Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 84 (28.10.1886)
- Date
- 1886-10-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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besonders aber die Don an Häfen besiedeln, welche (mifuT Walnü) sänuntlich ln der W> a l a ch e t liefen. Bon da an mögen sie sich nach der Hauptstadt unwohl auch nach den weiterliegeude» walachischcu Städte» vertheilen. Da hör denn die „V erwehx u m d e r E h r i st en in den :t:i lval a ch l s ch e n Städten. Die Moldau aber ist seit der Uebersührung der Residenz von Iasst; nach Bukarest (definitiv 186«) erschreckend Provinzlalisitt und gänzlich verödet, von der lliegiernng in Allem vernachlässigt worden. Sie bietet dem Fremden und von Fern kommenden Einwanderer gar keinen Reiz und die Nationen, welche die Moldau begrenzen (Russen und österreichische Polen) haben keine Veranlassung ihre respcctivcn Vaterländer zu verlassen; wohl aber geschieht cs öfter, das; die israelitischen Angrenzer in Folge uralter Familienbande oder neuerer Heiratheu in die Moldau kommen. Aus diesen Gründen und mit Berücksichtigung der Lebens' eigenthümlichkeiten der Rumänen, die hier noch zur Sprache kommen sollen, ergibt sich schon bei gcgewöhnlichem Gange der Geburten und Sterbefälle eine Dekrcszcnz der Christen und eine in zweifacher Beziehung stärkere Akkreszenz der israelitischen Bevölkerung. Man beachte ferner die Zahlcngruppirnng des chrenwerthen Herrn Senators. Gr führt-in'» Jener ganze 33 Städte der Walachei und nur 21 von der Moldau. Sodann beläßt er die 33 intakt, und. stellt sic erst nur 13, dann aber nur 8 Städten der Moldau gegenüber, welche selbst über seine phantastischen Begriffe hinaus von Israeliten am stärksten bclvohnt sind. Eine solche- Gruppirung must ihm allerdings Recht geben, allein in Wirklichkeit geht ans feinen Zahlen zunächst hervor, daß das rumänische Volk — wir wollen vorläufig noch dahingestellt sein lassen, aus welchen Gründen — völlig unfruchtbar ist. Sodann braucht man nicht erst darauf hinzuweisen, da» in 33 Städten ein nummerisch gröberer Ueberschnß sein miiii, als in 21 bezw. 13, bezw. 8. Dritten» zählt die Walachei christliche und Gesammtbcvölkcrung mehr (etwa gegen etwa 1,800,000 in der Moldau), darum also ein Mehr in den Geburten nur natürlich; dagegen zählt sie an \n d isch er Bevölkerung ganz nnverhättnißmäßig wenig, darum muß die Zahl der jüdischen Geburten in der M o l d a u desto höher scheinen. Jndeß die Aufstellung einer wirklichen Statistik war weniger in der Absicht -des Herrn Gherghel, vielmehr bezweckte er da», was ich im Eingang erwähnt habe. Jui Verlauf der Rede, während welcher er öfter die Frage anfwirst, ob denn die Inden durch die Verfolgungen sich vermehren und selber antwortet, „das; die Inden aller Länder mit Hilfe ihrer Alliance Israelike und ihren Millionen die Presse und einstnßreiche Männer „abkauften-,, um den Handel der Christen an sich zu ziehen- (.!), kommt er auf den wahren Sterblichkeitsherd zu sprechen. „Im Allgemeinen", sagt er, „besteht die Sterblichkeit unter den Kindern" — denen doch die Inden weder mit ihren Millionen noch mit ihrem Handel Schaden zufügen, können. Gr erklärt freilich ihre Sterblichkeit, an» „dem Elend, in welchem sich ihre Eltern befänden", die angeblich „Reste einer moldauischen „Bürgerschaft- Waren", wahrend es eine moldauische Bürgerschaft gar nicht gegeben hat und der „Mittelstand" in der Moldau zu allen Zeiten von den Inden gebildet war. Zertrnrgsuachrichten und Correspondenze». Deutschland. Mainz, 24. Oktober. Unter der Aufschrift: „Eine Rekrutirung svsn russischen Jndenknabcn" erzählt die Wiener „Altg. Ztg." folgende Begebenheit. Es war zu Kremcnitz in Volhynien und im Winteranfang des Jahres 1852. Ein düsterer, 'nebelfeuchterMorgen lag über der kleinen russischen Kreisstadt, welche ungeachtet des ftisch gefallenen auf der Straße und auf den niederen Dächern lagernden Schnees den melancholischen Charakter und die ganze trostlose Einförmigkeit einer nordischen Landschaft bewahrte. Trotz der vorgerückten Stunde und obwohl weder im russischen noch im jüdischen Kalender irgend welcher Feiertag verzeichnet war, blieben die Hausthore versperrt, die Magazine und Kaufgewölöe imeröffnct und sämnitliche in _bie Straßenfront mündende Fenster hermetisch verschlonen, ja die Hauptstraße selbst, die wichtigste Verkehrsader de» sonst ziemlich belebten Städtchens, erschien verödet und wie ansgcstorben, denn mit Ausnahme einiger Soldaten, die, in ihren grauen, langen Tnchröckcn gehüllt, stumm und gemcffcnen Schrittes den Ordonanzdicnst der sehr zahlreichen Garnison besorgten und eines hie und da vereinzelt anftauchenden subalternen Tschinowsniks. der übernächtig und verdrouen und den Pelzmantel über die Ohren gezogen, seinem Amte znwanderte, waren weithin keine der sonst zur SrraßenftaMge russischer Städte gehörigen Volksfignren zu sehen. Ein Mas harre besohlen, die Judenkinder gewaltsam der häuslichen