Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-11-01 · Heft 85 (1.11.1886) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 85 (1.11.1886)
Date
1886-11-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449679--25251-2515077
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

M77 die Inden artsheyt, das fümicu wir weder billigen noch ucrfidjcu. Die israelitische 'Frage ist keine neue ftniflc. 2k ist seit langer ,'Jeit ansgeworscn und die verschiedenen Regierungen, die einander gefolgt sind, Naben es alle vermieden, sie \u lösen. Alle indessen Naben sich bemüht, die Geiuncher zu beruhigen, ausgenommen Herr I. Bratlano. Herr I. Bratiano hat die jüdische Frage allezeit als eine der Fragen betrachtet^ deren man sich bei gelegener Zeit zur Aufreizung der Volkslcidcnschaften bedienen kann. Nach 10 Ncgicrungsjahrcn konnte Herr I. Bratiano uns nicht die genaue Statistik der in Rumänien Lebenden Juden geben, ja cs geht so weit, daß das Organ des Ministers des Äcnßern heute die Zahl der Juden mit 400,ooo angibt, während mau nach dem Auszug der jährl. Geburten kaum annchmen darf, daß 200,000 bis 250,000 Israeliten in Rumänien sind. Die Regierung wird besser daran Lhun, eine Lösung zu finden für eine Frage, die gefährlich wird, weil man sie acut erhält. Sagen wir es frei heraus, die Regierung.will die israelitische Frage nicht lösen, weil sie ihr in schwierigen Momenten, wenn sic sich bedroht fühlt, behülflich und dienstlich erweist. Sie ist der Zweig, an dem sie sich hält, wenn sie sich sinken fühlt." Die Indßpendance giebt hierauf an, welche Maßregeln die Regierung ihrer Meinung nach, bezüglich der Juden ergreifen sollte und führt also fort: „Man darf sich nicht verhehlen, daß die Juden nur deßhalb in so großer Anzahl in Rumänien leben, weil sie einem wirklichen Ledürfniß entsprechen. Sie füllen eine Lücke aus. Bor einiger Zeit führten wir dieses Beispiel an. Schon seit Jahren hören wir wiederholen, daß man Sonnabends kein frisches Brod in Jassy haben kann, weil die Bäcker Juden sind und den Laden schließen. Es ist also weder der Behörde in Jassy noch der Regierung bis jetzt die Idee gekommen, eine rumänische Bäckerei einzurichtcn, um diesen Klagen ein Ende zu machen." In der Nummer vom 6/18. September bringt die Independanee roumaine einen Artikel, den Herr I. Mjorescu, der frühere Minister des öffentlichen Unterrichts, in der Komania libera veröffentlicht bat, woraus wir Hier einige Auszüge folgen lassen: „Tie Vointe nationale nimmt tut Leitartikel ihrer Nummer vom 2. September eine seltsame Haltung an, indem sic den sogenannten amiscuülischcn Eongreß, der in diesen letzten Tagen von den Herren Moroiu-Polichroniade-Gherghel gebildet worden, so großes Lob spendet. Wir glanben, daß es im politischen Leben des gegenwärtigen Europa noch nie dagewesen sein dürfte, daß ein vssiciöses oder wenigstens gonverncmenlaies Blatt, wie die Vuuiti* nationale bei uns, ihre Spalten niit dem Lobe der antisemitischen Bewegungen füllt und diesem Thema selbst einen Leitartikel widmet. Die Judenfrage ist bei uns eine natioual-ökonotnische Frage von der größten Wichtigkeit, aber cs ist ein erheblicher Unterschied zwischen gesetzmäßiger Politik der nationalen Bertheidigung mtb der ebenso lärmenden wie lästigen Aufwiegelei gewisser Herren, wie Moroin, Polichroniade und Ghcrghel. In einem offiziöse» Blatte, wie die Vointe nationale, sind Sätze wie folgende zu lesen: „Der Erfolg des Eongreffes ist nicht zu leugnen; ein Baud ist geknüpft zwischen rumänischen, französischen und ungarischen Antisemiten. — Und dieser Eongreß, ebenso wie die jüngst in Deutschland, Frankreich und Ungarn stattgehabte antisemitische Bewegung wird unserer Sache dienen, „das ist für jeden Politiker eine wirkliche tteberraschung. Keine vernünftige Regierung hat die Erregung der Bolksleidenschaftcn in einer ähnlichen Sache unterstützt, keine wird solche thun und wir möchten wohl wissen, ob der Herr Minister des Innern von Rumänien die Ansichten der Volute nationale thcilt." Nach dem Schluß des Buckarester Eongreffes hat sich ein Theil der Leiter nach Eraiova begeben, um dort ebenfalls eine antisemitische Versammlung ins Leven zu rufen. Die Redner haben die Gemüther in solchem Grade überreizt, daß am Ende der Versammlung die Menge in's Jndenviertcl gestürzt ist und dort die Fenster aller jüdischen Häuser zertrümmert hat. Es sind einige Verhaftungen vorgcnommeu worden, und bald war wieder Ruhe hergestellt. Der Jnslizminister hat dem Gencralanwalt von Eroiova, Herrn Eolnmbcanu beauftragt, Nachforschungen über diese Unruhen einzuleiten. Was man bis jetzt darüber weiß, ist, daß die Leiter des Eongreffes sich an den Ausschreitungen bctheiligt und die Menge in ihren Excessen bestärkt haben. Wochenkakender. Freitag» 5. Novcmer, 7. (shcschwan. Samstag, v. November, 8. 6heschwan V Sabbar-Ansgang 5 Uhr 15 Min. (Mainzer Uhr).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.