir der sanftesten Stimme, die er nur anftnbringeu vermochte, den Onkel um ein Darlehen von vierhundert Dukaten ansprach (die Differenz zwischen der mündlichen und schriftckien Forderung erklärte er, uer Wahrheit vollkommen entsprechend, dnrch mittlerweile eingerrerenes erhöhtes Bedürfnis;), war der Major (wie Gras Zeno im Wcindause im Kreise seiner Freunde zn deren höchstem Gaudium diese rührende Familien-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.