Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 84 (28.10.1886)
- Date
- 1886-10-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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ätmiifyirn um so rnfrfuTrtiifflwbvt winde, nl* fein ■SWonrciilnfla* und sein re ln t io großer Ansstand, die Hauptlheile desselben bildeten, Ersteres wäre entwendet, letzterer znm strotzen Tdeile uneinbringlich geworden. Sara schien mit ihrer kühnen Behauptung, Michael verstehe Alles, tauge zu Allem, recht gehabt zu haben. ■ (S-r bewies für denKanf.nannsstand nicht weniger Eignung als für den gelehrten, tfa* arbeitete sich mit großer Raschheit in das Ge- 'fchäftsleben ein. Er erwarb schnell die nöthkgen Waarcnkenntnisse, er wußte mit den Käufern verständig zu sprechen und gut nmzugcheu, und hatte an Brack einen vortrefflichen Lehrmeister. Dieser ertrug seine Körpcrverstümmelung, den Verlust eines so wichtigen Körpertheilcs, mit jener würdigen Nahe, welche das Ergebnis; echter Frömmigkeit, innigen Gottvertrauens ist. — Aron Brack hatte nun die Gemekndevorstcherstelle in die Hände seiner Wähler znrncklcgen wollen, und seinen Entschluß mit seinem Körpergcbrechen hinreichend motivirt. Aber seine Resignation wurde nicht angenommen. Eine aus den‘ angesehensten und ältesten Gemeindemitgliedern bestehende Deputation hatte Brack dringend ersucht, sein Amt noch weiter zn behalten. Der Wahrheit vollkommen entsprechend, versicherten sie: daß es in der Gemeinde keinen Einzigen gäbe, der ihn zu ersehen vermöchte. Ter frühere Noschhakohl Reb Jopef Singer war schon einige Jahre todt, alle Anderen wären der schwierigen Ausgabe nicht gewachsen. Als Brack wiederholt auf fein körperliches Gebrechen hinwics, welches ihm die in seinem Amte nothwendigen Reisen nach der Kreis- und Hauptstadt erschwere, erwiderte ein Mitglied der Deputation: daß er jetzt an seinem Pflegcsohn Michael einen tüchtigen Gehilfen habe, der ihn nicht nur in seinem Handlungsgeschäste, sondern auch in seinem Ehrenamte, und in diesem um so mehr vertreten könne, als er einen ungewöhnlichen Bildungsgrad besitze, alle schriftlichen Eingaben an die Behörden vortrefflich ausarbeitcn und im persönlichen Verkehre mit den Beamten, ans diese günstig einwirken könne. Brack war nicht der Mann, der sich einer — wenn auch unangenehmen Pflicht entziehen wollte und er entschloß sich die Bürde seines Ehrenamtes noch weiter fortzutragen. Kurze Zeit nach Michaels Rückkehr in das Hans seines Pflegevaters schienen die Verhällnipe in demselben ziemlich erfreuliche geworden zu sein. Die an'S Wunderbare grenzende Ergebenheit, mit welcher Brack den Verlust feines Fußes ertrug, mußte auch auf Sara und Michael beruhigend einwirken. Bracks Geschäft war allerdings durch feine llnfälke zurückgegangen, allein unter Michaels kräftiger Mitwirkung hob es sich bald ivicder und gewann an ttmfanst und Erträgmß; — auch daß dieser seine in Nikolsburg gesammelten Ersparnisse, sechshundert Gulden — eine für jene Zelt nicht unbeträchtliche Summe — trotz seines Pflegevaters Einsprache in dessen Geschäfte investirtc, trug etwas zur Hebung desselben bei. — Auch das hünsliche Leben in Bracks engen Familienkreise hatte an Reiz gewonnen. Michael benutzte, namentlich im Winter, die späte» Abcudstnndcn dazu, Sara zu unterrichten, ihr viel Schönes und Wiffenswerthes beiznbringen, und es war eine angenehme Beschäftigung, eine so aufmerksame und gelehrige Schülerin zn unterrichten. Die Witttcr-Fre'tag-Abcnde und die Sommer-Samstags- Nachmittage verbrachten sie in belehrender und unterhaltender Weise. Sara las die Bücher aus Michaels kleiner Bibliothek, welche dieser als Abschiedsgcschenk seiner ehemaligen Schüler aus Nikolsbnrg mitgcbracht hatte. Brack und Michael lasen gcmciuschastlich die Bibel mit deren hervorragendesten Eommentatoren, die Sprüche der Väter oder versenkten sich in andere religiös-wissenschaftliche Studien. Aeußerlich hatte sich also das Leben in Bracks Hause recht freundlich gestaltet; aber Brack fühlte sich, wenn er in die Zukunft blickte — und das mußte der vorsorgliche Mann und Vater thuu — schwer bedrückt, tief bekümmert. Sara entwickelte sich täglich herrlicher, in wenigen Jahren mußte sie. wenn sie Gott am Leben ließ und vor Krankheit schützte, zu einer Jungfrau von unvergleichlicher Schönheit emporblühen. Michael war schon jetzt ein ungewöhnlich wohlgestalteter Mann, und ohne Zweifel mußte sich dann die innige Neigung der beiden jungen Leute in jene heiße, glnthvolle Liebe umwaicheln, die nur dann beglückt, wenn sie zu einer Bereinigung führt. In welcher Weife aber konnte unter den bestehenden Verhältnissen dieses Ziel erreicht werden? Konnte diese beseligende Neigung anders als mit bitterer Emtäuschung, mit tiefem Schmerze der beiden Menschen enden, die ihm die Theucrsten auf Erden waren? Gegen diesen marternden Gedanken befaß er nur kn feinem endlos großen Gottvertranen cm wirksames Mittel; den Glauben, daß der allmächtige Gott, wenn er nur helfen wolle, auch helfen könne. Es waren drei, vierrlmlb Jahre in dieser Weife vergangen, ohne daß irgend ein Ereigniß von wesentlicher Bedeutung in den stillen Kreis der Bratschen Familie getreten war; als Aron bemerkte, daß sich Saras und Michaels Benehmen gegen einander zn