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Der Israelit · 1886-12-27 · Heft 101 (27.12.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 101 (27.12.1886)
Date
1886-12-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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mö höhe hinauf und sieht vor sich Jerusalem, das zuerst einen tristen Anblick gewährt, weil die ganze Gegend mit ihrem schwärzlichen Gestein, wie eine Insel aus dem Meere hervorragt. Bald grüstcn uns die Häuser von Glaubensgenosse», nämlich die vor dem Thore Jerusalems liegende Häuser der jüdischen Baugescllschaftcn; es bestehen nämlich deren sieben, die hundert Häuser errichteten, wie z. B. die von Sir Moses gegründeten Qhel Mosche und Masteres Mosche. Alle Hauser, im Viereck gebaut und mit dem Thore zur Seite, sehen kleinen Festungen ähnlich. Jedes Halls hat zwei Zimmer, die bedeutenden Ober- und Untergeschoß, und eines kostet zweitausend Frcs.; jedesmal, wenn zehn neue fertig sind, werden dieselben unter den Unternehmern verloost. Alle bis jetzt gebauten wurden durch Aschkenasim, die darin unternehmender sind als die Sephardim, hergestcllt; doch miethen letztere gerne bei erstrren, und alle wohnen dann friedlich beisammen. Einen besonders besriedigenden Eindruck gewährt es, wenn die Einwohner am Sabbath vor den Häusern ruhen oder wenn sie die Jaffastraße entlang spazieren, gehen. Jü die Stadt selbst treten wir durch das Jaffathor ein, and) Babel-Chavkv, Thor des Freundes genannt, d. i. das Thor Abrahams, weil es nach Chevron führt. Sowie in biblischer Zeit ist auch heute noch das Haupttreiben am Thor. Die Davidsstraße, das Judenviertel hinunter gelangt man zum. Bazar, wo ein reges Leben zu beobachten ist, und von da rechts zum Zion, der theils bebaut ist, theils noch außer der Stadt liegt, links über die CHebronstraße zur ^no, deren Grundmauer riesige, nach altjüdischer Bauart behauene Quadersteine sind. Rührend ist die Inbrunst, mit der unsere frommen Brüder an dieser heiligen Stätte bete», und besonders glücklich fühlt sich der Pilger, wenn er zum ersten Male den geweihten, denkwürdigen Platz betritt. Durch eine» Vertrag mit der Regierung ist den Juden dieser Weg als Eigenthnm Vorbehalten, so daß sie ungestört dort ihre Andacht verrichten können. Da das jüd. Religionsgesetz den frommen Wandrer verhindert, weiter nach der Stelle des Tempels vorzudringen, besteigt er die Höhe, wo das Rothschild'sche Spital sich befindet, und genießt von da aus die bewundernswerthe Aussicht über die Stadt mit ihren herrlichen Thürmen und vielen Moscheen. Jn's Innere der Stadt zurückgekehrt, starren wir den verschiedenen Schulen einen Besuch ad, der aschenkenasischen Talmud-Thora-Schule, die 300 Schüler hat, der sephardischen mit 200 Schülern und der nicht stark frcquentincn ungarischen. Die Erwähnung der Missionsschulen gibt dem Redner Gelegenheit, das schon oft gekennzeichnete Treiben der englischen Missionäre zu charakrerisiren, die, nachdem sie früher für das Einsangen einer jüdischen Seele im Durchschnitt 500 L. St. gezahlt, dafür aber gewöhnlich nur Spott geerntet haben, dann durch einen gewissen Friedländer auf den Plan gebracht wurden, die jüdische Jugend an sich zu ziehen, worin sie leider schon Erfolge erzielt haben. Freilich sind die von ihnen bekehrten nur das erbärmlichste Gesindel, wie es sich auf der von ihnen unterhaltenen Missionskolonie Artouf findet. Zunefpalt in den Familien ist nicht selten die Veranlassung, daß Eltern in der Verzweiflung ihre Kinder den Missionären übergeben, und nicht wenig ward auch das Treiben der Missionäre erleichtert durch die unartgenehmen Zustände, die noch unter unseren Glaubensgenossen bestehen, die noch immer keine einheitliche Gemeinde bilden, sondern sich nach Landsmannschaften (Kollelun) grupprre». Die Vorsteher derselben vertherlen die von auswärts eingehenden Unterstützungen, die zwar sehr mäßig ausfallcn, aber deshalb äußerst wohlthatig sind, weil sie hauptsächlich für die Miethe verwendet werden, welche wegen der in Jerusalem herrschenden eigenthümlichen Miethsverhältniffe schwer zubestreiten - ist. - Leider aber wird von unseren Glaubensgenossen immer noch nicht ausreichend für solche Institute gesorgt, welche die moralische Hebung der Juden Jerusalems bezwecken. Ein solches ist die Waisenanstalt, die zuerst auf' große Opposition von Seiten der Aschkenasim stieß, weil sie vor der abendländischen Bildung Anstoß nahmen, die aber jetzt die allgemeinen Sympathien findet. — Das der Munisieenz einer Frankfurter!» seine Entstehung verdankende Gebäude hat eine sehr gesunde Lage, ist auf Felsgestein errichtet, durch Westwinde bestrichen und durch einen Weinberg geschützt. Es enthält zehn Zimmer; in einem besonder« Stockwerk befinden sich die Synagoge und die Unterrichtszimmer. in einem andern die Schlafraume. Redner schildert eingebend die Art und Weise, wie die Kinder jein glückliches und schönes Familienleben genießen nnd wie sie zu braven und tüchtige» Menschen und zu glaubensrreue» Inden erzogen werden. Hand in Hand mit den Bestrebungen des Waisenhauses gehen die Bestrebungen der Rothschild'schen Handwerkerschule, in welcher auch die Waisenhauskinder tlieilweise für das Handwerk ansgebilder werden. Kürzlich ist der erste Waisenhaus-Schüler entlasten worden, der als kleiner Knabe die Knochen auf der Straße auslas und jetzt als ein Schmied sein Brod verdient. Leider erlaubten es bisher die Mittel noch nicht, mehr als fünfzehn Waifenhausknahen aufzunehmen, obwohl stets viele umZAufnahme

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