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Der Israelit · 1886-10-12 · Heft 81-82 (12.10.1886) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 81-82 (12.10.1886)
Date
1886-10-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1415 bezeichnest. Mit der Zunahui der Bewohner dieser gewerbsteißigen Stadt, luiigj auch die Zahl ihrer Wischen Mitbürger und. schon lange konnte das alte, kleine, nuscheinbare Gotteshaus weder den religiösen Anforderungen, noch der Würde der Stadt genügen. ES hatten sich nun einige wackere Männer gefunden, die den so dringend gewordenen Bau eines neuen, würdigen Tempels beschlossen und diesen auch unter Gottes Beistand durchgeführt haben. An der Spitze dieser glaubenseifrigcn Israeliten stand der hochverdiente Präsident der Neupesther Jsraclitengemeinde, Herr Hermann Friedman«, welcher mit vollster Hingebung Opfer an Zeit und Geld gebracht, um sowohl ein Gottals inenschcngefälli^s Werk zu schaffen. Ihm zur Seite standen willig und unverdrossen die Präsidenten des Baucomites, die Herren Josef Hadl und Josef Geiger. — Das neue Gotteshaus ist ein schönes Bauwerk, das eine Zierde der Stadt bildet und der Gemeinde zur hohen Ehre gereicht. Die Einweihung des neuen Tempels hat nun am Dienstag, den 21. Scptemller d. I. nach einem von Oberkantor Prof. Fricdmann entworfenen und pröcise ansgeführten Programme stattgefunden. Oberrabbiner Dr. Noscnbcrg aus Arad hielt die Weiherede. Frankreich. Paris. (August) Monatsbericht der „Alliance Jsraelite Universelle." (Israeliten Maroccos). Infolge der Ruhestörungen, welche am 23. Mai in Fez gegen die Israeliten dieser Stadt in Scene gesetzt wurden, wurden drei Israeliten verhaftet und nach Marocco gesandt, wo sich S. M. der^ Sultan befand. Es waren dies der Israelit, dessen Streit mit einen! Araber den Vorwand zu bcm Aufstand vom £3. Mai lieferte; die beiden anderen wurden nur deßhalb festgenommen, weil sie sich zur Zeit des Streites am Orte der That befanden. In Mequivez wurde neuerdings ein Attentat verübt an einem Israeliten, Namens Abraham Benaroj. Am 4. August trat ein Araber an denselben heran und ersuchte ihn, ihm französisches Geld gegen spanische Münze einznwcchseln. Nachdem Bcnaroj das erforderliche Geld zusammengczählt batte folgte er dem Araber, welcher ihn nach einem Stalle führte, der dem Haust des Paschas gegenüber lag. Tort angekommen, warf sich der Araber auf Benaroj und ermordete ihn durch Säbelhiebe. Eine alte^maurische Frau, die zugegen war, rief um Hilfe: der Mörder wurde feftgenommen, aber das Geld war bereits verschwunden. Benaroj hinterlaßt eine Frau mit 5 kleinen Kindern. Noch ein zweiter üemerkenswerther Fall hat sich in Meqninez zugeimgen. Ein israelitischer Schneider wurde ans höheren Befehl mit buchen gepeitscht, weil er einen ))lod, den ihm ein uraroccauischer Beamter bestellt hatte, nicht zur Zeit liefern konnte; umsonst führte der arme Arbeiter zu seiner Berrheidigung an, daß ihm die nvthigen Mittel gefehlt hätten zum Ankauf des nöthigcu Stoffes. H (Israeliten von Renten.) Die Archives Jsraelitcs vorn 22. Juli veröffentlichen Namens des Baron Bela B -My, welcher von S. M. dem Kaiser von Oc.erreich zum Sultan von Zanzibar entsendet wurde und die Steife nach dem Domen unternommen, die nachfolgenden Informationen über die Israeliten jener Gegend: Die Juden von Minen sind wie die Araber in Stämme eingetheilt. In viertägiger Entfernung von Aden befindet sich eine Stadt Namens Dalah; es ist dies der erste Ort nach Aden, wo es möglich war, ihre Sitten und Charaktere zu studiren. Die. Stadt Dalah ist in zwei Theile getheilt; die eine wird von den Muselmännern, die andere von den Juden bewohnt. Die letzteren sind Schmiede, Maurer, Schreiner, Gordarbeiter, Waffenschleifer, Ciscleure, Sattler, Schuhmacher; ihre KnpferaröciLen sind bewundernswerth, und die Arabersagen selbst, daß sie ohne die Inden nicht bestehen könnten; kurz, alle Arbeiten werden von den Juden verrichtet. Der Baron Racosky staunte sehr über diese industrielle Tßätigkeit, welche einen Contrast bildet mit. den üblichen Handelsgebräuchen, die er bei den Israeliten in Ungarn beobachtet. Dort befaßt sich kein einziger Jude mit Handel; sie arbeiten unermüdlich, denn ihre Armnth ist unbeschreiblich. Die Männer sind unter Mittelgröße, sehr schlank, knochig, von dunkler Färbung, was dadurch entsteht, daß sie immer ml rauchigen, schlecht ventilir- Len Werkstätten arbeiten; die Flauen sind' klein, eher gut gebaut, haben schöne Angen,, aber weder die einen noch die andern lachen jemals, noch lächeln sie, da ihr Leben ein zu mühseliges ist. Die Kinder gehen halbnackt in den Straßen umher. Tie Araber verachten sie wegen der Arbeiten, die sie verrichten und ^gestatten ihnen nicht, außer ihrem Stadtviertel zu wohnen oder den Loden zu bebauen.' Sie halten sehr ans ihren Glauben und unicrlaffl'n es nie, den Gebräuchen ihrer Lorfahren treu .zu'bleiben. Von der Stadt Dalah bis zur Stadt Jerim ist eine viertägige Entfernung; Herr Racosky har keine Spur von israelitischen Kchilas gefunden. In Jerim hat er bemerkt, daß die Mehrzahl der Bewohner Juden, von demselben Typus und denselben Gewohnheiten und demselben Gewerbe, wie die oben beschriebenen sind; auch m dieser-Region betreiben die Araber den Handel und die Jsraeltten das Gewerbe.

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