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Der Israelit · 1886-10-06 · Heft 79-80 (6.10.1886) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 79-80 (6.10.1886)
Date
1886-10-06
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1308 und Uritersiichllllgen bereits mehrere Jahre fort, da bemühte sich die (Gemeinde, nachdem zuvor eine Deputation zum Mörnjic nach Warschau gesandt worden war, die Angelegenheit vor dem Tribunal in Warschau zu bringen, von dem sie wohl mit Nccht eine unparteiische und leidenschaftslose Behandlung erwartete. Dies erreichte sie zwar: einen Bertheidiger aber zu gewinnen, der ihre Sache daselbst führen sollte, war nicht möglich, weil btc Geistlichkeit jeden Advokaten, der sich der Inden bei dem Warschauer Tribunal aunehmen würde, mit dem Banne bedrohte. Da gelang es doch endlich der jüdischen Gemeinde zu Wien, einen bedeutenden Juristen als Bertheidiger für die Posener Juden zu gewinnen, der auch das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigte, indem er sich der Sache kräftig annahm. Seinen Bemühungen gelang cs, die Entscheidung hcrbeiznführen, daß die jüdische Gemeinde zu Posen von der Anklage loszusprechen und die noch eingekcrkertcn sieben Personen aus der Haft zu entlassen seien, wenn die letzteren, in KittA und Talis gehüllt einen feierlichen Ncinigungseid leisten und neun Edcllcnte, von denen drei als Eideshclfer, die Unschuld der Juden bezeugen würden. Dies geschah und so wurden denn nach fast vier Jahren, am 12. Ab 1740 die Gefangenen in Freiheit gesetzt und die Anklage niedergeschlagen. Aber außer den schuldlos gemordeten Opfern hatte die Gemeinde auch noch ihren finanziellen Ruin zu beklagen. Dmch die während des Prozesses herrschende Au'frcgnng, durch die Entfernung so vieler Mitglieder, lagen Handel und Wandel gänzlich darnieder, und trotz der einreißenden Berarmnng war man gciiöthigt, die ungeheuren M ofrcit des Prozesses aufzubringen. Man war also gezwungen, Schulden zu machen und der Betrag derselben erreichte die Höhe von mehr als 60,000 Gulden, (30,000 M.) Nur langsam und schwer konnte sich die'Gemeinde von dieser Heimsuchung erholen, und die allmählich Boden gewinnenden milderen und vernünftigen Anschauungen schienen den Inden Sicherheit gegen eine Wiederholung derartiger. Beschnldignngen zu verschaffen. Da drohte der Genrelnde noch im Jahre 1764 ein abermaliger Blntprozeß oder, was noch schlimmer war, ein summarisches Gemetzel. Mehrere Judenfeinde hatten, wie die Quelle — das o-'tfnp — ausdrücklich angibt, einen Schüler des hiesigen Jesuiten - Collegiums heimlich aus der Stadt geschafft und, als er vermißt wurde, das Gericht verbreitet, die Inden hatten ihn auf unmenschliche Weise gemordet. Cs fanden sich sogar Zeugen, die cs gesehen haben wollten, wre die Leiche in die Warthe geworfen wurde. Schon war der Pöbel, ja die ganze Bürgerschaft, bereit, über "die Juden herznfaüen und die Nacht des 22. Ador scheni war zur Ausführung des Gemetzels bestinnnt, dem, wie verabredet wurde, nur eln einziges sechsjähriges Kind entgehen sollte — da wurde der angeblich gemordete Schüler von einem hiesigen Gemcindemitgliede in Gnesen gesehen. Dieser Mann — sein Name n]?:u‘rp ied p ist zum Gedächtmß ausgezeichnet — war dorthin zum Jahrmarkt gereist. Er veranlaßte, nicht ohne große Schwierigkeiten, die dortige Behörde zur Festnahme des in Posen vernn'ßten Schülers und sandte einen expressen Boten an die hiesige Gemeinde, die ihrerseits durch mehrere Bewaffnete den Schüler nach Posen schaffen ließen. Mit dem Eintreffen des Vernieten sielen selbstredend, zum Leidwesen der Interessanten, die ersehnte Veranlassung zu einer Judenschlächterei fort; die Gemeinde aber registrirte diese Abwendung einer drohenden Gefahr in ihr Gcdächtnißbuch und bestimmte den Tag — ttk 2*2 — 5’ont Frendentage. Anderthalb Jahrhunderte sind seit jenem Blutprozcsse von 1736 dahingcrauscht; die Zeiten sind milder geworden, aber die Unvernunft und Bosheit, die derartige Beschuldigungen erfanden, liegen immer noch gegen Juden und Judcnthnm auf der Lauer und suchen, wenn mich nicht mehr «i so blutdürstiger und barbarischer Form, den Juden die Lebensader zu unterbinden. Uns bleibt eben nur der tröstende Gedanke?;prn> 'i> C'Pw^w*. S Für den folgenden 11 tttf'U L S tU- Lheil ist die Medaction nicht verantwortlich. fromme, gute Köchin, die etwas 'i' Hausarbeit übernimmt, dei Kobern Lalair iofort oder jpätcr in cirrerr kleinen Haushalr gesucht. Ädr. an Frau Aachmann, Ltadchausftraße 2S, Main;. c:en. ' 4UL6 wird ein braves, einfaches Mädchen l e^ür mein Colsnial- und bifenwaarcnge- >2, aus ordentlicher «Zamilie, welches inT . eilen häuslichen und Handarbeiten gut erfahren in, zur Lnrye der Hausfrau gesucht. Änrrbirren befördert unter Kr. 494S die Erxedirion d. Bl. ö schäfr suche einen Lehrling mit guten Schulrenmnwen. Kon und rkogis im Haufe. L amttag uns Feiertage grschlonen. I. Lrvi» 4300) Homberg o. d. £§av

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