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Der Israelit · 1886-10-06 · Heft 79-80 (6.10.1886) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 79-80 (6.10.1886)
Date
1886-10-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Zeiittugsuachrichtsn nrrd Correfpoudenzen. Deutschland. Frankfurt a. M, 26. Sept. Heute wurde die Leiche des Geheimen Sanitätsraths Dr. Maximilian Geh auf dem israelitischen Friedhof zur Ruhe bestattet. Eine große Menge Leidtragender folgte dem Leichenwagen; darunter der Herr Polizeipräsident, der Herr Oberbürgermeister, Magisiratsmitglieder, Herr v. Madai und viele Lcrufsgenosseu des Verstorbenen. Mehr als 50 Equipagen schlossen sich an. Auf dem Friedhof sprach zuerst Herr Direktor Dr. Baerwald, der die außerordentliche Freundlichkeit und Humanität des Verblichenen rühmte, dem das Seltene befchicden gewesen: er hatte keinen Feind. Von seinem Vater habe er das Streben nach edlem Wirken überkommen, auf der Universität die Liebe zur Einheit und verfassungsmäßigen Freiheit des Vaterlandes in sich aufgenommen. Als er seine medizinischen Studien in Prag und Paris fortgesetzt hatte, kehrte er in die Vaterstadt zurück, wo er bald Gelegercheit fand, in weiten Kreisen hilfreich einzugreifen, und namentlich den Armen zur Seite zu stehen. So war er gern ein Arzt des Waisenhauses, die Armenklinik war sein Lieblingskind, der Sicgmund Stern'schen Waisenstifrung widmete er seine Thätigkeit, in den Kriegen organisirte er Lazarethe. Allen, die ihm nahe kamen, leuchtete ein Strahl des häuslichen Glückes, das ihm beschieden war, und ihn stets auf's Neue zu gesegnetem Wicken ermunterte. Namens des ärztlichen Vereins widmete dem Hingeschiedenen Herr Dr. Altschul einen Nachruf, indem er dessen selbstlose ärztliche Thätigkeit, wissenschaftliches Streben und seine Bemühungen zu Gunsten des ärztlichen Standes hervorhob. Herr Dr. Marcus schilderte die Verdienste des Verblichenen um den ärztlichen Pension»- und Hülfsverein, den derselbe heute vor 10 Jahren mitbegründete. Herr Dr. Heinrich Schmidt sprach im. Aufträge des Vorstandes der Frankfurter Armenklinik, die Herrn Dr. Getz soviel verdankt, Herr Tr. E. Eohn für den Verein zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger, Herr Jnstizrath Dr. Fuld Namens der Steruschen Stiftung, deren Waisen der Verewigte ein Vater gewesen. Aus Elsaft-Zothrrrrgerr. Unter den WohlthätigkeiLsansiaLten, welche die Großherzogin von Baden in lehtere» Tagen in Straßbnrg besuchte, müssen wir auch das m\ Krankenhaus erwähnen. Ihre Königl. Hoheit hat sich verflossenen Donnerstag den 16. September, um halb vier Uhr dahin begeben nnd wurde voll Herrn Leon-Blnm Anscher, Vorsteher des Verwaltnngsrathes empfangen, der Ihrer K. Hoheit die übrigen Mitglieder des Nathes vorstcllte und einen Strauß mit den »badischen Farben anbot. Die Großherzogin hat sich längere Zeit mit den Kranken und dem Personal unterhalten; .sie lobte besonders die innere Einrichtung des Hauses und die-gesammte Organisation der Anstalt, in welcher sie bis ein Viertel auf fünf Uhr verblieb. W, Oestcrr. - Ungar. Monarchie. Wien. Heute Nachmittags um halb 1 Uhr entstand in der Vorhalle zum Schwurgerichtssaalc, nachdem die Verhandlung im Prozesse Hcller-Grnuberger auf eine halbe Stunde vertagt worden, unter dem das Schwurgerichts-Gebäude verlassenden Publikum ein Skandal, welcher sich bis auf die Straße fortpflanzte. Der Anlaß hiezu war folgender: Der angebliche Dr. Karl Hugo Pettersch, Schriftsteller, V. .Bezirk, Arbeitergasse Sir. 21 wohnhaft, ging mit einem Herrn, dessen Name» er nicht kennt, beim Saale heraus. Letzterer äußerte sich, daß es doch sonderbar sei, das; die Beschädiget' Juden seien. Auf diese Bemerkung replicirte eine Dame, daß dies eine Gemeinheit sei. Es bildeten sich bald Parteien für und gegen, und der Skandal verpflanzte sich auf die Straße. Hier gerieth Dr. Pettersch mit dem in der Leopoldftadt, Vereinsgasse Nr. 65 wohnhaften Pyrotechniker Emanuel Zwillinger in einen Streit. Der hinzugekommene Reichsraths- Abgeordnete Fiegl rief: „Das ist ein Skandal, wie sich dieses Judenvolk benimmt!" Professor Fiegl will hierauf von mehreren Personen bedroht nnd von Zwillinger dadurch beleidigt worden sein, daß derselbe rief,' cs sei eine Schande, wenn solche Leute im Neichsrathe sitzen. Zwillinger, welcher in Folge Aufforderung des Dr. Pettersch und Professor Fiegl's durch einen Sicherheitswachmann in das Bureau des Polizei-Eomminariats Josephstadt gestellt wurde und der dem Wachmanne Unkenntnis; feines Dienstes kum Vorwürfe gemacht haben soll, ^schildert den Vorfall so, als ob Dr. Pettersch, P ofepor Fiegl und die Genossen derselben das Publikum gegen

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