Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-10-28 · Heft 84 (28.10.1886) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 84 (28.10.1886)
Date
1886-10-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449678--25218-2515043
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

rtiibmi begann. Jene war nnn füuszebn Jahre und bc! frühzeitiger Entwicklung kein Mhib inehr, sie war ein entzückend schönes Weib. tzbährcnd Brack oft Michaels Blicken begegnete, lvie diese mit verzehrender Glnth an Sara hingen, war das Mädchen plötzlich znrüähaltcndcr, schüchterner gegen Michael geworden. Ohne das; es er ihr ein Mensch gesagt hätte, fühlte Sara doch durch Intuition — wie man die Gottesstimme im Menschen. die innere göttliche, menschenveredelnde Dssenbarnng nennt — das; sich die Art, in welcher sie bisher mit ihrem Bruder verkehrte, nicht mehr für sie schicke. Brack hatte als kluger, welterfahrener Mann diese voraussichtliche Wandelung erwartet, aber sie war früher eingetreten, als er vermnthet hatte, nur die besonder« Glücksfälle, die er von Gottes Huld erwartet hatte, waren noch immer nicht eiugetroffcn. Nach einer in schweren Gedanken schlaflos durchwachten Nacht war er zu dem Entschlüsse gekommen, die Beiden von einander zu trennen, aber sein Versuch mißlang. Samstag nach Tische war Sara zu einem armen kranken Mädchen, der sie einige Erfrischungen brachte, zu Besuch gegangen und Brack und Michael waren allein, zu Hause geblieben und hatten, wie sie dies an Sommer Samftags-Nachmittag immer thaten, Pirkc-Owos') gelesen. Brack war gegen seine Gewohnheit unaufmerksam und hatte früher als gewöhnlich abgebrochen. »Du scheinst verftkmntt zu sein," meinte Michael, „ich bemerke schon seit längerer Zeit, daß Du nicht mehr so heiter bist wie früher, ein änßerer Anlaß hierzu ist mir nicht bekannt. Daß Dich das Unglück traf, einen Fuß zu verlieren, hast Du wohl um so leichter verschmerzt, als Du, Gott sei Dank, trotzdem ein rüstiger, kräftiger Mann bist. Du kannst sogar mit Deinem Stelzfuß und Deiner Krücke ziemlich weite Strecke znrücklegen. Bedrückt Dich etwas, was wir, Sara und ich nicht wissen können, so sprich Dich aus. ' Der Schmerz vermindert sich, wenn man den Grund desselben theilnehmenden Menschen mittheilt; — oder fühlst Du Dich körperlich unwohl?" fuhr Michael aufgeregt , fort, Jo verschweige cs uns nicht, lieber Vater, ein kleines Hebel, das leicht im Keime erstickt wird, kann unbeachtet rasche Fortschritte machen; ich will den Doktor rufen!" „Ich befinde mich körperlich so wohl, als sich ein Mensch in meiner Lage befinden kann", erwiederte Brack mit einem wehmüthigen Lächeln; — „aber ich habe mit Dir zu sprechen und — ich liebe lange Einleitungen nicht ich glaube es ist am Besten, Du verläßt mein Hans'." Michael fuhr überrascht, erschreckt von seinem Stuhle empor. „Warum, weschalb?" lief er, „Woher dieser plötzliche, mir unerklärliche «Gedanke V Weschalb willst Du mich von Dir von der Schwelle Deines Hauses stoßen, das mir zur Helnrath, znnl Vaterhcmse geworden. Hub wohin sollte ich, Verlassener, meine Schritte wenden? Ich habe auf der weiten Welt feine Stelle, ans der ich mein Haupt niederlegcn könnte, ich habe auf der großen weiten Welt keinen Menschen, dem ich angehöre, der zu mir gehört, ich habe nur Dich und Sara — und nun sollte ich Euch verlassen, fortgehen von Euch, unter wildfremde Leute! — und ich könnte cs nicht, mein Herz hängt an Euch, au Dir und Sara... plötzlich wurde er blutroth und fuhr heftig fort: „Warunr sollte ich Dir etwas verheimlichen, was Du ja ohnehin weißt, was Du ja gebilligt hast; — ich liebe Sara mit starker, heißer Liebe und das Kind liebt ja auch mich! .... O! hättest Du mich lieber nicht aufgeuommcu, hättest Du mich lieber erfriere», verhungern, im Elend verkounnen la;;en!.Du bist hart, sehr hart gegen mich und gegen Dein Kind!" „Mein lieber, armer Michael, wüßt' ich nicht, daß Du nicht glaubst, was Du gesprochen, sagte ich: Du thust mir Unrecht; so aber glaub' ich, daß Du selbst einschen mußt, daß Du mir Unrecht thust. Ich sollte hart gegen Dich und Sara, mein einzig Kind, die Tochter meiner unvergeßlichen Gattin sein? .... Ich will, Gott weiß es. nichts Anderes, als Dein und meines Kindes Glück, und da ich leider zu schwach und machtlos bin, cs Euch zu erringen, will ich wenigstens — Schlimmerem Vorbeugen. Ich kann Dir nicht widersprechen, ich habe Deine Neigung gebilligt, schon als Du ein kleiner Knabe, Sara ein Wiegenkind war, ja.... ich hatte schon damals gewünscht, daß Ihr einst Mann und Weib würdet, ich wünschte dies aus voller Seele schon aus dem Grunde, weil es der sehnlichste Wunsch meiner Gattin war, den sie in ihrer letzten Stunde ausgesprochen; — aber damals lag diese in weiter Ferne, ich hoffte, der gütige Gott würde es in irgend einer Weise ermöglichen; und als Tu vor sieben Jahren nach Nickolsburg studiren gingst, da . . . . hatte ich Dir die Hand meines Kindes .zugesagt, da hatte ich Thor, ein gereifter Mann, mit Dir dem fünfzehnjährigen Knaben die Sache förmlich abgemacht — aber damals war ich ein kerngesunder Mann und Du solltest Medicinae Doktor werden; — da 1) Spruche der Väter.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.