Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 99 (20.12.1886)
- Date
- 1886-12-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Verhältnissen. Was Dn andeulest. gewaltsame Entführung luivb in der Wcflcmuait fein Mensch wagen, er wurde, und wäre er nmh so hochgestellt, einer strengen Strafe nicht entgehen." „Daran zweifle ich auch nicht," erwiderte Brack, „aber wenn ein Unglück einträse, wäre uns damit geholfen, wenn der Urheber desselben zu strenger Verantwortung gezogen würde V Ich habe cs schon gesagt, wir haben Lorenz schon alsKnaben von der schlechtesten Seite kennen gelernt. Nun hat mir Schneider Tuschet heute in tiefstem Vertrauen Dinge von ihm erzählt, die mich überzeugen, daß der nichtsnutzige Junge ein nichtsnutziger Mensch geworden ist. Tuschek's Sohn, Martin, der bei den Dragonern dient, ist schon seit längerer Zeit Lorenz Horneck-Golzinger als Diener zugethcilt und ist dadurch gegen seinen Willen Mitwisser seiner zahllosen, schlechten Streiche geworden. Schneider Tuschet fürchtet, daß wenn diese herauskonnncn, auch sein Sohn zur Verantwortung gezogen werden wird, einer harten Strafe verfallen könnte. Von Lorenz Golziuger ist das Aergste zu befürchten, und wie ich schon gesagt habe, auch die schwerste Strafe vermag ein Verbrechen nicht ungeschehen zu machen. Der Lernwandhändler Rcb Jizchak Beran, der diese Woche vom Brünner Markt gekommen ist, hat mir gestern, als wir zusammen von Mairiw') gingen, eine sonderbare Geschichte erzählt, die sich vor einiger Zeit in Brünn zngetragen, dort großes "Aufsehen erregte und einen Beweis für meine Behauptung ergibt. „Ein angesehener Brunner Juwelier hatte einen elegant gekleideten, jungen Mann, der sich in seinem Laden Schmuckgegenstände zur Auswahl vorlegen ließ, dabei betroffen, als er einen kostbaren Ring in seine Tasche verschwinden ließ. Der junge Mensch wollte weder den Ring freiwillig 'herausgeben, noch sich einer Untersuchung unterziehen; so daß der Juwelier gezwungen war, um Polizeilcute zu schicken. Nun warf der junge Mensch den Ring aus die Erde und lies aus dem Laden. Der Juwelier, froh wieder in den Besitz seines Eigcnthnms gelangt zu sein, verzichtet darauf, den Dieb zu verfolgen. Tags darauf wird er zu einem General berufen, und er erscheint auch pünktlich zu der ihm bestimmten Stunde, in der Hoffnung, einen Auftrag auf Schmuckgegenstande zu erhalten. Aber zu fernem Bereden sinder er den General, der ihn mit einem Schwall vonSchimpfwörter! empfängt, in der leidenschaftlichsten Aufregung. Ter Dieb war eilt Schwestersohik des Generals, seine Mutter halte elncil russischen Fürsten geheirathet, und der junge, russische Fürst befand sich bet seinen« Oheim zu Besuch. Der General, ein Graf, warf dem Juwelier vor, er hätte seinen Neffen, den Sobü seiner Lieblingsschwesler, ohne jeden Grund als Dieb bezeichnet und behandelt. Der Juwelier, in peinlichster Verlegenheit, entschließt sich endlich zu seiner Entschuldigung, die volle Wahrheit zn sagen, darüber aber gcrielh der General förmlich in Naserei und ließ den unglücklichen, unschuldigen Mann trotz seines energischen Protestes, der allerdings schließlich in demüthiges Flehen überging, auf eine Bank niederlegen und dreißig Stockschläge aufzählen. „Der angesehene Bürger, der sich der allgemeinen Achtung erfreut, verfiel vor Schrecken, Kränkung, Schande, wohl auch in Folgender körperlichen Mißhandlungen in eine schwere Krankheit. Ter Sohn des Juweliers, ein Brünner Advokat, fuhr sofort nach Wien und nahm beim Kaiser Audienz, um bei diesem direkt seine Klage gegen den General anzubringen. Der Monarch ließ die Sache, streng untersuchen. Es stellte sich Heralts, der junge Nüsse hatte, wie die Polizeibehörde berichtete, mehrere Diebstähle begangen, allein, wo dies rechtzeitig entdeckt worden, waren die entwendeten Gegenstände entweder in Natura zurückgestellt oder noch weit über ihren Werth bezahlt worden, so daß die Intervention der Polizei früher nicht in Anspruch genommen wurde, auch hatten die Verwandten des jungen Fürsten behauptet, er wäre von der Klephtomanie, der Sucht sich fremdes Eigenthum, das einen besondcrn Reiz für ihn besitze, anzueignen, befallen. Der junge, russische Fürst war, als das Ergebnis; der Untersuchung bekannt wurde, längst in sein Vaterland zurückgekehrt, der General verfiel iu kaiserliche Ungnade, allein das vermag nicht zu verhindern, daß der wackere Bürger, wenn er nicht seiner Krankheit erliegen und sterben sollte, einem unheilbarem Sicchthnm verfalle, daß die Erinnerung an die unschuldigerweise erlittene Beschimpfung den Rest seines Lebens verbittern wird .... Bei ruhigem Bedenken," fuhr Brack nach kurzer Pause fort, „wirft Du die Zweckmäßigkeit meines Plaues' bezüglich Sara's anerkennen müssen. So lange sie hier gleichzeitig mit Lorenz Golziuger weilt, würde ich keine ruhige Minute verleben. Bei Deinem ausgebildcten Rechtsgefüht und Deinem feurigen Temperamente ist ein in seinen Folgen unberechenbarer Zusammenstoß mit Lorenz zu befürchten. Sara's Awesenheit kann uns keinen Nachtheil bringen. Tie Reisekosten und die Entbehrung, dre wir uus durch die Trennung von Sara aufer- 1) Kam Abendgebete.