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Der Israelit · 1886-10-25 · Heft 83 (25.10.1886) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 83 (25.10.1886)
Date
1886-10-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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, ö t A MWLLl'l» 3eltm0md)vid)ten mb <imt1pmtbw$m Deutschland. Mirt?,, la. Ott. Heute wurde die irdische Hülle eines der angesehensten und cinstnßrcichsten Bürgers unserer Stadt zur Erde bestattet. Am bl. Bersohurllrgstage wurde der köuigl. Advokat Dr. Philipp Feist vom Schauplätze seiner irdischen, segensreichen Thätigkeit abberufen. Wem war dieser seelengute Mann in der ganzen Gemeinde unbekannt? Galt es eine Noch zu lindern, so war er bereit; brauchte Jemand Rath und Hilfe, an wen wandten sich Reich oder Arm? nur an Dr. Feist. Er widmete der russischen Emigration seine volle Thätigkeit, seinem Prestige ist es zu danken, daß in hiesiger Gemeinde so Vieles zur Unterstützung der vertriebenen Glaubensbrüder aus Rußland geschehen ist. Trotzdem er eine der bedeutendsten Advocaturen in hiesigem Kreise inne hatte, kümmerte er sich eifrig um die Cultnsangelegenheiten der Gemeinde. Geradheit und Rechtlichkeit machte ihn beliebt bei Obrigkeit und Behörden. Ihm sind ein Theil der Fortschritte der hiesigen isracl. Waisenanstatt zu verdanken, deren eifrigster Förderer er gewesen ist. — Jeder Zoll an ihm war Jude und Menschenfreund; davon gab auch das unübersehbare Leichenbegängniß deutlichen Ausdruck. Frankfurt a. M., den 17. Octover. Der älteste Chef des ersten Bankhauses unserer Stadt, der in der ganzen Welt hochangesehencn Firma M. A. v. Rothschild und Sühne, ist gestern unerwartet aus dem Leben geschieden. Seit längerer Zeit leidend, war der Verblichene erst vor wenigen Tagen aus einem Bade zurückgekehrt, wo er die Wiederherstellung seiner Gesundheit leider vergeblich gesucht hatte. Der Verewigte ist der Sohn des am 10. März 1855 verstorbenen Chefs des Hauses in Neapel, Freiherrn Carl v. Rotschild, am 5. August 1820 geboren, hat also ein Alter von 66 Jahren erreicht. Im norddeutschen Reichsrage hat der Verstorbene den diesseitigen Wahlkreis vertreten und als solcher bei der Constituirung des Norddeutschen Bundes mitgewirkt. Dem preußischen Hcrrcnhause gehörte der Verewigte aus Grund königlicher Berufung als lebenslängliches Mitglied an. Sein Tod bedeutet zunächst für das Welthaus, an dessen Glanz und dominirender Stellung in der Geschäftswelt der Verstorbene einen ganz hervorra« gruben Antheil hatte, einen herben, unersetzlichen Verlust. Das große Flnanzeorrsortirmi, dessen ausfchlaggrbender Führer er gewesen und welche) nach der ivirma Rothschild benannt ist, wird nicht minder die entschlossene Initiative schmerzlich vermissen, und den scharfen geschäftsmännischen Blick, sowie die mit der genauesten Kenntnis; des großen internationalen Geschäftsmechanismus gepaarte Umsicht bet der Laucirnng epochemachender Finanzoperationen, alles Eigenschaften, welche der Dahingeschiedene in hohcnr Grade besaß. Diese Lücke wird sich wohl schwerlich wieder schließen! Aber nicht allein aus dem nüchternen Gebiete des tvirthschastlichen und commerciellen Schaltens und Waltens stand Freiherr v. Rothschild unter den Ersten Einer. Es nmß ganz besonders hervorgehoben werden, daß der Verstorbene neben diesen bedeutenden Eigenschaften, welche ihn die großen Pflichten, die ihm seine Stellung als ein Chef des Welthauses auferlegten, leichter zu erfüllen befähigten — das feinste Verständniß für die Werke der schönen Künste besaß und übte. Eine umfassende Geistesbildung befähigte ihn von Haus aus, bei dem idealen Streben, das ihn beseelte, auf dem Wege zu wandeln, welcher seine Kunstsammlungen zu den großartigsten ihrer Art gemacht hat. Die hervorragendsten Schätze hauptsächlich der alten Gold-und Silberschmiedekunst bilden die Specialitäten dieser Sammlungen, welche wohl gerade in dem. erwähnten Genre ihresgleichen nirgends haben dürften. Die Stadt verliert in ihm einen ihrer hervorragendsten Bürger, die Kaufmannschaft ihren langjährigen Börsenfürsten,, und mit dieser Trauer sehen die Armen und Bedrängten sich eines Freundes und stets bereiten Helfers beraubt, der im stillen Wirken so manche Thräne trocknete, so mancher Noth abgeholftn. Das Ableben des Verblichenen stellt sich für die leitenden Finanzkreise, nicht allein Deutschlands, als ein Ereigniß von weitttagender Vedeuttmg dar. Das Wirken des so bedeutend veranlagten Mannes im einzelnen, namentlich auf dem Finanzgebiete zu schildern, ist kaum möglich, denn diese seine Thätigkeit, welche sich übrigens, der Natur der Sache entsprechend, den Augen der Oeffenrlichkeit meist entzog, war zudem eine so ausgedehnte und vielseitige, daß eine erschöpfende Darstellung derselben mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist. Was vor allem bei

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