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Der Israelit · 1886-10-28 · Heft 84 (28.10.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 84 (28.10.1886)
Date
1886-10-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX VN. Jahrgang. Leitender Artikel. Offiziöse uni» offtjfdFc Wafirfieil in Rumänien. 2*ou J&r. E. N. Corman. Ter „Israelit" hat scinerzcit über die Interpellation des rumänischen Senators GH erg Hel kurz berichtet. Die Interpellation als solche hat seitdem natürlich an Interesse verloren, durch die in deren „Begründung" von dem ehrenfeste» pater eonscriptus Mergel zusammengetragenen Unwahrheiten. Diese zwar sind einer Widerlegung im I«lande nicht werth, für's Ausland aber, welches von den rumänischen Zuständen nur verworrene Begriffe hat, ist eine Beleuchtung und Abwehr darum vonnöthen, weil das Ausland sich gewöhnlich mit den offiziösen Auslaffungen — der Kammer und des Senates, sowie der Regierungszeitungen — und mit den offiziellen Orakelsprüchen — der Minister und der Verwaltung — abspeisen läßt. Diese Organe aber stehen in Rumänien, ganz besonders, wenn es sich um Israeliten handelt, auf einer solch hohen Stufe der — Verlogenheit und Böswilligkeit, daß selbst die HoLLentoLLen sie darum beneiden lönnien. Ich habe den Heroismus gehabt das 19 Doppeldruckspalteu lange und langweilige Gerede des Herrn Gh. bis zu Ende zu lesen und — nochmals und wieder ein Mal zu lesen. Je mehr man die Rede liest, sieht man immer mehr den Misch-Masch von Schlauheit, niedriger Böswilligkeit, Bornirtheit und Verlogenheit, den sie enthält. Immer klarer aber stellt sic sich als ein mit der hohen rumänischen Regierung verabredetes Doppelmanöver heraus, einerseits als Eoutrccoup gegen die letzte berühmt gewordene Interpellation des Baron Worms im englischen llnterhause, andererseits um der unheilbringenden Regierung Bratianu's ans die Beine zu helfen. Der Schluff der Rede namentlich artet ganz unverblümt in eine Apologie auf die Bratianischcn Regierungen ans, in welche Lobrede der Premierminister selber mit einem kräftigen Halleluja mit cinstimmt. Ich will nur einige Einzelheiten der Rede hier besprechen. Gherghel' begann die „Begründung" seiner Interpellation mit dem Hinweis ans die vor- I hergegangene Anfrage seines Gesimmngsgenonen, | des ehe,»als siebenbürgischen Rumänen Aurelian, der über die Bewegung der Bevölkerung von Bnkarcst Auskunft verlangt hatte. „Aurelian," sagte er, „war besorgt, daß ln Bukarest die rumänische (lies: christliche) Bevölkerung sich 1885, nur im Verhältnis; mit 20 pEt. vermehrt hatte, während die „Juden" im selben Jahre mit 46 pEt. (durch Zuzug ans der Provinz!) zugenomnien haben. In Bukarest aber stehe die Avantgarde, das Gros der ..Zerstörnngs"-Armee sei in der Moldau, wo Rumänen sich nicht nur nicht verinehrten, sondern mit 60 pEt. abnähmen, während die „Juden" angeblich mit 100 pEr. Zunahmen." Darauf las er aus einer „Statistik," die, wie er sagt, er selbst (ob willkührlich'ch zusammengesteltt hat, etliche Zahlen vor, wonach, „in 33 Städten der Walachei, (wo ziemlich wenig Israeliten wohnen!) ein Ueberschuß von 3000 (!) christlichen Geburten sich ergibt. „Indische Zahlen führt er dabei nicht an. Dagegen sollen „von 21 Städten" der Moldau nur in 8 die „Rumänen" sich mit 300 vermehrt haben, während in 13, „welche von den „Juden" am stärksten invadirt seien, die „Rumänen" erschreckend zurnckgingen." Von den 13 nimmt er (wohl mit Absicht!) nur 8 heraus, die am superlativ-stärksten von Israeliten bewohnt sind, nämlich Dorohoj, Mihaileny, R:amz, Jassy, Roman, Bakan, Foltischcmi und Tirgnl-Frumos und behauptet, daß in denselben 1968 Christen geboren wurden und 2326 starben, während bei den Israeliten 3083 geboren wurden und 1612 starben. Betrachtet man die angeführten. Zahlen näher, so springt cs förmlich in die Augen, das; schon allein bei der geringfügigen Vermehrung der Christen in der Walachai daselbst ein natülicher „Zuwachs" nicht stattgefnndeu haben kann. Es ist nur eine „Vermehrung" und nur eine künstliche, abgesehen davon, das; GH. auch dieses bei den Haaren herbcischleppt. Rach Rumänien findet nämlich ein Zuzug von Griechen, Bulgaren, Serben, Ungarn*) mazedonischen und vorzng.ich un g a r. (siebenbürgischen) Rumänen statt. Da alle diese Rationalitäten von den Gegenden der unteren bezw. von jenseits der Donau kommen, so ist es sehr natürlich, daß sie die ihnen zunächst gelegenen Ortschaften, *) Das niedere männliche und weibliche Dienstpersonal in rvularest brftrhr fast einzig ans Ungarn.

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