Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 83 (25.10.1886)
- Date
- 1886-10-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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seinem Bitten «nf siiranziellerü Gebiete irr die Armen springt, das ist das redliche streben, das große Vertrauen des Eapitalistenpnblikullls zu den Ivmip ftoucit des Hauses Rothschild dadurch zu rechtfertiaeu und neu zu kräftigen, daß er es nur ztl solchen ttnteruehmnugeu heran.',og. welche sich ihm als innerlich gesund und aus solider Grundlage ruhend darslclltett. Das; auch bei eiuent solchen redlichen Streben der Jrrlhnm nicht immer ausgeschlossen ist, das; bei dem größten Scharfblick und erschöpfender Sachkenntnis; eine Selbsttäuschung unterlaufen mag, dies wird bei menschlichen ttuternelunungeu niemals ausgeschlossen fein können. Bei den vielen Operationen großen Stils, an welchen Maier (5nrl von Rothschild und sein Haus mit thätig waren, unterlief nur in äußerst wenigen, ganz vereinzelt dastehenden Fällen ein derartiger Jrrthum. llnbedenklich darf darum gesagt werden, das; das blinde Vertrauen unserer Eapitalistenwelt zu den Emissionen des Frankfultcr Welthanses sich nach wie vor durch die gemachten Erfahrungen vollauf rechtfertigt. Der Verstorbene, welchen ein sich immer schlimmer entwickelndes Gehorlciden dazu verurtheilte, sich persönlich immer mehr von der Außenwelt, und darum auch aus der täglichen Berührung mit den Geschäftskreisen zurückzuziehcn, hatte nichtsdestoweniger für die Tagesereignisse und nicht zum wenigsten für alle Vorgänge auf wirthschaftlichem Gebiete ein aufmerksames und klares Auge. Sein scharfes Urtheil und die Originalität seiner Auffassung, mit welcher er in das Innerste der Tinge drang und sie kritisch zu sondern und zu zerlegen verstand, ist uns aus eigener Erfahrung bekannt. Earl von Rothschild warein unermüdlicher Arbeiter; namentlich bei Gelegenheit von Emissionen seines Hauses unterzog er sich einer ganz erstaunlich rührigen Thätigkeit. Wenn wir den Blick in die Vergangenheit zurückwenden, so haben wir vor Allem auf die großen Dienste hinzuweisen, welche das Frankfurter Welthaus unter steter Mitwirkung Maier (Sari von Rothschilds den süddeutschen Staaten erwiesen hat. Namentlich unsere größten Bundesstaaten Bayern und Württemberg verdanken seiner Mitwirkung die gewaltige Forderung und Hebung ihres Staatscredits. Das Haus Rothschild bewährte sich gerade hier in den kritischsten Zeiten,, wo das Vertrauen sank und die festesten Grundlagen zu wanken begannen. Wir erinnern nur an das Jahr isou, wo namentlich die bayerischen Staatsfinanzeu in dem Hause Rothschild eine vollkommene Stütze fanden. Der Verstorbene betrachtete es denn auch als eine Hauptaufgabe feines vielseitigen Wirkens auf finanziellem Gebiete, bei unserem Eapitaiistenpubti' knm die Anlage in den soliden süddeutschen Staatsfonds mundgerecht und immer beliebter zu uiachen. Die Investitionen haben niemals eine Enttäuschung, dagegen aber gute Verzinsung und bedeutende Eapiralgewinne gebracht und sich so als segensreicher Faktor in unserem wirthschaftilchen Leben erwiesen, für dessen wirksame Pflege dem Verstorbenen hoher Dank gebührt. Nicht minderen, wenn nicht größeren Dank schuldet die österreichisch-ungarische Monarchie dem Rothschild'schen Hanfe und damit dem Freiherrn Maier (5arl, welcher seit Langem die wirthschaftlichc Kräftigung Transleithauiens als Lieblings¬ und Hauptobjecr seiner Thätigkeit betrachtete. Die große ungarische Eonversionsoperation wäre ohne die starke Leihilfe des Welthauses kaum erfolgreich zu Ende zu führen gewesen. Wenn man sich der vielen Schwierigkeiten erinnert, auf welche jene Transaction stieg und die ihre Finalisirung so sehr verzögerten, wird man erst zu ermegen in der Lage sein, welche großen Dienste die gewaltige Potenz des Welthauses dabei geleister hat. llngarn steht noch heute nicht vor einer völlig ungetrübten wirthschaftlichen Zukunft und auch seinem finanziellen Schicksal ist Freiherr Maier Earl zu früh gestorben! Viele, hohe Auszeichnungen legten Zeugniß von der Bedeutung des Verstorbenen ab. Seine Vaterstadt wählte ihn nach den 1866er Ereignissen int Jahre 1867 in den ersten Norddeutschen Reichstag beinahe mir Stimmeneinhclligkeir. Der König berief ihn als lebenslängliches Mitglied in das Herrenhaus und ernannte ihn zum Geheimen Fiuanzrath. Bayern ernannte ihn zu feinem Generalconful, die Pfälzischen Bahnen beriefen ihn vor langen Jahren schon in ihre Verwaltung, in welcher er eifrig und erfolgreich wirkte. Auch dem Eentralausschuß der Deutschen Reichsbank gehörte er an, wie einigen hervorragendenVersicherungs-Gefellschaften und finan- . zicllen Eorporationen. Mit gleicher Hingabe widmete er sich all den Angelegenheiten, für welche er einmal Jnrereye gefaßt hatte, und seine überlegenen Geistesgaben verliehen ihm — abgesehen von feiner eaviralistischen Machtstellung — überall ein dominirendes Ansehen. Durch das Ableben des Freiherrn Maier Earl wird fein jüngerer Bruder, Herr Freiherr Wilhelm Earl von Rothschild zrp rr':n rtr rr, nunmehr der alleinige Inhaber des Frankfurter Hanfes und übernimmt somit die volle Geschäftslasr, die er schon seither in unermüdlicher Thätigkeit nahezu allein zu bewältigen harre.