Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 101 (27.12.1886)
- Date
- 1886-12-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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xxvn. Jahr»a»g. Seillige MIr. M -es Israelit. Zeigstttttttachrichie» und Correspvndenze»». D e n t f ch l a » d. Berlin. Unter den Petitionen, welche dem Reichstage zugegangcn sind, befinden sich 57 Eingaben israelitischer Gemeinden, welche sich gegen Le:: vom Verbände der Thierschuhvereine des Deutschen Reichs beantragten Erlaß reichsgesetzlicher Maßregeln, betreffend das rituelle Schlachten, erklären. Auf eine private Anfrage besorgter israelitischer Gemeindevorstünde hat Fürst Bismarck erwidert, daß jene Agitation der Thierschutzvereine bei ihm auf keine Förderung zu rechnen haben werde.. Frankfurt a. M., 24. Dezember. Gestern Abend hielt hier Herr Tr. Herzbcrg aus Jerusalem, Direktor des israelitischen Waisenhauses dortselbst, einen Vortrag über „Bilder ausdemOrie n t". In gemüthvoller Weise wußte Redner in seinem einstündigen Vorträge eine Fülle von interessanten anziehenden Mittheilungen und Bemerkungen vorzusührcn und das zahlreich erschienene Publikum, zu fesseln. Er unternahm im Geiste eine Reise von Jaffa nach Jerusalem. Rur bei günstiger Witterung landet der von Europa kommende Reisende in Jaffa, Lei Sturm, der sich häufig in den zwei Wintcrmonaten einftcllt, in Beirut. Einen eigenrhnmtichen Eindruck macht gleich bei der Landung im Hafen zu Jaffa, wo noch sehr primitive Einrichtungen herrschen, das sonderbar, ungeordnete Treiben und Drängen. Diensteifrige Boren nehmen von dem Frernden und denen Gepäck oft geradezu gegen seinen Willen Besitz und geleiten ihn zur Stadt. Jaffa, „die Schöne", rechtfertigt äußerlich ihren Namen nicht. Aus grauem Sandstein auf Felsen gebaut und terraffenartig sich erhebend, gleicht die Stadt gcwiffermaßen einem graue» Bienenstock. Der große Bazar der Stadt zeigt jedoch ein interessantes KÜd und erinnert an die Märchenwelt von . 1001 Nacht. Schon in Jaffa unterscheiden sich, wie in ganz Palästina, unsere Glaubcnsgcnonen in die 3 nach ihrer Herkunft geschiedenen Manen: Aschkenasim, Sephardim uub Moghrabim, d. h. Abendländer, (Maariv) nämlich die Inden aus Marokko und den andern uordafrikanischen Ländern, und jede hat ihre eigene Geuteindcvertval- I tung und besondere Institutionen. Biele Juden in r Jaffa sind Geldwechsler; einzelne haben Export- Geschäfte; reiche Kapitalisten gibt es unter den Sephardim. Der Fremde, der in den Straßen von Jaffa sieht, daß Männer auf dem Esel oder dem Kameele reiten und Frauen daneben hergehen, könnte geneigt sein, das Bornrtheil gerechtfertigt zu finden, daß die Frauen bei den Orientalen eine niedrigere Stcttilug einnchmeu, während in Wirklichkeit dieselbe eine dominirende ist, und schwere Feldarbeiten dort der Frau nie zugcmuthet werden. Gar nicht kennt der Orientale die Blöde, und die Mädchen gehen heute dort noch ebenso zum Brunnen, wie einst unsere Mutter Rebekka. Durch Vermittlung eines Juden, denn nur diese sind die Wagenmäkler, erlangt der Reisende einen Wagen und tritt etwa Nachmittag um 4 Uhr, (früher ist es der Hitze wegen unmöglich), die weite Reise nach Jerusalem an. An den deutschen .Kolonien vorbei, die in blühendem Zustande sind, führt der Weg durch die Ebene Saron, die verhältnißmäßig gut angebaut ist; Steine und Unkraut zu entfernen, fällt ja freilich dem Orientalen^ nicht ein. Hauptsächlich wird dort Weizen und rsesam gebaut. Einen wundervollen Anblick gewähren die zehntausend Oraugcngärre», die Jaffa umgeben. Aus dem Bereich derselben gelaugt, kounni man ans der schlecht chanssirien, aber durch Hecken und indische Feigen geschützte Straße bald zu den jüdischen Ackerbaukolonieu; zuerst wird Mikrvcb Israel sichtbar, weiter links erscheinen die Häuser von Pcsach Tikwah, rechts die von Rifchon Lezion mit ihren rothen Dächern. Bald find die Reisenden in dem niedlichen Städtchen Remnah angekomuieu, d. h. Sand, denn immer weiter dringt der Meeressand vor, weil nicht fleißige Menschenhände ihm Halt gebieten. Der hohe Thurm dieses Städtchens heißt Davidsthnrm. Auch einige Juden wohnen neuerdings dortselbst. Nachdem in einem alten Kreuzritterschloffe eine Erfrischung gcnomuren worden ist, wird die Reise noch vor Eintritt der Rächt dis zu dem drei Stunden weiter liegenden Bab-el-Wad fortgesetzt, wo in einer einsamen Schlucht der unerschrockene und darum gleichzeitig gefürchtete nnd geachtete Glaubensgenone Soliman cm Gasthaus hält. Tann geht cs weiter in die mondhelle Rächt hinein, den sehr steilen Weg zu dem unwirthlichen, trostlos-öden Gebirge Juda hinan. Des Morgens wird Lioloma erreicht, das im Thale vor Jerusalem liegt. Langsam steigt der Reisende wieder die An-